Die Frühstartrente stößt bei Eltern auf breite Zustimmung. Doch zwischen positiver Bewertung und tatsächlicher Eigenvorsorge klafft eine deutliche Lücke. Viele Familien wollen zunächst lediglich den staatlichen Zuschuss von zehn Euro pro Monat nutzen.
Die geplante Frühstartrente kommt bei Eltern in Deutschland grundsätzlich gut an. Doch die Bereitschaft, zusätzlich zum staatlichen Zuschuss eigenes Geld für die Altersvorsorge der Kinder zu investieren, fällt bislang eher verhalten aus. Das zeigt eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag der MLP School of Financial Education (SoFE). Demnach sehen 59 Prozent der befragten Eltern in der Frühstartrente einen potenziell wichtigen Baustein für die finanzielle Zukunft ihrer Kinder. Gleichzeitig plant jedoch mehr als jeder vierte Elternteil mit Kindern, die 2020 oder später geboren wurden, zunächst ausschließlich den staatlichen Zuschuss von zehn Euro monatlich zu nutzen.
Zwar stößt das Konzept der Frühstartrente auf großes Interesse, die Bereitschaft zu zusätzlichem privaten Engagement ist jedoch deutlich geringer ausgeprägt. Besonders bemerkenswert: Selbst unter den Eltern, die ausschließlich auf den staatlichen Beitrag setzen wollen, betrachten 81 Prozent die Frühstartrente als wichtigen Bestandteil der späteren Altersvorsorge ihres Kindes. Offenbar überschätzen viele Familien die langfristige Wirkung des staatlichen Zuschusses erheblich.
Die Frühstartrente sorgt zugleich dafür, dass sich viele Eltern erstmals intensiver mit Finanz- und Vorsorgethemen beschäftigen. Mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) gibt an, dass das Modell Anlass sei, sich stärker mit finanzieller Bildung auseinanderzusetzen. Insgesamt wollen sich 59 Prozent künftig näher mit der Frühstartrente beschäftigen. Rund ein Drittel der Eltern zeigt sich dagegen noch unsicher oder lehnt eine intensivere Beschäftigung mit dem Thema derzeit ab. „Unsere Studie zeigt klar: Die Frühstartrente kommt bei Eltern gut an, aber die flächendeckende Umsetzung wird trotzdem kein Selbstläufer sein“, sagt Dr. Carolin Gellert, Leiterin der MLP School of Financial Education.
„Mütter und Väter möchten Altersvorsorgekonzepte verstehen, bevor sie finanzielle Entscheidungen für ihre Kinder treffen. Das macht deutlich, dass staatliche Impulse allein nicht ausreichen. Sie müssen durch Finanzbildung und fachliche Orientierung flankiert werden, um langfristig Wirkung zu entfalten“, so Gellert. Ob aus Zustimmung später tatsächlich Vorsorgeverhalten wird, hängt aus Sicht vieler Eltern entscheidend von der konkreten Ausgestaltung der Frühstartrente ab. Besonders gefragt sind einfache und möglichst bürokratiearme Prozesse. 44 Prozent der Befragten wünschen sich eine automatische Erfassung aller Kinder statt eines separaten Antragsverfahrens. Ebenso wichtig ist für 41 Prozent eine automatische Überführung des angesparten Vermögens in ein gefördertes Altersvorsorgedepot nach Vollendung des 18. Lebensjahres.
Darüber hinaus plädiert rund jeder dritte Elternteil (34 Prozent) für begleitende Bildungsangebote, etwa in Schulen, über Arbeitgeber oder durch private Bildungseinrichtungen. Grundlegend dürfte die Kombination aus staatlicher Förderung, Finanzbildung und individueller Beratung entscheidend dafür sein, ob die Frühstartrente tatsächlich zu einem Erfolgsmodell der privaten Altersvorsorge wird.