Die Allianz steigt groß bei einem Telematik- und KI-Spezialisten ein. Gemeinsam mit starken Partnern soll datenbasierte Prävention im Kfz-Geschäft vorangetrieben werden. Ziel ist ein Paradigmenwechsel: weg von Schadenregulierung, hin zur Unfallvermeidung.
Die Versicherungsbranche steht vor einem grundlegenden Wandel und die Allianz positioniert sich dabei offensiv. Gemeinsam mit dem Investor TPG und dem US-Versicherer State Farm beteiligt sich der Münchner Konzern am Telematik- und KI-Unternehmen Cambridge Mobile Telematics (CMT). Die finanzierungsrunde hat ein Gesamtvolumen von insgesamt 350 Millionen US-Dollar. Ziel ist es, datenbasierte Versicherungsmodelle und präventive Sicherheitslösungen im Mobilitätssektor deutlich auszubauen.
Die Investition erfolgt über die Investmenteinheit Allianz X. Künftig sollen verschiedene Einheiten der Allianz-Gruppe wie etwa Allianz Partners und der deutsche Sachversicherer gemeinsam mit CMT an datengetriebenen Versicherungs- und Serviceangeboten arbeiten. Im Zentrum der Partnerschaft stehe dabei ein strategischer Perspektivwechsel. Versicherer sollen Risiken künftig nicht mehr nur bewerten und regulieren, sondern aktiv vermeiden.
„Wir verschieben den Fokus von der Reaktion auf Risiken hin zu deren Vermeidung“, erklärt Dr. Nazim Cetin, CEO von Allianz X. Durch die Kombination aus Telematiklösungen und globaler Versicherungsexpertise wolle man Innovationen vorantreiben und gleichzeitig die Kundenerfahrung verbessern. Auch bei der Allianz Versicherungs-AG wird die Partnerschaft klar in diesem Kontext gesehen. „Unsere Zusammenarbeit mit CMT ermöglicht es uns, Technologie gezielt einzusetzen, um Unfälle zu verhindern und unsere Kfz-Versicherungsprodukte weiter zu verbessern“, sagt CEO Frank Sommerfeld.
Telematik als Schlüsseltechnologie
Telematik gilt seit Jahren als einer der wichtigsten Innovationstreiber im Kfz-Versicherungsmarkt. Die Technologie ermöglicht es, Fahrverhalten in Echtzeit zu analysieren. Das ist etwa über Smartphones, vernetzte Fahrzeuge oder IoT-Geräte möglich. Auf dieser Basis können Versicherer Risiken präziser einschätzen, Tarife individueller gestalten und gleichzeitig Einfluss auf das Fahrverhalten nehmen. Das Ziel ist sichereres und nachhaltigeres Fahren.
CMT zählt hier zu den global führenden Anbietern. Die Plattform des Unternehmens nutzt KI-gestützte Modelle zur Echtzeit-Risikobewertung und Unfallerkennung. Zudem entwickelt das Unternehmen mit dem „Universal Driving Score“ einen standardisierten Ansatz zur Bewertung von Fahrverhalten.
Mit dem frischen Kapital soll das Unternehmen aus Cambridge insbesondere drei Bereiche weiter ausbauen: die globale Plattform für Verkehrssicherheit, KI-Modelle zur Echtzeit-Risikoanalyse sowie die Verbreitung datenbasierter Scoring-Modelle. Für Allianz ist die Beteiligung dabei mehr als ein klassisches Investment. Vielmehr geht es um den Aufbau strategischer Fähigkeiten.
„Wir investieren nicht nur, wir gestalten aktiv die Zukunft von Versicherung und Mobilität“, betont Cetin. Die Partnerschaft ermögliche es, datengetriebene Geschäftsmodelle schneller zu skalieren und neue Services zu entwickeln. „CMTs Technologie versetzt uns in die Lage, maßgeschneiderte und datenbasierte Versicherungs- und Assistance-Lösungen entlang der gesamten Kundenreise anzubieten“, ergänzt Tomas Kunzmann, CEO von Allianz Partners.
Neben Allianz und TPG beteiligt sich auch State Farm an der Finanzierungsrunde. Der US-Versicherer bringt bereits umfangreiche Erfahrung im Bereich Telematik mit. „CMT zeigt das Potenzial wirkungsorientierter Technologie“, sagt Akash Pradhan von TPG. Ziel sei es, Versicherungen nicht nur effizienter, sondern auch günstiger und sicherer zu machen. Auch State Farm sieht hierin einen klaren Mehrwert. „Sicherere Fahrer bedeuten bessere Ergebnisse für alle – und niedrigere Kosten für unsere Kunden“, erklärt Sara Frankowiak, Vice President & Actuary des Unternehmens