Erste Versicherer-Fusion des Jahres steht an

Quelle: ChatGPT

Die Ostangler Brandgilde und die Schwarzwälder Versicherung wollen ihre Kräfte bündeln. Beide Unternehmen reagieren damit auf die steigenden Anforderungen durch Digitalisierung und Regulatorik. Die Fusion solle noch im Laufe des Jahres 2026 durchgeführt werden

Im August 2025 haben die Versicherer Ostangler Brandgilde VVaG und die LSH Versicherung VVaG ihre Fusion offiziell bekanntgegeben. Aus dem Zusammenschluss soll ein mittelständischer Versicherer mit einem Prämienvolumen von über 80 Millionen Euro entstehen. Künftig firmiert das neue Unternehmen unter dem Namen Ostangler Brandgilde VVaG mit Hauptsitz in Kappeln.

Dabei setzt der Versicherer auf eine klare Segmentierung der Kundengruppen. Künftig soll die LSH als Assekuradeur das Privatkunden-Maklergeschäft übernehmen und tritt mit eigenem Markenauftritt und eigenem Produktportfolio am Markt auf. Die Ostangler Brandgilde wiederum werde sich stärker auf landwirtschaftliche Betriebe, gewerbliche Risiken, Firmenverbünde und Privatkunden im angestammten Kerngebiet Angeln fokussieren. Inzwischen wurden Daten, Strukturen und Prozesse zusammengeführt. Die Neuordnung sollte insbesondere die Produktentwicklung und die Vertriebsunterstützung vereinfachen.

Nun hat das Unternehmen aus Schleswig-Holstein einen weiteren Fusionspartner an Land gezogen. Noch in diesem Jahr wollen die Ostangler Brandgilde und die Schwarzwälder Versicherung fusionieren. Beide Unternehmen arbeiten bereits seit rund 15 Jahren eng zusammen. Ziel des Zusammenschlusses ist es, die Kräfte beider Häuser zu bündeln, Verwaltungsstrukturen zu straffen und die Organisation langfristig zukunftssicher aufzustellen. Die Fusion soll aber nicht nur Synergien heben, sondern auch die organisatorische Schlagkraft im zunehmend regulatorisch geprägten Marktumfeld stärken.

Der Plan sieht vor, die Schwarzwälder Versicherung als Versicherer in die Ostangler Brandgilde zu integrieren. Gleichzeitig bleibt sie als Assekuradeur unter ihrer bisherigen Marke am Standort Villingen-Schwenningen operativ tätig. Auch der Mitarbeiterstamm soll vollständig erhalten bleiben. Für Versicherungsnehmer werde sich ebenfalls nichts ändern. Denn, wie üblich, behalten bestehende Verträge ihre Gültigkeit.

Mit der geplanten Fusion sollen Controlling, Verwaltung und IT künftig noch stärker aufeinander abgestimmt werden. Ziel sei es, doppelte Strukturen zu vermeiden und stabile, effiziente Abläufe zu schaffen. „Beide Unternehmen sind wirtschaftlich solide aufgestellt. Durch die Fusion bündeln wir unsere Stärken im Versicherungsmarkt und gestalten Prozesse effizienter“, erklärt Jens-Uwe Rohwer, Vorstand der Ostangler Brandgilde.

Parallel zur Fusionsplanung treibt die Ostangler Brandgilde ihre Digitalstrategie voran. Gemeinsam mit mehreren kleinen und mittelständischen Versicherern beteiligt sich das Unternehmen am Erwerb und Ausbau des Kundenverwaltungssystems AGS. Der Kauf und die Weiterentwicklung erfolgen über die B&M Insurance IT GmbH & Co. KG.

Hintergrund sind steigende regulatorische Anforderungen, etwa im Rahmen von DORA, die hohe Anforderungen an IT-Sicherheit und Datenverarbeitung stellen. Ziel des IT-Vorhabens ist es, Sicherheit, Stabilität und Zukunftsfähigkeit der Systeme nachhaltig zu gewährleisten. Ab 2026 solle zudem künstliche Intelligenz schrittweise in Verwaltungsprozesse eingeführt werden. Der Fokus liege auf der Automatisierung standardisierter Abläufe, der Verbesserung der Datenqualität und der Entlastung der Fachbereiche. Dafür würden gezielt Personal- und Finanzressourcen bereitgestellt. „In den vergangenen Jahrzehnten haben wir gezielt in Immobilien und Standorte investiert. Jetzt investieren wir konsequent in Prozesse und Systeme“, erklärt Rohwer. „Das ist notwendig, um unsere Leistungsfähigkeit langfristig zu sichern.“