Allianz-Chef Bäte: „Natürlich werden wir auch Arbeitsplätze abbauen müssen“

Quelle: Allianz

Künstliche Intelligenz setzt die Versicherungsbranche unter massiven Veränderungsdruck. Allianz-Chef Oliver Bäte sieht darin jedoch vor allem Effizienzpotenzial und kündigt weitere Automatisierung an. Gleichzeitig geht es um nicht weniger als die Frage, wer im KI-Zeitalter noch den Kundenzugang kontrolliert.

Im November 2025 hatte Allianz Partners einen drastischen Stellenabbau angekündigt. Demnach sollen zwischen 1.500 und 1.800 Stellen weltweit abbauen. Betroffen seien vor allem Callcenter-Tätigkeiten, die künftig zunehmend von KI-Systemen übernommen werden sollen.

Spätestens seit OpenAI ChatGPT für regulierte Versicherungsangebote über die neue App-Infrastruktur geöffnet hat, beginnt für die Versicherungsbranche das Zeitalter des konversationalen Versicherungsvertriebs. Einhergehend damit sorgt die Furcht vor KI-bedingter Disruption für Unruhe an den Kapitalmärkten. Investoren fürchten, dass ganze Geschäftsmodelle obsolet werden könnten. Auch Versicherer stehen vor der Frage: Welche Rolle spielt der Vertrieb künftig noch und wer kontrolliert den Zugang zum Kunden?

Die Allianz setzt auf Künstliche Intelligenz aus dem Hause Anthropic. Deren Claude-Modelle sollen Geschäftsabläufe mit KI transformieren. Durch automatisierte Prozesse solle der Geschäftsbetrieb gestrafft werden. Gleichzeitig sollen Mitarbeiter weitergebildet sowie Transparenz und Compliance verbessert werden. „Wir werden durch den Einsatz von KI dramatisch besser und günstiger für unsere Kunden werden“, erklärt Allianz-Chef Oliver Bäte im Gespräch mit dem "Handelsblatt". Ziel sei es, Prozesse konsequent zu automatisieren und Kosten zu senken.

Repetitive Arbeit vor dem Aus

Bäte will vor allem Tätigkeiten automatisieren, die keinen Mehrwert schaffen. „Ich bin überzeugt, dass Tätigkeiten wie reine Informationsverarbeitung künftig überflüssig werden“, so der Konzernchef. Die Folge: sinkende Verwaltungskosten und effizientere Abläufe. Der Konzern prüfe systematisch jede Funktion auf Automatisierungspotenzial. „Zuerst muss die Technologie zuverlässig funktionieren, dann klären wir Regulierung und Kundenakzeptanz. Erst danach gehen wir in die Gespräche mit Sozialpartnern und Betriebsräten.“

Dass dies Auswirkungen auf Arbeitsplätze haben wird, räumt Bäte ein: „Natürlich werden wir auch Arbeitsplätze abbauen müssen.“ Gleichzeitig verweist er auf die natürliche Fluktuation der kommenden Jahre, wenn viele Babyboomer in den Ruhestand gehen.

Während Callcenter-Tätigkeiten zunehmend automatisiert werden, sieht Bäte im beratungsintensiven Geschäft weiterhin Bedarf. „In den kommenden zehn Jahren wird, je nach Land, eine große Zahl unserer Agenturinhaber in den Ruhestand gehen. Das zu ersetzen, ist eine enorme Herausforderung, aber auch eine große Chance.“

Viele Kunden informierten sich zwar online, der Abschluss erfolge jedoch häufig weiterhin im persönlichen Gespräch. Dennoch bleibt offen, wie sich die Rolle des Beraters langfristig verändern wird. Das gilt insbesondere, wenn KI-gestützte Systeme immer präzisere Produktempfehlungen liefern. Hinzu kommt ein regulatorisches Fragezeichen: Wer haftet für KI-gestützte Beratung? „Es gibt einen erheblichen regulatorischen Unsicherheitsfaktor“, so Bäte.

Strategisch geht es für große Versicherer zunehmend um Sichtbarkeit in einer Welt, in der KI-Agenten im Auftrag der Kunden handeln. „Egal ob Kunden nach der besten, kundenfreundlichsten oder günstigsten Versicherung suchen: Die Antwort der KI-Systeme muss Allianz heißen“, formuliert Bäte das Ziel. Hier sieht er die Allianz im Vorteil. „Unsere Skalenvorteile erlauben es uns, bei Agentic Search kräftig zu investieren.“ Diese KI-Systeme liefern nicht nur Informationen, sondern führen komplexe Aufgaben eigenständig aus. Es ist eine Entwicklung, die laut Bäte „echte Veränderungen“ für die Branche bedeuten wird.