Vertrauenswende? Vermittler legen beim Image kräftig zu

Quelle: ChatGPT

Versicherungsvermittler legen beim Image deutlich zu. Erstmals ziehen sie an Politikern und Journalisten vorbei. In der Branche ist bereits von einer „Trendwende beim Vertrauen“ die Rede.

Das Image von Versicherungsvermittlern war über Jahre eine Baustelle. Seit 2007 ermittelt das forsa-Institut im Auftrag des DBB Beamtenbundes das Ansehen ausgewählter Berufsgruppen. Und die Ergebnisse waren für den Versicherungsvertrieb stets nicht erfreulich. Fast schon traditionell platzierte sich der „Versicherungsvertreter“ am unteren Ende der Liste. Denn keine andere Tätigkeit hatte hierzulande ein derart schlechtes Image. Doch nun scheint Licht am Horizont.

Denn der Versicherungsvertrieb sorgt für eine Überraschung im aktuellen Berufsgruppen-Ranking: Versicherungsvermittler haben ihr Image deutlich verbessert und erreichen nun rund 20 Prozent Zustimmung beim Ansehen. Damit zieht die Vermittlerschaft erstmals an klassischen Vertrauensberufen mit schwächerer Wahrnehmung vorbei. So wurden unter anderem Politiker und Journalisten im Ranking überholt, die zuletzt deutlich an Zustimmung verloren haben.

Noch im Vorjahr lag der Wert für Versicherungsvertreter im einstelligen Bereich. Der nun gemessene Sprung wird in Branchenkreisen als bemerkenswert bewertet. Beobachter sprechen von einer möglichen Trendwende. Denn zur Realität gehört auch, dass das Niveau im Vergleich zu klassischen Vertrauensberufen weiterhin niedrig bleibt.

Die Vermittlerverbände AfW und Votum sehen die Entwicklung als Bestätigung für die Bedeutung persönlicher Beratung. „Gerade in unsicheren Zeiten suchen Menschen Orientierung. Persönliche Beratung gewinnt dadurch wieder deutlich an Bedeutung – und damit auch an Vertrauen“, sagt Martin Klein, geschäftsführender Vorstand des VOTUM Verbands.

„Der Vermittler ist näher am Kunden als viele andere Akteure. Diese Nähe zahlt sich jetzt offensichtlich auch im Image aus“, ergänzt Norman Wirth, Geschäftsführender Vorstand des AfW.

Parallel dazu zeigt sich ein gegenläufiger Trend bei anderen Berufsgruppen. Insbesondere Politiker und Journalisten mussten in den vergangenen Jahren teils deutliche Vertrauensverluste hinnehmen. In der Branche wird diese Verschiebung aufmerksam beobachtet. Denn sie verändert die Vergleichsmaßstäbe: Während Vermittler lange als Schlusslicht galten, geraten nun andere Berufsgruppen stärker in den Fokus kritischer Wahrnehmung. „Vertrauen ist immer relativ. Wenn andere Institutionen an Glaubwürdigkeit verlieren, wird die Leistung der Vermittler neu bewertet“, erklärt Frank Rottenbacher, Vorstand des AfW.

Wettbewerb um Glaubwürdigkeit verschärft sich

Die Entwicklung könnte auch Auswirkungen auf die öffentliche Wahrnehmung der Branche haben. Denn die Versicherungsvermittlung positioniert sich zunehmend als beratungsintensive Dienstleistung und damit als Gegenmodell zu standardisierten, anonymen Angeboten. „Am Ende entscheidet der Kundennutzen“, so Klein. „Wer verständlich berät und erreichbar ist, gewinnt Vertrauen – unabhängig vom Image der Vergangenheit.“

Trotz des deutlichen Anstiegs bleibt die Ausgangslage anspruchsvoll. Das Vertrauen in soziale und helfende Berufe liegt weiterhin auf deutlich höherem Niveau. Gleichzeitig zeigt der aktuelle Trend, dass sich Wahrnehmung verändern kann und dass auch lange kritisch betrachtete Berufsgruppen von gesellschaftlichen Verschiebungen profitieren.

Für die Versicherungswirtschaft ist die Entwicklung ein schöner Zwischenerfolg und zugleich eine Verpflichtung. Denn der Imagegewinn dürfte nur dann nachhaltig sein, wenn er durch tatsächliche Beratungsqualität gestützt wird. „Vertrauen bekommt man nicht geschenkt. Aber man kann es sich zurückerarbeiten“, betont Wirth.