Die Ausfinanzierung der Pensionsverpflichtungen der DAX-40-Unternehmen hat 2025 ein neues Rekordniveau erreicht. Welche Kapitalmarktentwicklungen dahinterstehen, warum alternative Anlagen an Bedeutung gewinnen und welche strategischen Optionen sich für Unternehmen bei der betrieblichen Altersversorgung eröffnen, erklären Lena Weippert und Uwe Schätzlein von der Allianz Pension Consult.
Wie entwickelt sich die Ausfinanzierungssituation der Pensionsverpflichtungen bei den DAX40Unternehmen – und wie positioniert sich Deutschland im internationalen Vergleich? Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt: Die Ausfinanzierung bleibt ein zentrales Steuerungsthema und hat im Jahr 2025 nochmals deutlich an Dynamik gewonnen. Der globale Ausfinanzierungsgrad erreicht ein neues Rekordniveau. Zwei Punkte sind dafür entscheidend: 1. Veränderte Kapitalmarktbedingungen: Trotz starker Volatilität und hoher Sensitivität gegenüber geldpolitischen Signalen präsentieren sich die Märkte phasenweise robust. Marktsegmente, die potenziell durch KI weiterentwickelt werden können, sind zum Teil stark durch Zukunftserwartungen getrieben. Ob diese Ausmaße gerechtfertigt sind, wird sich erst in Zukunft zeigen. 2. Alternative Anlagen beweisen ihren positiven bilanziellen Effekt in den Planvermögen.
Das eröffnet den Unternehmen neue strategische Handlungsoptionen. Die DAX-Unternehmen setzen nun sowohl auf Optimierungen im Bestand als auch auf innovative neue Lösungen wie Pension Risk Transfer.
Neuer Höchststand bei der Ausfinanzierung
Im Jahr 2025 haben die DAX40-Unternehmen den Ausfinanzierungsgrad ihrer globalen Pensionsverpflichtungen erneut gesteigert. Dieser ergibt sich aus dem Verhältnis von Planvermögen zu Pensionsverpflichtungen und erhöhte sich von 81,34 % im Vorjahr auf 87,32 %.
Damit wird das im Vorjahr erreichte Niveau nochmals deutlich übertroffen und ein neuer historischer Höchststand erzielt. Wesentlicher Grund für diese Entwicklung ist insbesondere der deutliche Rückgang der bilanziellen Pensionsverpflichtungen (Defined Benefit Obligation, DBO), die um 8,8 % auf 293,1 Mrd. Euro gesunken sind.
Hauptursache wiederum dafür ist der signifikante Anstieg des IFRS-Rechnungszinses um rund 0,84 Prozentpunkte auf durchschnittlich 4,35 %, wodurch zukünftige Verpflichtungen im Barwert geringer ausfallen. Demgegenüber entwickelte sich das Planvermögen leicht rückläufig und sank um 2,1 % auf 255,9 Mrd. Euro.
Gleichgerichtete Entwicklung von Verpflichtungen und Vermögen – mit positivem Ausgang für den Ausfinanzierungsgrad
Im Jahr 2025 nahmen sowohl die Pensionsverpflichtungen als auch das zugrunde liegende Planvermögen ab. Während steigende Rechnungszinsen die Verpflichtungen spürbar reduzieren, wirken sich Kapitalmarktentwicklungen sowie Veränderungen in der Zusammensetzung des DAX-Index leicht dämpfend auf das Planvermögen aus.
Daraus ergibt sich ein positiver Effekt für die Ausfinanzierungssituation der Unternehmen. Dieser Trend ist nicht neu: Bereits in den vergangenen Jahren war ein kontinuierlicher Anstieg des Ausfinanzierungsgrads zu beobachten – sowohl aufgrund des Zinsumfelds als auch durch gezielte Maßnahmen der Unternehmen zur Finanzierung ihrer Pensionsverpflichtungen.
Deutschland: Aufholbewegung setzt sich fort
Ein ähnliches Bild zeigt sich, wenn man speziell auf die deutsche Pensionsverpflichtungen schaut. Diejenigen DAX-Konzerne, die entsprechende Angaben für das Jahr 2025 machten, verzeichnen einen Anstieg im Ausfinanzierungsgrad der deutschen Pensionsverpflichtungen um 6 Prozentpunkte. Indes bleibt der speziell deutsche Ausfinanzierungsgrad im Mittel um 7 Prozentpunkte hinter dem globalen zurück.
Für die nächsten Jahre lässt sich dennoch ein anhaltender Aufwärtstrend für den Ausfinanzierungsgrad der deutschen Pensionsverpflichtung erwarten. Zum einen bietet die bevorstehende Senkung des Körperschaftsteuersatzes aktuell eine günstige Gelegenheit, Pensionsverpflichtungen über Pensionsfonds oder Unterstützungskassen auszulagern. Durch den aktuell noch geltenden Körperschaftsteuersatz von 15 % ergeben sich für Unternehmen höhere Steuerentlastungen, wenn sie Aufwand aus Pensionsauslagerungen bereits heute realisieren, statt erst in der Zukunft, wenn ein niedrigerer Steuersatz gilt. Zum anderen sind CTA-Modelle (CTA = Contractual Trust Arrangement) weiterhin unverändert populär. Sie ermöglichen eine flexible Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen, ohne dass diese unmittelbar in voller Höhe erfolgen muss. Auch künftige Verpflichtungsanstiege können – abhängig von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Unternehmens – schrittweise nachvollzogen werden.
Alle Varianten werden, gemessen am Bilanzausweis, den Ausfinanzierungsgrad in den kommenden Jahren weiter erhöhen.
Kapitalanlage: Stabilität mit punktuellen Verschiebungen
Die strategische Asset-Allokation der Planvermögen zeigt sich im Jahr 2025 insgesamt stabil. Anleihen bleiben mit rund 43 % weiterhin die dominierende Anlageklasse für die DAX-Unternehmen.
Gleichzeitig sind graduelle Verschiebungen erkennbar:
- Der Anteil von Eigenkapitalinstrumenten ist leicht rückläufig und liegt inzwischen unter 20 %.
- Versicherungsnahe Anlageformen gewinnen an Bedeutung und erreichen einen Anteil von rund 15 %. Das ist größte Veränderung im Vergleich zum Vorjahr.
Diese Entwicklung unterstreicht die Suche vieler Unternehmen nach stabilen Cashflows und planbaren Erträgen – insbesondere vor dem Hintergrund steigender Anforderungen an Liquidität und Risikosteuerung.
Alternative Investments im Fokus
Vor diesem Hintergrund behalten Alternative Anlageformen ihre strategische Bedeutung. Charakteristisch weisen sie Ähnlichkeit zur Bewertung einer Pensionsverpflichtung auf, zum Beispiel:
- langfristige, planbare Cashflows
- Bewertung auf Basis diskontierter Zahlungsströme
- durch modellgestützte Wertbestimmung geringere Volatilität im Vergleich zu öffentlich gehandelten Anlagen wie Aktien oder Anleihen
Damit ermöglichen sie ein stärkeres Alignment zwischen Aktiv- und Passivseite der Bilanz. Das heißt konkret, dass Unternehmen ihren Ausfinanzierungsgrad stabil halten können. Steigen zum Beispiel die Zinsen und infolgedessen der Rechnungszins, dann wirkt sich das auf die auszuweisende Pensionsverpflichtung aus. Diese nimmt dann im Wert ab, ebenso sinkt der Wert der Alternativen Anlagen im Planvermögen. Gleiches gilt auch umgekehrt. Zugleich bieten Alternative Investments Unternehmen zusätzliche Möglichkeiten zur Diversifikation und zur Optimierung des Rendite-Risiko-Profils ihrer Pensionsvermögen.
Vom Finanzierungsgrad zur strategischen Steuerung
Die steigende Ausfinanzierung eröffnet den Unternehmen neue Handlungsspielräume.
Während in vergangenen Jahren vielfach der Aufbau von Planvermögen im Vordergrund stand, rücken nun zunehmend strategische Maßnahmen in den Fokus. Dazu zählen unter anderem:
- gezielte Portfoliooptimierungen
- stärkere Integration Alternativer Anlagen
- Vorbereitung von Auslagerungslösungen
Die Auslagerungsform „Pension Risk Transfer“ wird im Moment in der bAV-Branche breit diskutiert. Durch die Schaffung einer Rentnergesellschaft sowie eine anschließende Übertragung an einen spezialisierten Anbieter kann erstmals eine vollständige Enthaftung des abgebenden Unternehmens erreicht werden und das, ohne den Betrieb einstellen zu müssen. Um dies rechtssicher, wirtschaftlich fundiert, und ohne Nachteile für Rentner durchführen zu können, ist ein hoher Ausfinanzierungsbetrag erforderlich. Bis vor kurzem stellte dies für eine Vielzahl von Unternehmen eine prohibitiv hohe Hürde dar.
Durch den beobachteten Anstieg des Ausfinanzierungsgrads sowie günstige Entwicklungen am Kapitalmarkt zeigt sich jedoch, dass die Lücke, um einen Pension Risk Transfer zu finanzieren, für den überwiegenden Teil der Unternehmen immer kleiner wird. Zahlreiche Gespräche, zum Beispiel auf Fachmessen, bestätigen: Eine vollständige Auslagerung mittels Pension Risk Transfer ermöglicht es durchführenden Unternehmen, sich wieder verstärkt dem eigenen Kerngeschäft zuzuwenden, während ihre früheren Beschäftigten im selben Zug von einer stärkeren Ausfinanzierung ihrer Rentenansprüche profitieren. Es ist davon auszugehen, dass weitere Unternehmen in der nahen Zukunft solche Pension Risk Transfers über Rentnergesellschaften in Betracht ziehen.