Bis zum Jahr 2040 werden rund 13,3 Millionen Erwerbspersonen das Rentenalter überschritten haben. Die nachrückenden Generationen sind deutlich kleiner. Damit dürfte sich der Fachkräftemangel weiter verschärfen.
Der demografische Wandel wird für den deutschen Arbeitsmarkt und die Sozialversicherung zunehmend zur Belastungsprobe. Während die geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge heute noch einen erheblichen Teil der Erwerbstätigen stellen, werden sie in den kommenden Jahren schrittweise in den Ruhestand wechseln. Die Folgen könnten gravierend sein: Bis zum Jahr 2040 werden rund 13,3 Millionen Erwerbspersonen das gesetzliche Renteneintrittsalter von 67 Jahren überschritten haben.
Das entspricht 30 Prozent aller Erwerbspersonen, die dem deutschen Arbeitsmarkt im Jahr 2025 zur Verfügung standen. Damit steht Deutschland vor einer der größten demografischen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte. Noch sind die Babyboomer das Rückgrat des deutschen Arbeitsmarktes. Besonders deutlich wird dies bei einem Blick auf die Altersstruktur der Erwerbspersonen.
Die 55- bis 59-Jährigen stellen mit 5,5 Millionen Erwerbspersonen die größte Gruppe am Arbeitsmarkt. Von ihnen waren 85,3 Prozent erwerbstätig oder aktiv auf Jobsuche. Auch die unmittelbar vor dem Renteneintritt stehenden 60- bis 64-Jährigen spielen weiterhin eine wichtige Rolle. Trotz des Übergangs in den Ruhestand waren in dieser Altersgruppe noch 4,5 Millionen Menschen am Arbeitsmarkt aktiv. Die Erwerbsquote lag bei 69,5 Prozent. Zusammen vereinen diese beiden Altersgruppen rund zehn Millionen Erwerbspersonen auf sich und damit mehr als jede andere Alterskohorte.
Die Herausforderung liegt vor allem darin, dass die nachrückenden Generationen zahlenmäßig deutlich kleiner sind. Zwar weisen die 35- bis 44-Jährigen sowie die 45- bis 54-Jährigen mit knapp 89 Prozent die höchsten Erwerbsquoten auf. Mit 9,9 beziehungsweise 9,1 Millionen Erwerbspersonen erreichen sie jedoch nicht die Größenordnung der Babyboomer.
Noch deutlicher fällt der Abstand bei den 25- bis 34-Jährigen aus. In dieser Altersgruppe stehen lediglich 8,8 Millionen Erwerbspersonen zur Verfügung. Die unter 25-Jährigen kommen auf 4,5 Millionen Menschen, von denen sich viele noch in Schule, Studium oder Ausbildung befinden. Damit zeichnet sich bereits heute ab, dass die ausscheidenden Babyboomer allein durch jüngere Generationen nicht ersetzt werden können.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Bedeutung, wie ältere Beschäftigte länger im Arbeitsmarkt gehalten werden können. Tatsächlich steigt die Erwerbsbeteiligung älterer Menschen seit Jahren kontinuierlich an. Während im Jahr 2015 lediglich 20,7 Prozent aller Erwerbspersonen 55 Jahre oder älter waren, lag dieser Anteil 2025 bereits bei 27 Prozent. Auch die Zahl der Erwerbstätigen über 65 Jahre wächst deutlich. Ihr Anteil an allen Erwerbspersonen stieg innerhalb von zehn Jahren von 2,5 Prozent auf 4,3 Prozent. Dieser Trend ist nicht nur auf die Alterung der Gesellschaft zurückzuführen. Auch die schrittweise Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters auf 67 Jahre sowie eine höhere Erwerbsbeteiligung älterer Menschen tragen dazu bei.
Neben der Problematik des Fachkräftemangels hat der Ausstieg der Babyboomer auch gravierende Auswirkungen auf die Sozialkassen. Das unterstreicht unter anderem eine aktuelle Prognos-Studie im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), die den Zustand von Rente, Gesundheit und Pflege untersucht. So haben sich die Rentenausgaben seit 1991 von rund 134 Milliarden Euro auf knapp 427 Milliarden Euro im Jahr 2025 mehr als verdreifacht. Während günstige Arbeitsmarkt- und Konjunkturdaten die Belastungen lange kaschierten, dürfte sich die Lage mit dem Eintritt der Babyboomer in den Ruhestand deutlich verschärfen.
Die demografische Entwicklung dürfte sich künftig unmittelbar in den Beitragssätzen niederschlagen. Nach Prognosen der Deutschen Rentenversicherung könnte der Beitragssatz bis 2028 auf 19,8 Prozent und bis 2040 auf 21,2 Prozent steigen. Gleichzeitig werde es immer schwieriger, ein stabiles Rentenniveau zu gewährleisten, ohne Beschäftigte und Unternehmen zusätzlich zu belasten. Die Autoren warnen deshalb vor einer wachsenden Belastung des Faktors Arbeit. Bereits heute liegt die kombinierte Belastung aus Steuern und Sozialabgaben bei fast 50 Prozent und zählt damit zu den höchsten Werten innerhalb der OECD.
Zusätzlichen Druck erzeugt die steigende Rentenbezugsdauer. Seit der großen Rentenreform von 1957 hat sich die durchschnittliche Bezugszeit nahezu verdoppelt. Heute erhalten Rentner im Schnitt mehr als 20 Jahre lang Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Damit steigt die Finanzierungsbelastung für das umlagefinanzierte System kontinuierlich an. Gerade in Kombination mit dem demografischen Wandel entsteht daraus eine doppelte Herausforderung: Es gibt immer mehr Rentenempfänger, die gleichzeitig immer länger Leistungen beziehen.
Als zentrale Herausforderung identifiziert die Studie die demografische Entwicklung. Der sogenannte Altenquotient und damit die Zahl der Menschen über 65 Jahre je 100 Personen im Erwerbsalter ist seit dem Jahr 2000 von 26,8 auf 38,8 gestiegen. Bis 2037 soll er auf 50,9 anwachsen, wenn die Babyboomer-Generation vollständig im Ruhestand angekommen ist.