Das Bundesfinanzministerium hat zum dritten Mal statistische Zahlen vorgelegt, wie hoch die durchschnittlich ausgezahlten Riester-Renten im Rentenbezug sind. Die Zahlen in der Riester-Auszahlungsstatistik sind weiter ausbaufähig. Doch das Ministerium verweist darauf, dass die Beträge wegen der kurzen Ansparzeit noch vergleichsweise niedrig ausfallen.
2027 soll das Altersvorsorgereformgesetz das Ende der Riester-Rente besiegeln und gleichzeitig die geförderte private Altersvorsorge auf neue Wege führen. Doch wie hoch fallen die gezahlten Riester-Renten eigentlich aus? Und kann die Riester-Rente die ihr ursprünglich zugedachte Aufgabe erfüllen - nämlich die Lücke schließen, die die Rentenreformen unter Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) durch die dauerhafte Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus gerissen haben? Bis vor zwei Jahren fehlten Zahlen hierzu, weil schlicht nicht bekannt war, welche Renten gezahlt werden.
Mit der Riester-Auszahlungsstatistik wollte die Bundesregierung einen ungefähren Überblick darüber verschaffen, was die Sparer an Rente erhalten. Die Daten stammen hierbei von der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA), bei der die Versicherer jährlich melden müssen, welche Leistungen sie auszahlen.
Die ersten Zahlen waren denn auch ernüchternd. Denn wer 2022 eine Riester-Rente bezog, erhielt durchschnittlich 131,76 Euro Monatsrente ausgezahlt. Die durchschnittliche Jahresrente betrug 1.581,12 Euro. Die Auszahlungsstatistik zeigte auch, dass 80,4 Prozent der Betroffenen weniger als 2.000 Euro pro Jahr erhalten. Fast ein Drittel aller Riester-Sparer erhielt weniger als 40 Euro im Monat.
Die Reaktionen auf die vorgelegten Zahlen fielen entsprechend kritisch aus. So titelte beispielsweise die "BILD" „Riester-Rente wird zum Flop!“ und präsentiert in Finanzmathematiker Axel Kleinlein einen scharfen Kritiker der Lebensversicherer. "Die Zahlen des Finanzministeriums zeigen, dass die Riester-Rente nur zu einem mickrigen Taschengeld führt. Ein Sparer muss fast 100 Jahre alt werden, damit der Vertrag keinen Verlust macht“, sagt Kleinlein dem Blatt damals.
Im zweiten Jahr der Auswertung waren die Werte leicht gestiegen. Denn 2023 hatte die durchschnittliche Monatsrente bei 136,34 Euro gelegen. Die durchschnittliche Jahresrente betrug 1.636,13 Euro.
Riester-Rente bleibt überschaubar
Nun hat das Bundesfinanzministerium zum dritten Mal statistische Zahlen die sogenannte Riester-Auszahlungsstatistik vorgelegt. Im Jahr 2024 erhielten 1.318.703 Personen eine Riester-Rente ausgezahlt. Im Vergleich zu 2023 kamen also 153.458 Riester-Rentner hinzu. Wer im Jahr 2024 eine Riester-Rente bezog, erhielt durchschnittlich 144,68 Euro Monatsrente ausgezahlt. Die durchschnittliche Jahresrente betrug 1.736,12 Euro.
In der durchschnittlichen Jahresrente ist allerdings auch der Teil der Riester-Rentner mit einer einmaligen Abfindung wegen einer Kleinbetragsrente enthalten. Werden nur Riester-Rentner mit einer laufenden Alters- oder Erwerbsminderungsleistung herangezogen, vermindert sich die durchschnittlich Monatsrente auf schmale 87,60 Euro.
Während etwa 26,5 Prozent der Riester-Bezieher eine jährliche Riester-Rente von bis zu 500 Euro und damit von maximal 41,66 Euro im Monat erhielten, gibt es auch vereinzelte positive Beispiele.
So erhielten 11.000 Personen eine jährliche Riester-Rente von 6.000 bis 6.500 Euro. Das entspricht etwa 500 Euro im Monat. Der Anteil dieser Gruppe an der Gesamtheit der Riester-Rentner ist mit 0,8 Prozent eher überschaubar. Von diesen 11.000 Personen bezogen allerdings nur 2.179 Personen die Riester-Rente als laufende Alters- oder Erwerbsminderungsleistung.
Immerhin 26.851 Personen erhielten einen Jahresbetrag aus allen Leistungen, der mindestens 10.000 Euro betrug. Davon bekamen 1.175 Personen eine monatliche Riester-Rente von über 833 Euro und damit über 10.000 Euro im Jahr. Der Großteil der Riester-Rentner ist von derart hohen Zahlen jedoch weit entfernt. Denn die Auszahlungsstatistik zeigt, dass rund 78,3 Prozent weniger als 2.000 Euro pro Jahr und damit maximal 166 Euro im Monat erhalten.
Bei der Frage, wie aussagekräftig die Höhe der Durchschnittsrente ist, wurden wiederholt zwei Einwände laut. Zum einen gehe aus den Zahlen nicht hervor, wie viel und wie lange die Rentner eingezahlt haben. Die Riester-Renten fallen auch deshalb recht niedrig aus, weil es diese Vorsorgeform schlicht noch nicht so lange gibt. Hierzu schreibt das Bundesfinanzministerium: „Aktuelle Bestandsfälle können kaum lange Ansparphasen aufweisen, da die Förderung der Riester-Rente erst 2002 begann.“ Daher kann erwartet werden, dass sich die Auszahlungsbeträge bei zukünftigen Auswertungen erhöhen werden, wenn vermehrt Leistungsempfänger mit längeren Riester-Ansparphasen in die Auszahlung gelangen.
Einwand Numero zwei: Viele Riester-Sparer würden mehrere Verträge halten, entsprechend falle eine Zweitrente unter Umständen geringer aus und verzerre die Ergebnisse. Der Hintergrund: Zulagen können auf maximal zwei Riester-Verträge verteilt werden, was zum Beispiel sinnvoll sein kann, wenn Grundzulage und Kinderzulagen zusammen einen größeren Betrag ausmachen.
Von den 1.318.703 Personen, denen im Jahr 2024 eine Riester-Rente ausgezahlt wurde, hielten 71.446 Personen mehrere Verträge. Davon bekamen wiederum 56.752 Personen mehrere laufende Alters- oder Erwerbsminderungsleistungen ausgezahlt. Die Zahl der Rentner mit mindestens zwei Riester-Verträgen liegt bei knapp 4,3 Prozent.
Zudem erlauben es Riester-Verträge, sich einmalig ein Teilkapital von bis zu 30 Prozent auszahlen zu lassen - und dann entsprechend eine niedrigere regelmäßige Monatsrente. Das führt zu sehr hohen Auszahlungen im ersten Jahr und entsprechend niedrigeren in den Folgejahren. Im Jahr 2024 erhielten 74.742 Personen eine solche Rente inklusive Teilkapitalsauszahlung, wobei 68.232 Personen unter „Neufälle“ erfasst wurden. Sie hatten folglich im Jahr zuvor noch keine Leistung erhalten. Neufälle werden in der Statistik grundsätzlich separat ausgewiesen, da auch sie die Ergebnisse verzerren können. Schließlich fällt der Auszahlungsbeginn oft mit dem Renteneintritt in der gesetzlichen Rente zusammen und kann folglich über das ganze Jahr verteilt sein.
In diesem Jahr wurde auch das jährliche Auszahlvolumen ausgewiesen. Wurden zu Beginn der Statistik im Leistungsjahr 2020 noch 899,2 Millionen Euro ausgeschüttet, waren es im Jahr 2024 bereits 2.289,4 Millionen Euro. Wobei sich allein in 2024 das Volumen 1.095,1 Millionen Euro erhöhte. Bei diesen Neufällen war der Vertrag im Vorjahr noch nicht in der Auszahlungsphase.
Um zu bewerten, ob Riester nur ein „Taschengeld“ bietet, bräuchte man folglich weitergehende Informationen: etwa, wie lange und wie viel die Rentner durchschnittlich in den Vertrag eingezahlt haben, aber auch, wie hoch die tatsächlichen Kosten der Verträge waren und sind - die Höhe der Abschluss- und Vertriebskosten sorgte ebenfalls wiederholt für Kritik.