Die betriebliche Altersversorgung ist im Mittelstand etabliert, bleibt aber oft unter ihren Möglichkeiten. Gleichzeitig gewinnt die betriebliche Krankenversicherung an Bedeutung, ist jedoch noch kein Standard. Beim Thema Benefits liegt enormes Potenzial brach.
Die betriebliche Altersversorgung (bAV) ist im deutschen Mittelstand längst angekommen. Doch ihr strategischer Nutzen wird vielfach nicht ausgeschöpft. Das zeigt eine aktuelle forsa-Befragung im Auftrag der ALH Gruppe unter mittelständischen Unternehmen. Zwar bewerten rund 72 Prozent der befragten Unternehmen die bAV als wichtigen Baustein zur Mitarbeitergewinnung und -bindung, doch in der praktischen Umsetzung zeigen sich deutliche Schwächen.
Für viele Unternehmen ist die bAV ein fester Bestandteil im Benefit-Portfolio. Ihre Stärken liegen klar auf der Hand: Arbeitgeber berichten vor allem von einer „höheren Attraktivität als Arbeitgeber“, einer „gestiegenen Zufriedenheit“ sowie einer „stärkeren Mitarbeiterbindung“.
Doch die Nutzung durch Mitarbeiter bleibt begrenzt. In rund 40 Prozent der Unternehmen nehmen weniger als ein Viertel der Beschäftigten die Entgeltumwandlung in Anspruch. Ein Grund: Viele Arbeitgeber beschränken sich auf den gesetzlichen Mindestzuschuss. In 55 Prozent der Fälle liegt dieser bei exakt 15 Prozent. Die Studienautoren kommen daher zu einem klaren Fazit: Die bAV ist zwar etabliert, ihr „strategisches Potenzial wird jedoch nicht ausgeschöpft“.
„Die betriebliche Altersversorgung ist im Mittelstand zwar etabliert, wird aber häufig noch als Pflichtleistung verstanden und nicht als strategisches Instrument zur Mitarbeiterbindung genutzt“, sagt Dr. Jürgen Bierbaum, Vorstand der Alte Leipziger Lebensversicherung. „Gerade höhere Arbeitgeberzuschüsse könnten die Attraktivität deutlich steigern und die Verbreitung erhöhen.“
Ein Drittel der Unternehmen bietet im Rahmen der bAV zudem die Möglichkeit, eine Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung (BUZ) abzuschließen. Damit besteht ein erhebliches Potenzial, die betriebliche Versorgung um einen wichtigen biometrischen Schutz zu erweitern.
Verwaltungsaufwand bleibt Hürde
Ein weiterer Bremsfaktor ist der administrative Aufwand. Zwar bewerten die meisten Unternehmen diesen insgesamt als beherrschbar, doch rund ein Viertel stuft ihn als hoch ein. Besonders aufwendig sind laut Studie die Verwaltung von Ein- und Austritten, die Pflege von Mitarbeiterdaten sowie die Abstimmung mit Versicherern oder Maklern. Hier sehen die Studienautoren klaren Handlungsbedarf: Digitale Lösungen könnten helfen, Prozesse zu vereinfachen und die Attraktivität der bAV zu steigern.
Während die bAV etabliert ist, befindet sich die betriebliche Krankenversicherung (bKV) noch in der Wachstumsphase. Derzeit bieten lediglich rund 27 Prozent der Unternehmen eine arbeitgeberfinanzierte bKV an. Gleichzeitig wird ihr Potenzial zunehmend erkannt: Bereits 40 Prozent der Unternehmen stufen die bKV als wichtigen Benefit ein. Unternehmen, die eine bKV anbieten, berichten von ähnlichen Effekten wie bei der bAV. So hätten sich insbesondere die Arbeitgeberattraktivität und die Mitarbeiterbindung verbessert. „Das Interesse der Unternehmen ist deutlich größer als die aktuelle Verbreitung. Hier sehen wir in den kommenden Jahren erhebliches Ausbaupotenzial“, sagt Wiltrud Pekarek, Vorständin der Hallesche Krankenversicherung.
Insgesamt zeigt die Studie, dass Zusatzleistungen ein zentraler Hebel im Wettbewerb um Fachkräfte bleiben. Klassische Benefits wie Boni und Prämien dominieren zwar weiterhin, doch betriebliche Vorsorgelösungen gewinnen an Bedeutung. So gehen 90 Prozent der befragten Unternehmen davon aus, dass betriebliche Vorsorge in den kommenden Jahren weiter an Relevanz gewinnen wird. Dabei erwarten viele Unternehmen, dass insbesondere die bAV ihre Bedeutung weiter ausbauen kann.