detaillierte KostenanalyseDie Absicherung von Elementarschäden innerhalb der Wohngebäudeversicherung bleibt ein heißes Thema für die Politik. Denn viele Eigenheimbesitzer haben keinen Schutz. Eine aktuelle Analyse zeigt nun, wie stark die Beiträge je nach Risikozone auseinanderlaufen.
Die Schäden durch Naturkatastrophen nehmen rasant zu. Gleichzeitig bleiben viele Gebäude unversichert. Der natürliche Reflex der Politik nach Elementarschäden ist der Ruf nach einer Pflichtversicherung. Doch kann diese die bestehenden Probleme tatsächlich lösen? Dieser Frage hat sich die Studie „Pflichtversicherung gegen Elementarschäden“ im vergangenen Jahr gewidmet. Durchgeführt wurde die Studie vom Centrum für Europäische Politik im Auftrag der VHV.
Im Kern kommen die Studienmacher zu einem klaren Fazit: Eine Pflichtversicherung allein reicht nicht. Ohne risikoadjustierte Prämien, Selbstbehalte, Deckungsgrenzen und strikte bauliche Anforderungen bestehe die Gefahr einer systemischen Fehlsteuerung. Eine Pflichtversicherung könne nur dann funktionieren, wenn sie in ein komplexes Gesamtkonzept eingebettet ist. Dazu gehören:
- Präventionsmaßnahmen (z.B. Hochwasserschutz, Frühwarnsysteme)
- Strenge bauliche Standards für Neu- und Bestandsbauten
- Sensibilisierung und Aufklärung der Bevölkerung
- Risikobasierte Prämiengestaltung statt Einheitstarifen
- Rückversicherungslösungen auf EU-Ebene
- Einbindung nachhaltiger Finanzierungsinstrumente wie Katastrophenanleihen (CatBonds)
Elementarschutz zwischen Pflicht und Preisfrage
Wie sich der aktuelle Markt beim Elementarschutz gestaltet, haben sich die drei Wissenschaftler Hartmut Nickel-Waninger, Christian Groß und Oliver Schellenberger für die Zeitschrift Wirtschaftsdienst angeschaut. Das Blatt des ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft hat dafür Daten aus den Häusern Franke und Bornberg sowie der fb research GmbH genutzt und im Zuge dessen eine detaillierte Kostenanalyse aufgestellt. Dazu seien 1.094 Adressen über alle Risikoklassen hinweg abgefragt worden. Um die Beiträge zu vergleichen, seien anschließend 39 Versicherungstarife mit 500 Euro Selbstbehalt untersucht worden. Diese seien einmal mit und einmal ohne Elementarschutz durchgespielt worden. Dies habe in Summe über 80.000 Vergleichswerte ergeben.
Die Spannweite der Beiträge ist erheblich. Sie reicht von niedrigen zweistelligen Beträgen bis hin zu vierstelligen Jahresprämien. Die Kosten einer Elementarschadenversicherung hängen maßgeblich von der Gefährdungslage des Gebäudes ab. Grundlage ist die jeweilige Risikozone, in der ein Wohngebäude eingestuft wird. Diese reicht von niedrigen Gefährdungen bis hin zu Hochrisikozonen mit statistisch häufiger Schadenerwartung.
In der niedrigsten Risikozone lag der günstigste Aufpreis für Elementarschutz bei 19 Euro im Jahr. Der teuerste Zuschlag betrug 209,70 Euro. Der durchschnittliche Zahlbetrag für eine Wohngebäudeversicherung mit Elementarschutz habe bei 608,20 Euro gelegen.
Durchschnittliche Jahresbeiträge bewegen sich über alle Zonen hinweg im mittleren bis oberen dreistelligen Bereich. Höchstbeiträge können jedoch in stark gefährdeten Regionen deutlich über 1.000 Euro pro Jahr liegen und stellen dort eine reale Belastung für Eigentümer dar. Besonders in den Hochrisikozonen zeigt sich zudem ein strukturelles Dilemma. Zwar sind dort Überschwemmungen statistisch deutlich wahrscheinlicher, doch gerade hier ist die Versicherungsdichte niedrig. Hohe Beiträge, begrenzte Angebote und die verbreitete Erwartung staatlicher Hilfen im Katastrophenfall dämpfen die Nachfrage.
Übersicht: 10 Risikoklassen mit Kostenbandbreite
|
Risikoklasse |
|
Durchschnittlicher Elementar-Aufschlag (€) |
|
Zahlbeitrag Wohngebäude inkl. Elementar (€) |
|
111 |
|
93,21 |
|
608,20 |
|
112 |
|
111,33 |
|
634,83 |
|
121 |
|
108,85 |
|
624,41 |
|
131 |
|
197,48 |
|
727,30 |
|
211 |
|
238,96 |
|
798,77 |
|
221 |
|
326,06 |
|
921,62 |
|
231 |
|
623,66 |
|
1.217,56 |
|
311 |
|
1.427,26 |
|
2.215,34 |
|
331 |
|
1.505,67 |
|
2.326,95 |
|
433 |
|
2.079,05 |
|
2.928,45 |
Während etwa in der niedrigsten Gefahrenzone immerhin 6.152 Tarife angeboten wurden, waren es im Hochrisikogebiet lediglich vier Tarife. Hier habe der günstigste Aufpreis für Elementarschutz bei 2.079,05 Euro im Jahr gelegen. Der durchschnittliche Zahlbetrag für eine Wohngebäudeversicherung mit Elementarschutz betrug sogar 2.928,05 Euro. Damit zeigt sich auch, dass von einheitlichen Kosten keine Rede sein kann. Vielmehr existiert ein breiter Kostenkorridor, der die individuelle Risikolage widerspiegelt.
Eine verpflichtende Elementarschadenversicherung würde daher nicht automatisch zu niedrigen Beiträgen für alle führen. Vielmehr käme es zu einer Umverteilung der Risiken. Eigentümer in niedrigen Risikozonen müssten mit höheren Beiträgen rechnen, während stark gefährdete Lagen entlastet werden würden.