Zukunft der Versicherer: Künstliche Intelligenz, Datenpartnerschaften und Klimarisiken

Quelle: Pegasystems

Die Versicherungsbranche hat bei Digitalisierung und KI 2025 Fortschritte gemacht – doch der große Durchbruch steht noch aus. Legacy-Systeme, Regulierung und Datenqualität bremsen die Skalierung. 2026 wird zum entscheidenden Jahr für KI, Partnerschaften und neue Geschäftsmodelle, meint Elischa Göttmann, Principal Solutions Consultant bei Pegasystems.

Die Versicherungswirtschaft hat im vergangenen Jahr spürbar Tempo bei der Digitalisierung aufgenommen und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz deutlich ausgeweitet. Viele der damit verbundenen Erwartungen haben sich jedoch bislang nur teilweise erfüllt. Der Grund liegt weniger im mangelnden Willen der Unternehmen, sondern vielmehr in strukturellen Hürden: gewachsene Legacy-Systeme, komplexe regulatorische Vorgaben und heterogene Datenlandschaften bremsen die schnelle Umsetzung ambitionierter KI-Projekte. Damit wird klar: Die eigentliche Skalierung von KI verschiebt sich auf 2026 und die Folgejahre.

Ein zentraler Erfolgsfaktor wird dabei die tiefere Integration von KI in die Kernprozesse der Versicherer sein. Underwriting, Schadensbearbeitung, Betrugserkennung und Kundenservice gelten als Bereiche mit besonders großem Hebel. Angesichts anhaltenden Margendrucks und eines weiterhin angespannten Arbeitsmarktes bleibt Effizienzsteigerung zwingend notwendig. Gleichzeitig zeigt sich, dass KI von Kundinnen und Kunden zunehmend akzeptiert wird – selbst dann, wenn sehr persönliche Daten verarbeitet werden, solange der Nutzen klar erkennbar ist. Dieser Wandel in der Erwartungshaltung eröffnet Versicherern neue Spielräume, erfordert aber einen konsequenten „Trusted-AI“-Ansatz mit menschlicher Kontrolle, erklärbaren Ergebnissen und hoher Datenqualität. Besonders die Entwicklung hin zu sogenannter Agentic AI, die künftig eigenständig Entscheidungen im operativen Alltag treffen kann, erhöht den Druck zur Modernisierung der IT-Architekturen.

Parallel dazu gewinnen datenbasierte Partnerschaften an Bedeutung. Mit der europäischen FiDA-Verordnung wird der Datenaustausch zwischen Finanzdienstleistern zur Pflicht – für Versicherer aber auch zur Chance. Wer sich auf reine Compliance beschränkt, riskiert, zum bloßen Datenlieferanten zu werden. Wachstumspotenziale entstehen erst dann, wenn Versicherer aktiv Partnerschaften eingehen, Daten intelligent nutzen und Teil größerer Ökosysteme werden. Ähnlich gelagert ist das Geschäft mit Embedded Insurance, das sich zunehmend als Umsatz- und Margentreiber etabliert. Die Einbettung von Versicherungsleistungen in digitale Kauf- und Nutzungssituationen ermöglicht einen direkten Kundenzugang bei gleichzeitig vergleichsweise niedrigen Akquisekosten.

Während neue Geschäftsmodelle entstehen, wächst zugleich der regulatorische Druck weiter. EU AI Act, EIOPA-Vorgaben, DORA und die anstehende Umsetzung von FiDA definieren einen anspruchsvollen Rahmen für Governance, IT-Resilienz und Fairness automatisierter Entscheidungen. Versicherer stehen vor der Aufgabe, diese Anforderungen nicht nur zu erfüllen, sondern strategisch zu nutzen, um Vertrauen aufzubauen und sich als verlässliche Anbieter zu positionieren.

Auf der Kundenseite verschieben sich die Prioritäten ebenfalls. Zwar rückt die digital affine Generation Z stärker in den Fokus, gleichzeitig gewinnt die Silver Economy weiter an Bedeutung. Der Vertrieb der Zukunft bleibt damit hybrid: Digitale Plattformen, KI-gestützte Assistenten und persönliche Beratung müssen nahtlos zusammenspielen. Eine moderne Customer Experience über alle Kanäle hinweg wird zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal.

Hinzu kommen die wachsenden Herausforderungen durch Klimarisiken. Häufigere Extremwetterereignisse verlangen nach neuen Modellen, Frühwarnsystemen und parametrischen Lösungen. Die Branche setzt dabei auf Prävention und Eigenvorsorge, bevor politische Entscheidungen wie eine Pflichtversicherung für Elementarschäden greifen. Klar ist: Auch hier werden Daten, Technologie und partnerschaftliche Ansätze zum Schlüssel für tragfähige Lösungen.

„Versicherer stehen 2026 vor der Herausforderung, durch Digitalisierung und Automatisierung weitere Effizienzpotenziale zu erschließen, um ihre Margen in einem fragilen makroökonomischen Umfeld und angesichts steigender Klimarisiken zu stabilisieren“, betont Elischa Göttmann, Principal Solutions Consultant bei Pegasystems. „Künstliche Intelligenz und datengetriebene Services sind dabei die entscheidenden Helfer, müssen aber mit Fokus auf Governance und Compliance umgesetzt werden. Darüber hinaus steckt in Partnerschaften und der Teilhabe an digitalen Plattformen, Markplätzen und Ökosystemen weiterhin Wachstumspotenzial – dennoch lautet das Motto eher ‚Back to the Core‘, also den Fokus auf das Kerngeschäft auszurichten.“