Lebensversicherung: Solvenzquoten steigen sprunghaft

Quelle: ChatGPT

Die Kapitalstärke deutscher Lebensversicherer hat sich 2025 deutlich verbessert. Die Solvenzquoten stiegen deutlich an. Insbesondere höhere Zinsen sorgen für Rückenwind. Doch Risiken bleiben.

Die deutschen Lebensversicherer haben ihre Kapitalposition im Jahr 2025 spürbar gestärkt. Das zeigt eine erste Auswertung der aktuellen Solvency-II-Berichte durch das Beratungsunternehmen WTW. Untersucht wurden rund 82 Prozent des Marktes, gemessen an den versicherungstechnischen Rückstellungen. Demnach ist die durchschnittliche Solvency-II-Bedeckungsquote der größten deutschen Lebensversicherer innerhalb eines Jahres außergewöhnlich stark gestiegen.

Während die durchschnittliche Solvenzquote Ende 2024 noch bei rund 295 Prozent lag, wird sie zum Jahresende 2025 auf etwa 375 bis 385 Prozent geschätzt. „Eine erste Auswertung der Solvenzberichte der größten deutschen Lebensversicherer zeigt, dass die durchschnittliche Solvency-II-Bedeckungsquote um rund 80 bis 90 Prozentpunkte angestiegen ist – die Größenordnung dieses Anstiegs ist außergewöhnlich“, sagt Aleksander Rejman, Senior Director bei der WTW Versicherungsberatung.

Nach Einschätzung von WTW wurde damit sogar eine frühere Prognose übertroffen. Die Entwicklung unterstreiche die aktuell hohe Kapitalstärke des deutschen Lebensversicherungsmarktes.

Hauptgrund für die verbesserte Solvenzlage ist laut Analyse der deutliche Rückgang der Solvenzkapitalanforderungen (SCR), die um rund 17 Prozent gesunken seien. Die verfügbaren Eigenmittel legten dagegen um etwa sieben Prozent zu. Als dominanter Einflussfaktor gilt der Zinsanstieg im Jahr 2025. Die risikofreie Zinsstrukturkurve lag zum Jahresende – je nach Laufzeit – um 50 bis 90 Basispunkte über dem Vorjahresniveau. Höhere Zinsen wirken sich unter Solvency II in der Regel entlastend auf Risiken wie Spread-, Langlebigkeits- und Kostenrisiken aus.

„Die reine Zinswirkung allein reicht jedoch nicht aus, um die Größenordnung des Kapitalanstiegs vollständig zu erklären“, unterstreicht Rejman. Zusätzliche Faktoren könnten Risikominderungsmaßnahmen wie Rückversicherung oder Veränderungen in der Risikomodellierung sein.

Die gestiegene Solvenzquote eröffnet den Lebensversicherern aus regulatorischer Sicht neue Spielräume. Theoretisch könnten Kapitalanlagen stärker auf renditestärkere Assets ausgerichtet werden. In der Praxis bremsen jedoch stille Lasten in vielen Portfolios. Durch den Zinsanstieg liegen Marktwerte älterer festverzinslicher Wertpapiere häufig unter den Buchwerten. Umschichtungen könnten daher bilanziell nachteilig sein. „Entsprechend sollten Asset-Liability-Management-Überlegungen bei den Unternehmen verstärkt in den Fokus rücken“, sagt Clara Busch, Director bei WTW.

Neugeschäft gewinnt an Bedeutung

Besonders das Neugeschäft und hier vor allem gegen Einmalbeitrag könnte nun strategisch wichtiger werden. Neue Mittel lassen sich ohne die Auflösung alter Bestände gezielt neu investieren und ermöglichen so eine schrittweise Optimierung der Kapitalanlage.

Das Beratungsunternehmen mahnt jedoch zur Vorsicht. „Inwieweit das aktuell hohe Solvenzniveau der Lebensversicherer nachhaltig ist, wird sich in den kommenden Jahren zeigen“, so Rejman. Man rechne weiterhin mit volatilen Entwicklungen infolge makroökonomischer Unsicherheiten. Zudem steht die Überarbeitung des Solvency-II-Regelwerks bevor.