Künstliche Intelligenz verändert die Suche nach Kfz-Versicherungen spürbar. Besonders junge Kunden setzen zunehmend auf ChatGPT & Co., um Tarife zu vergleichen oder sich auf Beratungsgespräche vorzubereiten. Für Vermittler entsteht daraus sowohl ein neues Risiko als auch eine große Chance.
Künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant zu einem neuen Informationskanal für Versicherungskunden. Besonders bei der Suche nach einer neuen Kfz-Versicherung greifen immer mehr Verbraucher auf KI-Suchmaschinen zurück. Das gilt allen voran junge Nutzer. Nach aktuellen Untersuchungen von Sirius Campus nutzt bereits jeder vierte Angehörige der Generation Z (26 Prozent) eine KI-Suchmaschine bei der Suche nach einer neuen Kfz-Police. Bei älteren Kunden liegt dieser Anteil bislang deutlich niedriger: Nur fünf Prozent greifen dort auf KI zurück. Auffällig ist jedoch die Dynamik. Denn innerhalb eines Jahres hat sich die Nutzung unter jungen Kunden verdoppelt. 2024 lag der Anteil der KI-Nutzer in dieser Altersgruppe noch bei 13 Prozent.
Viele Nutzer setzen KI-Systeme nicht nur für einfache Tarifvergleiche ein. Sie lassen sich auch Leistungsunterschiede erklären oder erstellen komplette Vergleichstabellen für ihr Fahrzeug. Ein Teil der Nutzer verzichtet dabei sogar auf klassische Vergleichsportale. 16 Prozent der KI-Nutzer finden über die KI direkt eine passende Kfz-Versicherung. Weitere 23 Prozent fühlen sich anschließend ausreichend informiert, um eigenständig einen Direktabschluss vorzunehmen.
Auch für die Vorbereitung auf Beratungsgespräche spielt KI eine Rolle. Immerhin 20 Prozent der Nutzer nutzen KI-Suchmaschinen gezielt, um sich vor einem Gespräch mit einem Vermittler zu informieren. „Nutzer von KI-Suchmaschinen bringen ihrem ‚digitalen Buddy‘ ein erschreckend hohes Vertrauen entgegen. Aber sie nehmen auch Grenzen bei der KI-Nutzung wahr und suchen dann den Kontakt zu ihrem bestehenden oder zu einem neuen Vermittler“, erklärt Dr. Oliver Gaedeke, Gründer und Geschäftsführer von Sirius Campus.
ChatGPT als digitaler Recherche-Assistent
KI-affine Kunden geben bei der Suche häufig sehr detaillierte Informationen wie etwa zu Fahrzeug, Wohnort oder persönlicher Situation an. Die Ergebnisse werden vor allem wegen ihrer Struktur geschätzt. Denn diese bietet eine übersichtliche Darstellung, Ranking der Tarife und die Möglichkeit, in einem Dialog weitere Fragen zu stellen. In vielen Fällen empfehlen Systeme wie ChatGPT oder Gemini zusätzlich den Besuch klassischer Vergleichsportale. Allerdings wechseln dorthin vor allem Nutzer, die ohnehin bereits eine hohe Affinität zu solchen Plattformen haben.
Bei den vorgeschlagenen Versicherern tauchen zwar häufig große Marken auf. In einer Analyse von 18 Suchanfragen wurden etwa mehrfach Angebote von Allianz, HanseMerkur, Barmenia, DEVK, Huk-Coburg oder Signal Iduna genannt. Gleichzeitig erscheinen aber auch spezialisierte Anbieter wie Adam Riese, Agila, Ammerländer, Hannoversche, LKH, Verti oder Waldenburger in den Ergebnislisten. Die Position im Ranking ist für viele Nutzer zwar relevant, aber nicht allein entscheidend. In vertiefenden Dialogen schlagen KI-Systeme häufig zusätzliche Tarife vor, die dann ebenfalls geprüft würden.
Die dialogische Funktionsweise von KI verändert auch den nächsten Schritt im Entscheidungsprozess. Viele Nutzer wechseln nach der Recherche nicht zu einem Vergleichsportal, sondern kontaktieren direkt den Versicherer oder einen Vermittler. „Versicherern und auch Vermittlern sollten ihre Kontaktformulare und Landingpages für eine Terminvereinbarung optimieren, um von der zunehmenden KI-Nutzung zu profitieren“, rät Gaedeke.
Auch im Vertrieb selbst wächst das Interesse an KI-Technologien. Vertreter aus den 22 größten Ausschließlichkeitsorganisationen zeigen sich laut Untersuchung nahezu einhellig offen für den Einsatz entsprechender Anwendungen.
Vor allem jüngere Vermittler sehen großes Potenzial in Bereichen wie:
- Kundenkommunikation (Briefe, Mails, Angebote)
- Verwaltungstätigkeiten
- Serviceprozesse
- Zugriff auf Tarifwissen und Produktinformationen
Einige Versicherer bieten bereits Wissensdatenbanken oder Schulungsangebote zu KI an. Insgesamt sehen viele Vertreter jedoch noch Nachholbedarf bei der konkreten Unterstützung durch ihre Gesellschaften.
„Versicherer sollten mit einem ganzheitlichen Blick vom Kunden bei der ersten KI-Nutzung bis hin zum Vermittler- oder Direktabschluss ihre KI-Strategien entwickeln. Punktuelle Aktivitäten werden eindeutig zu kurz greifen“, betont Gaedeke.