Wer sein Reisemobil oder Mobilheim dauerhaft auf einem Stellplatz nutzt, bewegt sich versicherungstechnisch in einer Grauzone. Denn viele klassische Wohnmobil- und Wohnwagenpolicen sind für Dauercamper nicht ausgelegt. Vermittler sollten deshalb genau prüfen, ob der bestehende Schutz den tatsächlichen Risiken noch gerecht wird.
Camping hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Während viele Urlauber mit dem Reisemobil von Ort zu Ort fahren, nutzen immer mehr Menschen ihren Wohnwagen oder ihr Mobilheim als dauerhaftes Feriendomizil. Ob Saisonstellplatz an der Ostsee, Mobilheim im Ferienpark oder klassischer Dauerstellplatz auf einem Campingplatz – das Objekt wird häufig über Monate oder sogar ganzjährig an einem festen Standort genutzt. Genau hier beginnt jedoch ein Problem, das viele Camper und auch manche Vermittler unterschätzen: Standardtarife für Wohnwagen und Wohnmobile reichen oft nicht mehr aus.
Der Grund liegt in der ursprünglichen Konzeption klassischer Kfz- und Campingversicherungen. Diese wurden vor allem für Fahrzeuge entwickelt, die regelmäßig bewegt werden und deren Hauptrisiko im Straßenverkehr liegt. Bei Dauercampern verschieben sich die Risiken jedoch deutlich. Ein fest abgestellter Wohnwagen ist kaum noch Verkehrsmitteln ausgesetzt, dafür aber anderen Gefahren wie Sturm, Hagel, Feuer, Frost, Leitungswasser, Einbruchdiebstahl oder Vandalismus. Genau auf diese Risiken weisen mehrere Spezialversicherer für Dauercamper hin. So umfasst eine spezielle Dauercamping-Versicherung häufig Schäden durch Sturm, Überschwemmung, Frost, Feuer oder Vandalismus sowie Schutz für Vorzelte, Schutzdächer und feste Anbauten.
Viele Dauercamper investieren zudem erhebliche Summen in ihre Stellplätze. Vorzelte werden zu dauerhaften Anbauten ausgebaut, Terrassen errichtet, Schutzdächer installiert oder Gartenhäuser aufgestellt. Während klassische Wohnwagenversicherungen häufig nur das Fahrzeug selbst absichern, umfassen spezielle Dauercamping-Tarife oftmals auch Vorbauten, Carports, Satellitenanlagen, Strom- und Wasseranschlüsse oder Gerätehäuser.
Besonders kritisch wird es beim Thema Hausrat. Viele Camper lagern dauerhaft Möbel, Fernseher, Küchengeräte, Fahrräder oder andere Wertgegenstände auf dem Stellplatz. Kommt es zu einem Einbruch oder einem Brandschaden, stellt sich schnell die Frage nach dem Versicherungsschutz. Spezialtarife bieten häufig eine zusätzliche Inventarabsicherung. Einige Konzepte versichern Hausrat bis zu 36.000 Euro oder Inventarwerte bis 10.000 Euro und mehr.
Auch Haftungsrisiken werden oft unterschätzt. Wenn beispielsweise ein Sturm Gartenmöbel auf das Nachbargrundstück schleudert, ein Gasgrill explodiert oder ein Feuer vom eigenen Mobilheim auf benachbarte Objekte übergreift, können erhebliche Schadenersatzforderungen entstehen. Spezielle Standplatz- oder Dauercamper-Haftpflichtversicherungen bieten Deckungssummen von bis zu 10 Millionen Euro und schließen genau solche Risiken ein.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Viele klassische Wohnwagenversicherungen setzen voraus, dass das Fahrzeug zugelassen ist und regelmäßig am Straßenverkehr teilnimmt. Bei Dauercampern ist dies häufig nicht mehr der Fall. Zahlreiche Standwohnwagen werden dauerhaft abgemeldet und stehen jahrelang auf demselben Platz. Für diese Nutzung greifen herkömmliche Kfz-Versicherungen oftmals nicht mehr oder nur eingeschränkt. Versicherer und Verbraucherschützer weisen deshalb darauf hin, dass für dauerhaft abgestellte Wohnwagen und Mobilheime spezielle Dauercamping-Versicherungen notwendig sein können.
Die wirtschaftliche Bedeutung ist beträchtlich. Moderne Mobilheime, Chalets oder Tiny Houses auf Campingplätzen erreichen heute schnell Werte von 50.000 bis 150.000 Euro. Einige Spezialanbieter versichern sogar Objekte mit Werten von bis zu 300.000 Euro. Gleichzeitig liegen die Jahresprämien für umfassende Dauercamping-Versicherungen laut Anbietern häufig lediglich zwischen 150 und 250 Euro pro Jahr.
Für Vermittler ergibt sich daraus ein interessantes Beratungsfeld. Denn viele Kunden gehen davon aus, dass ihre bestehende Wohnwagen- oder Wohnmobilversicherung sämtliche Risiken abdeckt. Tatsächlich verändert sich mit dem Wechsel vom mobilen Reisen zum stationären Camping das gesamte Risikoprofil. Aus einem Fahrzeug wird faktisch ein zweites Zuhause. Entsprechend verschieben sich die Anforderungen an den Versicherungsschutz weg von klassischen Verkehrsrisiken hin zu Gefahren, die eher mit einer Wohngebäude-, Hausrat- oder Haftpflichtversicherung vergleichbar sind.
Wer Kunden mit Saisonstellplätzen, Mobilheimen oder Dauerstandwagen betreut, sollte deshalb regelmäßig hinterfragen, wie das Objekt genutzt wird, welche Anbauten vorhanden sind, welche Werte sich auf dem Stellplatz befinden und ob die bestehende Police diese Risiken tatsächlich berücksichtigt. Denn je länger aus einem Wohnwagen ein festes Feriendomizil wird, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass Standardtarife an ihre Grenzen stoßen.