Deutschlands Schaden-/Unfallversicherer haben 2025 den Turnaround geschafft. Ausschlaggebend waren vor allem kräftige Beitragsanpassungen sowie ein vergleichsweise ruhiges Naturgefahrenjahr. Von einer nachhaltigen Entspannung könne jedoch keine Rede sein.
Das Analysehaus Assekurata hat sich das Marktumfeld der Schaden-/Unfallversicherer angeschaut. Die Versicherer konnten ihre Lage nach Jahren mit hohen Schadenaufwendungen und roten Zahlen spürbar verbessern. Demnach stiegen die Beitragseinnahmen der Schaden- und Unfallversicherer 2025 um 7,7 Prozent auf 99,7 Milliarden Euro und damit stärker als die Versicherungswirtschaft insgesamt.
„Die gesamte Branche wächst derzeit vor allem nominal“, ordnet Dennis Wittkamp, Fachkoordinator Schaden-/Unfallversicherung bei Assekurata, ein. „Höhere Beiträge spiegeln in vielen Bereichen weniger eine Ausweitung des versicherten Bestands wider. Sie sind vielmehr vor allem eine Reaktion auf gestiegene Schaden- und Kostenrisiken.“
Vor allem in der Wohngebäudeversicherung sorgten höhere Versicherungssummen, gestiegene Wiederherstellungskosten und Sanierungsmaßnahmen für steigende Prämien. Im gewerblichen Geschäft bremste dagegen die schwache Konjunktur das Bestandswachstum.
Besonders deutlich fiel die Entwicklung in der Kraftfahrtversicherung aus. Nach mehreren verlustreichen Jahren legten die Prämieneinnahmen um 13,4 Prozent zu. Damit erzielte die Sparte erstmals wieder ein positives versicherungstechnisches Ergebnis. Neben den Beitragserhöhungen profitierte die Branche auch davon, dass größere Naturkatastrophen ausblieben „Die fühlbaren Prämienanpassungen waren angesichts der vorherigen Verluste und der hohen Schadeninflation notwendig“, sagt Wittkamp. Der Turnaround dürfe allerdings nicht dazu verleiten, vorschnell wieder in einen aggressiven Preiswettbewerb einzusteigen. Entscheidend bleibe eine nachhaltige Kalkulation.
Auch das vergleichsweise milde Naturgefahrenjahr sorgte für Entlastung. In der Sachversicherung summierten sich die versicherten Naturgefahrenschäden auf rund 1,4 Milliarden Euro. Davon entfielen rund eine Milliarde Euro auf Sturm und Hagel sowie etwa 400 Millionen Euro auf weitere Elementargefahren wie Starkregen oder Überschwemmungen. In der Kfz-Versicherung kamen weitere 650 Millionen Euro hinzu. Damit lagen die Schäden deutlich unter dem Vorjahresniveau.
Warum Schadenversicherer trotzdem unter Druck bleiben
Die Kölner Rating-Agentur warnt jedoch davor, aus einem einzelnen schadensarmen Jahr falsche Schlüsse zu ziehen. Langfristig blieben Elementarschäden ein zentrales Kumulrisiko, während die gesamten Schadenaufwendungen der Branche bis zum Ende des Jahrzehnts von derzeit knapp 70 Milliarden Euro auf rund 80 Milliarden Euro steigen könnten.
Besonders angespannt bleibt die Lage in der Wohngebäudeversicherung. Zwar entlastete das ruhige Schadenjahr auch diese Sparte. Gleichzeitig sorgen steigende Baupreise, höhere Handwerkerkosten, alternde Gebäudebestände und wachsende Anforderungen an Sanierungen weiterhin für erheblichen Kostendruck. „Die Wohngebäudeversicherung ist nicht allein ein Naturgefahrenthema“, erklärt Wittkamp. Schäden durch Leitungswasser, Feuer oder Sturm träfen inzwischen auf ein deutlich höheres Kostenniveau als noch vor wenigen Jahren.
Hinzu kommt, dass Ende 2025 erst rund 59 Prozent der Wohngebäude gegen weitere Naturgefahren wie Überschwemmung oder Starkregen versichert waren. Nach Ansicht der Analysten müssten deshalb Prävention und klimaangepasstes Bauen künftig stärker in den Mittelpunkt rücken. Vor diesem Hintergrund bewertet Assekurata die Diskussion über eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden grundsätzlich positiv, warnt jedoch vor einfachen Lösungen. „Eine isolierte Pflichtversicherung löst das Problem nicht automatisch“, sagt Wittkamp. Notwendig sei vielmehr „ein tragfähiges Gesamtkonzept aus risikogerechten Beiträgen, sozialer Flankierung, verbindlicher Prävention und einer klaren staatlichen Rolle bei Extremrisiken“.
Neben den wirtschaftlichen Herausforderungen sieht Assekurata großes Potenzial im Einsatz Künstlicher Intelligenz. KI könne unter anderem bei der Schadenbearbeitung, Betrugserkennung oder Dokumentenanalyse Prozesse beschleunigen und Fachkräfte entlasten. Die Verantwortung für Entscheidungen müsse jedoch weiterhin beim Versicherer bleiben.
Für 2026 erwartet Assekurata ein moderateres Beitragswachstum zwischen 3,5 und 5,0 Prozent. Die wirtschaftliche Schwäche Deutschlands dürfte die Nachfrage weiter bremsen. Gleichzeitig bleiben steigende Schadenkosten, Naturgefahren und die Preisdisziplin zentrale Herausforderungen. „2025 hat der Branche Luft verschafft“, fasst Wittkamp zusammen. „Für eine nachhaltige Entspannung ist es aber zu früh. Entscheidend wird sein, ob die Versicherer Preisdisziplin, Risikoselektion, Prävention und Kapitalstärkung in den kommenden Jahren konsequent miteinander verbinden.“