DVAG prüft Einstieg in die Honorarberatung

Quelle: DVAG

Die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) prüft den Einstieg in die Honorarberatung. Verbraucherschützer sehen darin seit Jahren einen notwendigen Schritt für mehr Transparenz. Der Strukturvertrieb will zunächst über ein Pilotprojekt einsteigen. Parallel sollen Servicevereinbarungen fix in den Beratungsalltag installiert werden. <

Die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) denkt offenbar über den Einstieg in die Honorarberatung nach. Nach Informationen aus Branchenkreisen arbeitet der Finanzvertrieb derzeit an Konzepten, um sein bisher stark provisionsbasiertes Modell um honorarbasierte Beratungsansätze zu ergänzen. Damit würde sich einer der größten Strukturvertriebe Deutschlands in einem Feld positionieren, das bislang vor allem von unabhängigen Honorarberatern sowie den Verbraucherzentralen besetzt wird.

Demnach plant der Finanzvertrieb zunächst ein Pilotprojekt im Bundesland Hessen, in dem neue Beratungsansätze getestet werden sollen. Im Fokus stehen dabei insbesondere Modelle, die eine stärkere Trennung von Beratung und Produktvermittlung ermöglichen – ein Anliegen, das Verbraucherschützer seit Jahren fordern.

Im Rahmen des Pilotprojekts will das Unternehmen aus Frankfurt erstmals honorarbasierte Beratungsleistungen in ausgewählten Regionen testen. Ziel ist es, praktische Erfahrungen zu sammeln und zu prüfen, wie sich das Modell in bestehende Vertriebsstrukturen integrieren lässt. Ein zentraler Bestandteil sollen dabei standardisierte Servicevereinbarungen sein. Diese sehen vor, dass Kunden klar definierte Leistungen wie etwa regelmäßige Portfolio-Checks, Beratungsupdates oder Risikoanalysen gegen ein fixes Honorar in Anspruch nehmen können.

Reaktion auf Druck von Verbraucherschützern

Seit Jahren fordern unter anderem die Verbraucherzentralen eine stärkere Etablierung der Honorarberatung. Sie argumentieren, dass nur so Interessenkonflikte durch provisionsgetriebene Produktempfehlungen reduziert werden können. Mit dem Pilotprojekt könnte die DVAG nun gezielt auf diese Forderungen reagieren und zugleich versuchen, die eigene Beratungsqualität im Wettbewerb neu zu positionieren.

„Wir wollen in der Beratung besser sein“, bekräftigt DVAG-Vorstandschef Andreas Pohl die strategische Stoßrichtung: „Die Anforderungen an Beratung verändern sich deutlich. Transparenz, Verlässlichkeit und kontinuierliche Betreuung gewinnen an Bedeutung. Mit dem Pilotprojekt wollen wir neue Wege erproben und den Anspruch untermauern, in der Beratungsqualität führend zu sein.“

Zugleich macht Pohl klar, dass man sich auch im Wettbewerb mit bestehenden Angeboten messen wolle: „Unser Ziel ist es, Kunden eine Beratungsleistung zu bieten, die mindestens auf dem Niveau klassischer Honorarberatung liegt – und in der Praxis darüber hinausgeht.“

Mit dem Schritt würde die DVAG näher an Angebote der Verbraucherzentralen heranrücken, die bereits heute Honorarmodelle anbieten. Doch während Verbraucherzentralen vor allem punktuelle Beratung leisten, könnte die DVAG auf kontinuierliche Betreuung im Rahmen von Servicevereinbarungen setzen. Dieses Modell ist stärker auf langfristige Kundenbeziehungen ausgelegt.

Ergänzung statt Systemwechsel

Ein vollständiger Umbau des Geschäftsmodells ist jedoch nicht geplant. Vielmehr soll die Honorarberatung zunächst als Ergänzung zur provisionsbasierten Beratung dienen. Das Pilotprojekt in Hessen dürfte daher auch als Testlauf verstanden werden. Funktioniert das Modell im Alltag und wird es von Kunden angenommen?

Sollte sich das Konzept bewähren, könnte dies Signalwirkung für die gesamte Branche entfalten. Denn bislang tun sich viele große Vertriebe schwer damit, Honorarberatung in ihre Strukturen zu integrieren. Ein erfolgreicher Testlauf könnte daher neue Dynamik in die Debatte um Vergütungsmodelle bringen.