Gothaer steigt aus Waldversicherung aus

Die Gothaer zieht sich aus dem Geschäft mit Waldversicherungen zurück. Als Begründung nennt der Versicherer die veränderte Risikolage infolge des Klimawandels und die zunehmende Gefahr von Waldbränden. Darüber berichtet das Fachportal "Versicherungsmonitor"

Die Gothaer beendet das Kapitel Waldversicherung. Während das Neugeschäft bereits eingestellt sei, würden bestehende Verträge nach ihrem Ablauf nicht mehr verlängert werden. Das schreibt das Fachportal "Versicherungsmonitor" und bezieht sich dabei auf Schreiben an betroffene Kunden.

Der Versicherer verweist in dem Schreiben an die betroffenen Kunden auf die veränderte Risikosituation. Zwar ist die Zahl der Waldbrände zuletzt zurückgegangen, doch langfristig steigt mit häufigeren Hitze- und Dürreperioden das Risiko großflächiger Schäden. Hinzu kommen strukturelle Faktoren wie anfällige Monokulturen, die die Waldbrandgefahr zusätzlich erhöhten.

Auch wenn der Rückzug zunächst nur eine vergleichsweise kleine Sparte betrifft, reicht seine Bedeutung weit über die Waldversicherung hinaus. Er zeigt, dass der Klimawandel zunehmend Auswirkungen auf die Versicherbarkeit einzelner Risiken hat und damit auf ein Grundprinzip der Versicherungswirtschaft.

Denn der Schritt der Gothaer reiht sich in eine Entwicklung ein, die längst auch andere Versicherungssparten erreicht hat. So steigen in der Wohngebäudeversicherung die Prämien vielerorts deutlich an, weil Extremwetterereignisse häufiger und kostspieliger werden. Die Frage lautet deshalb immer öfter nicht mehr nur, was versichert werden kann, sondern zu welchem Preis.

Der ehemalige Versicherungsmanager Alwin W. Gerlach geht in seinem Versicherungsbote-Kommentar noch einen Schritt weiter. Aus seiner Sicht verändert der Klimawandel nicht nur die Kalkulation der Risiken, sondern auch die gesellschaftliche Rolle der Versicherungswirtschaft. „Versicherung war nie dafür gedacht, bewusst erzeugte, systemische Selbstschädigung abzufedern. Sie war ein Instrument zur kollektiven Bewältigung von Zufälligkeit“, schreibt Gerlach. Werden vorhersehbare und dauerhaft steigende Klimaschäden weiterhin lediglich bepreist und verteilt, verliere Versicherung ihren ursprünglichen Zweck.

Besonders kritisch sieht er, dass Versicherung dadurch unbeabsichtigt dazu beitragen könne, problematische Entwicklungen zu normalisieren. „Was versichert ist, fühlt sich beherrschbar an. Was bepreist ist, scheint integriert. Genau darin liegt die Gefahr“, so Gerlach. Nach seiner Auffassung müsste die Branche ihre Rolle stärker als gesellschaftliches Frühwarnsystem verstehen. Steigende Prämien oder sinkende Deckungsangebote könnten Risiken sichtbar machen und Prävention fördern, anstatt lediglich Schäden finanziell auszugleichen. Sein Fazit fällt entsprechend deutlich aus: „Nicht alles, was berechnet werden kann, darf ermöglicht werden. Und nicht alles, was sich versichern lässt, sollte versichert werden.“