Die Entwicklung im Einmalbeitragsgeschäft wird maßgeblich von einem einzelnen Akteur bestimmt: der Allianz. Mit Einmalbeiträgen in Höhe von 15,7 Milliarden Euro entfällt 2025 knapp die Hälfte des gesamten Marktvolumens auf den Branchenführer. Dem steht ein Gesamtneugeschäft von 16,69 Milliarden Euro gegenüber – ein Verhältnis, das die außergewöhnliche Bedeutung des Einmalbeitragsgeschäfts innerhalb des Unternehmens unterstreicht.
Gleichzeitig steigerte die Allianz ihr Neugeschäft insgesamt um 17,2 Prozent und wuchs damit erneut zweistellig. Die Größenordnung dieser Entwicklung zeigt sich auch im Marktvergleich: Die Beitragseinnahmen des Unternehmens erreichen inzwischen ein Niveau, das in etwa der Summe mehrerer großer Wettbewerber entspricht. Damit wird eine strukturelle Besonderheit des Marktes sichtbar. Die Dynamik im Einmalbeitragsgeschäft ist nicht breit getragen, sondern in erheblichem Maße von einzelnen Anbietern abhängig. Wie Marc Surminski in seiner Analyse hervorhebt, wäre das Wachstum in diesem Segment ohne die Allianz deutlich schwächer ausgefallen.
Zugleich zeigt der Blick in die Vergangenheit die Kehrseite dieser Konzentration: Als die Allianz ihr Einmalbeitragsgeschäft in früheren Jahren deutlich zurückfuhr, wirkte sich dies unmittelbar dämpfend auf die gesamte Marktentwicklung aus.
Rückgänge im Neugeschäft häufig durch Sondereffekte geprägt
Während ein Großteil der Lebensversicherer 2025 wachsende Neugeschäftszahlen verzeichnete, zeigt der Blick auf die Rückgänge ein differenziertes Bild. Nur 16 der insgesamt 65 analysierten Anbieter mussten ein sinkendes Neugeschäft hinnehmen – und in vielen Fällen sind die Ursachen klar identifizierbar.
Die stärksten Rückgänge gehen dabei häufig auf Sondereffekte zurück. So verzeichnete die Targo Leben mit minus 92,2 Prozent den deutlichsten Einbruch im Markt. Hintergrund ist die Beendigung einer Kooperation innerhalb des Talanx-Umfelds, wodurch ein zentraler Vertriebsweg wegfiel und das Neugeschäft nahezu vollständig einbrach. Auch bei der BY Bayerische Vorsorge Leben (–67,3 Prozent) relativiert sich der Rückgang bei genauerer Betrachtung: Das Unternehmen hatte im Vorjahr das Neugeschäft erst wieder aufgenommen und dabei durch konzerninterne Verschiebungen einen außergewöhnlich hohen Beitragszugang erzielt. Der aktuelle Rückgang ist daher weniger Ausdruck einer negativen Entwicklung als vielmehr eine Normalisierung nach diesem Sondereffekt. Ein weiteres Beispiel ist die LPVL Leben (–48,1 Prozent), deren Geschäftsmodell stark vom Bankvertrieb und Restschuldversicherungen geprägt ist. Hier wirken sich regulatorische Verschärfungen unmittelbar auf das Neugeschäft aus, wie Marc Surminski in seiner Analyse ausführt.
Strukturelle Herausforderungen bei einzelnen Anbietern
Neben den genannten Sondereffekten zeigen sich bei einzelnen Versicherern auch nachhaltigere Rückgangsmuster. Unter den großen Lebensversicherern sind solche Entwicklungen zwar seltener, lassen sich jedoch klar beobachten.
So verzeichnete die Nürnberger Leben 2025 einen Rückgang des Neugeschäfts um 19,9 Prozent – von 328,0 auf 262,8 Millionen Euro. Der Rückgang steht im Kontext der anhaltenden Turbulenzen im Konzernumfeld sowie strategischer Neuaufstellungen, die sich unmittelbar auf das Neugeschäft ausgewirkt haben.
Auch die HDI Leben weist mit einem Minus von 7,1 Prozent keinen Einzelfall, sondern eine längerfristige Entwicklung auf. Das Neugeschäft sank von 283,0 auf 263,0 Millionen Euro. Das Unternehmen hat über Jahre hinweg an Beitragsvolumen verloren und damit kontinuierlich an Marktanteilen eingebüßt.
Beim Direktversicherer Cosmos Leben setzte sich der Negativtrend ebenfalls fort. Nach einem deutlichen Rückgang im Vorjahr sank das Neugeschäft 2025 erneut um 8,5 Prozent – von 503,3 auf 460,4 Millionen Euro. Auffällig ist dabei insbesondere die Entwicklung im Einmalbeitragsgeschäft, das entgegen dem Markttrend weiter rückläufig war (von 463,8 auf 417,7 Millionen Euro) und damit einen zentralen Wachstumsimpuls nicht mehr liefern konnte.
Hintergrund
Alle genannten Zahlen basieren auf der aktuellen Marktanalyse von Marc Surminski in der Zeitschrift für Versicherungswesen (ZfV, Ausgabe 04|2026). Die Auswertung stützt sich auf eine kombinierte Datenbasis aus GDV-Statistiken, Geschäftsberichten der Versicherer sowie eigenen Recherchen.
Ergänzend enthält die Analyse eine umfangreiche Tabelle zur Entwicklung von Neugeschäft und Beitragseinnahmen von 65 Lebensversicherern. Die vollständige Auswertung ist über die ZfV zugangspflichtig abrufbar.