Immer mehr Unternehmen prüfen neue Wege, um Pensionsverpflichtungen aus der Bilanz zu lösen. Pension Buy-outs bieten die Möglichkeit, Risiken und Verwaltung vollständig an spezialisierte Anbieter auszulagern. Doch das Modell wirft auch Fragen zu Haftung, Rentnerservice und strategischem Nutzen auf, warnt Vinayaka Pandit von VEDRA Pensions.
Herr Pandit, Sie raten deutschen Unternehmen, sich stärker mit Pension Buy-outs zu beschäftigen. Was sind Pension Buy-outs und warum sind sie für Unternehmen interessant?
Bei einem Pension Buy-out lagern Unternehmen Ihre Pensionsverpflichtungen komplett an einen externen Anbieter aus. Dazu werden die Pensionsverpflichtungen auf eine so genannte Rentnergesellschaft übertragen. Diese wird mit entsprechenden Vermögenswerten als Deckungsmitteln ausgestattet. Ein spezialisierter Buy-out-Anbieter, wie wir bei VEDRA Pensions, kauft dann die Anteile an der Rentnergesellschaft. Er ist künftig für das Asset Management des Pensionsvermögens und die Verwaltung und Auszahlung dieser Pensionen verantwortlich.
Leistungen der betrieblichen Altersvorsorge sind ja häufig auch ein wichtiger Aspekt der Mitarbeiterbindung und -gewinnung. Was hat ein Unternehmen von so einem Schritt?
Für das abgebende Unternehmen stehen vor allem zwei Vorteile im Vordergrund: die Risikoreduktion und die Entlastung von Verwaltungsaufwand. Bei den Risiken sind für das Unternehmen zum einen die Zinsrisiken ausschlaggebend. Fallende Zinsen würden dazu führen, dass Pensionsverpflichtungen mit einem niedrigen Rechnungszins abgezinst werden – damit müssen die Pensionsrückstellungen erhöht werden, ohne dass sich an den Grundlagen irgendetwas verändert hat. Dies hat in der vergangenen Niedrigzinsphase massive Auswirkungen auf Unternehmensbilanzen gehabt. Trotz der wieder gestiegenen Zinsen am Markt zieht hier der für die Bewertung von Pensionsverpflichtungen nach HGB maßgebliche Zins aufgrund der zehnjährigen Durchschnittsbildung nur verzögert nach und bewegt sich weiterhin auf recht niedrigem Niveau.
Zum anderen leben Rentner heute glücklicherweise zwar länger – für die Unternehmen bedeutet dies aber auch, dass die Zahlungsverpflichtungen entsprechend länger auf der Bilanz liegen. Hinzu kommen noch die klassischen Kapitalmarktrisiken, die das Anlagevermögen beeinträchtigen können, so dass das Unternehmen im worst case gezwungen ist, Kapital nachzuschießen. Die Betreuung von Rentnern, die Abwicklung von Zahlungen und die laufende Verwaltung entfallen nach der Auslagerung. Das Unternehmen kann sich wieder auf sein Kerngeschäft konzentrieren.
Gleichzeitig ist eine transparente Kommunikation mit den Rentnern entscheidend. Bereits bei der Auswahl des Buy-out-Partners sollte darauf geachtet werden, dass dieser ein überzeugendes Konzept für die Betreuung der Rentner vorlegt.
Welche Rolle spielt das Unternehmen dann nach dem Buy-out? Gibt es nachfolgende Verpflichtungen? Was ist mit der Haftung?
Das Besondere an einem Buy-out über eine Rentnergesellschaft ist, dass sie als einzige Form des De-Riskings eine vollständige Auslagerung der Pensionsrisiken ermöglicht. Rechtlich besteht zwar eine 10-jährige Nachhaftungspflicht, diese ist bei erfahrenen Spezialisten eher eine theoretische. Bei unserer ersten Transaktion haben wir diese Frist bereits erreicht ohne jemals auf das abgebende Unternehmen zurückgreifen zu müssen.
Es gibt bei Versicherungen ja das Modell der „Run-off“-Gesellschaften, bei dem Versicherungsbestände auf andere Anbieter übertragen und dort weitergeführt werden. Inwieweit lassen sich diese Konstrukte vergleichen?
Die beiden Konzepte unterscheiden sich von ihrer Zielsetzung her fundamental. Bei einer Run-off-Gesellschaft geht es primär darum, die Kosten zu senken, die mit dem Versicherungsbestand einhergehen. Das kann zu einem geringeren Service-Level bei den Versicherten führen. Die Interessenlagen bei Run-off-Gesellschaften und Versicherten laufen also möglicherweise auseinander.
Rentnergesellschaften hingegen haben das Ziel, die langfristige Sicherheit und Stabilität der Rentenzahlungen zu gewährleisten. VEDRA Pensions beteiligt sich aus diesem Grund mit Eigenkapital an der Rentnergesellschaft – damit verbinden uns gemeinsame Interessen mit allen Stakeholdern: eine stabile Kapitalanlage und ausreichende Erträge, um die Rentenzahlungen dauerhaft zu sichern. Auch beim Service setzen wir auf Kontinuität: Unsere Rentner haben feste Ansprechpartner und sollen keinen Unterschied zur bisherigen Betreuung durch ihr Unternehmen bemerken.
Für welche Unternehmen eignen sich solche Buy-outs?
Pension Buy-outs sind im Grunde genommen für jedes Unternehmen geeignet. Wir haben zuletzt am Markt solche Buy-outs bei größeren Unternehmen wie der Credit Suisse, HRE oder der HAL gesehen. Aber auch kleinere und mittelständische Unternehmen, die die notwendigen Voraussetzungen bei der Ausfinanzierung mitbringen können von diesen Vorteilen profitieren. Wie bei allen spielt die sorgfältige Planung und Beratung eine wesentliche Rolle.