„Die Gesundheitsprüfung ist die größte Falle der PKV“

Quelle: Finanzberatung Bierl

Die geplante GKV-Reform sorgt für einen Run auf die private Krankenversicherung. Doch Versicherungsmakler Stefan Bierl warnt vor Schnellschüssen und teuren Fehlern. Besonders die Gesundheitsprüfung werde für viele zur unterschätzten Falle.

Höhere Krankenkassenbeiträge, steigende Zuzahlungen und drohende Leistungskürzungen in der gesetzlichen Krankenversicherung treiben derzeit viele Gutverdiener und Selbstständige in Richtung private Krankenversicherung (PKV). Doch während die Wechselbereitschaft spürbar zunimmt, mahnt der bekannte PKV-Experte und Versicherungsmakler Stefan Bierl aus dem bayerischen Kirchenrohrbach zur Vorsicht.

„Wir erleben gerade einen Ansturm von Wechselwilligen. Die Anfragen von Gutverdienern und Selbstständigen haben sich in den letzten Wochen mehr als verdreifacht“, berichtet Bierl. In den Monaten April und Mai 2026 verzeichnete der Makler nach eigenen Angaben rund 80 Wechselanfragen pro Monat – im Vorjahreszeitraum seien es lediglich etwa 25 gewesen.

Auslöser für die Entwicklung ist vor allem das geplante GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz. Die Bundesregierung will die Beitragsbemessungsgrenze ab 2027 außerordentlich um 300 Euro pro Monat anheben. Für viele Gutverdiener verteuert sich die gesetzliche Krankenversicherung dadurch spürbar. Hinzu kommen geplante Leistungseinschränkungen wie geringere Zuschüsse beim Zahnersatz, höhere Zuzahlungen sowie die Streichung einzelner Leistungen etwa im Bereich Homöopathie.

Trotz der steigenden Nachfrage sieht Bierl die aktuelle Wechselstimmung kritisch. „Die PKV ist keine Alternative zum Geldsparen. Wer wegen 150 Euro Ersparnis im Monat wechselt, denkt zu kurz“, warnt der Versicherungsexperte. Zwar locken viele Tarife zunächst mit günstigeren Beiträgen und besseren Leistungen. Langfristig steige jedoch auch die PKV deutlich im Preis. Gerade im Alter könne die finanzielle Belastung erheblich werden. Im Rentenalter kostete die PKV viele Privatversicherte 1.000 Euro und mehr pro Monat. Dies geht häufig mit deutlich gesunkenem Haushaltsbudget einher. Ein Wechsel in die PKV sollte deshalb vor allem aus Leistungsgründen erfolgen. „Wer in die PKV wechselt, sollte das tun, weil er bessere Leistungen will: schnellere Facharzttermine, Chefarztbehandlung, ein Einzelzimmer im Krankenhaus, hochwertigen Zahnersatz. Den Beitrag im Rentenalter muss man sich leisten können und wollen.“

Gesundheitsprüfung als größte Stolperfalle

Besonders kritisch sieht Bierl den oft sorglosen Umgang mit der Gesundheitsprüfung. „Die Gesundheitsprüfung ist die größte Falle der PKV“, betont er. Bereits vergessene Arztbesuche oder nicht angegebene Diagnosen könnten Jahre später massive Konsequenzen haben. „Wer hier eine Diagnose vergisst oder eine Behandlung verschweigt, kann noch Jahre später aus dem Vertrag fliegen und hat dann ein großes Problem“, erklärt der Makler. Bei grob fahrlässig falschen Angaben könnten Versicherer innerhalb der ersten fünf Jahre vom Vertrag zurücktreten, bei Vorsatz sogar bis zu zehn Jahre lang.

Welche Folgen das in der Praxis hat, erlebt Bierl nach eigenen Angaben regelmäßig. „Bei uns rufen jeden Tag verzweifelte Menschen an, denen die PKV wegen falscher Angaben bei der Gesundheitsprüfung gekündigt wurde“, berichtet er. Besonders problematisch: Eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung sei für viele Betroffene kaum noch möglich. Häufig bleibe dann nur der teure PKV-Basistarif mit Leistungen auf GKV-Niveau.

Vor allem vor Schnellabschlüssen über Vergleichsportale warnt Bierl ausdrücklich. „Schließen Sie eine PKV bitte nie ‚mal schnell‘ über ein Vergleichsportal oder anhand einer Testtabelle ab. Das ist eine der komplexesten und individuellsten Versicherungen überhaupt.“

Jeder Tarif unterscheide sich in zahlreichen Details – etwa bei Selbstbehalten, Erstattungssätzen oder Alterungsrückstellungen. Welche Lösung sinnvoll sei, hänge stark von Beruf, Familienplanung und Gesundheitszustand ab. Um Fehler bei der Antragstellung zu vermeiden, fordert Bierl nach eigenen Angaben häufig zunächst die vollständige Patientenakte bei der Krankenkasse an. „Das dauert ein paar Wochen, ist aber der einzige Weg zu einer wirklich wasserdichten PKV.“

Wer über einen Wechsel nachdenkt, sollte sich frühzeitig mit dem Thema beschäftigen. „Mit jeder Diagnose, jedem Arztbesuch, jedem Eintrag in der Krankenakte steigt das Risiko, nur noch mit hohen Risikozuschlägen oder gar nicht mehr versichert zu werden“, sagt Bierl. Während Antragsteller Mitte 30 häufig noch problemlos aufgenommen würden, werde ein Wechsel mit Ende 40 oft deutlich schwieriger oder wirtschaftlich unattraktiv. „Die Zeit arbeitet hier leider immer gegen den Versicherten.“