Die gesetzliche Rente allein reicht vielen jungen Menschen nicht mehr aus. Drei Viertel der jungen Generation halten zusätzliche private Vorsorge inzwischen für unverzichtbar. Gleichzeitig setzen sie dabei auf andere Anlageformen als heutige Rentner.
Die Unsicherheit über die Zukunft der gesetzlichen Rente verändert das Vorsorgeverhalten der jungen Generation deutlich. Laut der HDI Rentner-Studie 2026 sind 75 Prozent der 18- bis 35-Jährigen überzeugt, künftig stärker privat vorsorgen zu müssen, um ihren Lebensstandard im Alter sichern zu können. Allerdings klafft zwischen Erkenntnis und tatsächlichem Handeln weiterhin eine Lücke. Trotz der hohen Sensibilität für das Thema verlassen sich noch immer 35 Prozent der jungen Menschen ausschließlich auf die gesetzliche Rente.
Deutlich werden dabei auch die Unterschiede zwischen den Generationen bei der Wahl der Vorsorgeinstrumente. Während heutige Rentner stärker auf klassische Modelle wie Betriebsrenten, Wohneigentum oder traditionelle Lebens- und Rentenversicherungen setzen, bevorzugen junge Menschen zunehmend renditeorientierte Anlageformen.
So investieren 44 Prozent der jungen Generation bevorzugt in Aktien, Fonds oder Anleihen. 37 Prozent setzen auf klassische Spareinlagen, 30 Prozent auf private Lebens- und Rentenversicherungen. Unter den heutigen Rentnern spielen dagegen Betriebsrenten mit 55 Prozent eine deutlich größere Rolle. Ebenso setzen viele Ältere auf Wohneigentum (44 Prozent) oder klassische private Renten- und Lebensversicherungen (40 Prozent).
Bei den bevorzugten Altersvorsorgeoptionen liegen bei jungen Menschen Wertpapiere klar vorne. 39 Prozent halten Aktien, Fonds und Anleihen für besonders geeignete Instrumente zur Altersvorsorge. Knapp dahinter folgen das eigene Haus oder die eigene Wohnung mit 38 Prozent sowie Spareinlagen mit 33 Prozent. Auffällig ist zudem die Offenheit für alternative Anlageformen. 24 Prozent der jungen Befragten sehen Wertgegenstände wie Gold, Schmuck, Kunst oder Antiquitäten als geeignete Vorsorgeinstrumente an. Selbst Kryptowährungen werden von 13 Prozent als effiziente Möglichkeit zur Altersvorsorge betrachtet.
„Viele Befragte haben einen bemerkenswert nüchternen Blick auf das deutsche Rentensystem und erkennen dessen Grenzen“, sagt Holm Diez, Mitglied des Vorstands der HDI Deutschland AG und verantwortlich für das Ressort Leben & Bancassurance. „Ich bin davon überzeugt, dass künftig ein Zusammenspiel aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge für die finanzielle Sicherheit im Alter notwendig sein wird.“
Zugleich sieht Diez Handlungsbedarf bei der Verständlichkeit und Zugänglichkeit privater Vorsorgeangebote. „Entscheidend wird sein, Vorsorge einfacher, verständlicher und breiter zugänglich zu gestalten“, betont er. Das kürzlich verabschiedete Altersvorsorgereformgesetz könne dabei ein wichtiger erster Schritt sein.