Für Versicherungs-CEOs weltweit stehen Umweltrisiken an erster Stelle der strategischen Agenda. Naturkatastrophen, geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Unsicherheit verschärfen den Druck auf Geschäftsmodelle und Kapitalanlagen. Die Branche will auf diese Herausforderungen mit besseren Risikomodellen, mehr Prävention und einer klaren Ausrichtung auf nachhaltige Investments antworten.
Umweltrisiken sind aus Sicht führender Versicherungs-CEOs die größte Herausforderung für die Branche. Das zeigt die Interviewreihe „CEO Voices“ von Sollers Consulting, in der bislang neun Vorstandschefs aus acht Ländern ihre Einschätzungen zur Zukunft von Versicherung und Technologie teilen. Die Gespräche mit CEOs aus den USA, Australien, Japan, Großbritannien, Slowenien, Deutschland, der Schweiz und Frankreich machen deutlich, dass sich Versicherer mit einer komplexen Gemengelage aus ökologischen, geopolitischen und wirtschaftlichen Risiken konfrontiert sehen. Das hat wiederum direkte Auswirkungen auf die Versicherbarkeit und die Kapitalsteuerung.
Zwar verlief das Jahr 2025 mit geschätzten versicherten Schäden von rund 100 Milliarden US-Dollar vergleichsweise moderat. Doch jüngste Ereignisse wie die Buschbrände in Australien oder der Schneesturm „Fern“ in den USA verdeutlichen, dass der langfristige Trend steigender Risiken anhält.
„Wir rechnen mit anhaltenden Herausforderungen in einem sich wandelnden globalen Umfeld, darunter Inflationsdruck, Sicherheitsbedenken in mehreren Regionen, Umweltrisiken und allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit“, sagt Andrew Horton, CEO von QBE. Der australische Versicherer reagiert darauf mit Investitionen in verbesserte Risikomodellierung „Neue Datenkapazitäten – insbesondere in den Bereichen Wetterrisiken, Cyberrisiken und neue Risiken im Bereich der Arbeitnehmerentschädigung – ermöglichen es uns, unsere Produkte kontinuierlich weiterzuentwickeln, um auf ein sich schnell veränderndes Risikoumfeld zu reagieren.“
Neben operativen Maßnahmen setzen viele Versicherer auf eine strategische Neuausrichtung ihrer Kapitalanlagen. Die Diversifizierung in klimafreundliche Unternehmen gilt dabei als zentrales Element. „Wir begegnen diesen Herausforderungen, indem wir unsere Widerstandsfähigkeit stärken, unsere Investitionen und Risiken diversifizieren und Nachhaltigkeitskriterien in unsere Entscheidungsprozesse integrieren“, erklärt Jean-Daniel Laffely, CEO der Vaudoise Versicherungen.
Auch Isabelle Le Bot, Vorstandsvorsitzende von La France Mutualiste, betont die Rolle der Finanzbranche im Transformationsprozess: „Der ökologische Wandel bleibt eine große Herausforderung, bei der Finanzakteure eine wesentliche Rolle spielen. Der ökologische Wandel erfordert eine Umleitung von Kapital in verantwortungsbewusste Investitionen.“
Nach Umweltrisiken nennen die befragten CEOs politische Sicherheit als zweitwichtigstes Anliegen, gefolgt von wirtschaftlichen Risiken. In einer zunehmend fragmentierten Welt gewinnen Resilienz, Reaktionsfähigkeit und robuste Geschäftsmodelle an Bedeutung. Zu den befragten Vorstandsvorständen zählen mit Jürg Schiltknecht von der Baloise und Frank Walthes von der Versicherungskammer Bayern auch zwei deutsche Führungskräfte.