Warum KI in Versicherungen oft an Governance scheitert

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Künstliche Intelligenz (KI) ist im Versicherungswesen angekommen und hat vor allem in der Schadenbearbeitung Einzug gehalten. Doch Governance und Underwriting hinken hinterher. Eine Studie zeigt, wo Versicherer stehen und was jetzt fehlt.

Das Thema Künstliche Intelligenz ist in der Versicherungswirtschaft allgegenwärtig. Bei der Vorbereitung auf den Einsatz von KI gibt es allerdings erhebliche Unterschiede zwischen den Versicherern. Das zeigt eine Studie von Sollers Consulting, für die Führungskräfte aus 35 Versicherungsgesellschaften in Europa und Nordamerika befragt wurden. Besonders deutlich ist der Einsatz von KI bereits heute in der Schadenbearbeitung, während andere Kernbereiche noch deutlich hinterherhinken.

Vor allem im Schadenmanagement entfaltet KI schon spürbare Wirkung. Versicherer nutzen sie, um Prozesse zu beschleunigen, Backoffice-Tätigkeiten effizienter zu gestalten und die Kundenerfahrung zu verbessern. In den kommenden drei bis fünf Jahren erwarten die befragten Manager zudem tiefgreifende Veränderungen im Underwriting. KI soll dort Entscheidungen beschleunigen, Risiken präziser bewerten und eine individuellere Preisgestaltung ermöglichen. Auch Prävention, Vertrieb und weitere Wertschöpfungsstufen stehen aus Sicht der Branche vor einem technologischen Umbruch.

Große Sprachmodelle haben sich inzwischen als Standardtechnologie etabliert. Einige Versicherer stellen ihren Mitarbeitenden bereits unternehmensweit generische KI-Tools zur Verfügung, um Erfahrungen zu sammeln und Innovationspotenziale auszuloten. Gleichzeitig offenbart die Studie deutliche Defizite bei der organisatorischen Verankerung: Mehr als ein Viertel der befragten Unternehmen verfügt über kein formelles KI-Governance-Modell. Damit fehlt vielerorts eine klare Struktur, um Komplexität zu reduzieren, Doppelarbeiten zu vermeiden und KI-Initiativen strategisch zu bündeln.

„Versicherer, die es versäumen, Governance-Strukturen zur Unterstützung der KI-Transformation aufzubauen, laufen Gefahr, in einem Markt, der sich schnell in Richtung KI, Automatisierung und prädiktive Entscheidungsfindung bewegt, ins Hintertreffen zu geraten“, kommentiert Piotr Kondratowicz, Business Architect bei Sollers.

Besonders weit fortgeschritten ist der KI-Einsatz in der Kfz-Versicherung. Hier nutzen bis zu 64 Prozent der Versicherer KI bereits zur Automatisierung von Aufgaben wie der Dublettenprüfung in Dokumenten oder der Vorsortierung von E-Mails. Am häufigsten kommt KI bei der Datenextraktion zum Einsatz. 69 Prozent der Unternehmen verwenden entsprechende Lösungen oder führen sie aktuell ein. Auch Chatbots sind mit einer Verbreitung von 60 Prozent fest etabliert. Deutlich zurückhaltender ist der Einsatz hingegen im Callcenter-Support: Mit einer Nutzungsquote von 38 Prozent befindet sich dieser Bereich noch in einer frühen Entwicklungsphase.

„KI wird vor allem zur Automatisierung der Datenerfassung, der Dokumentenverarbeitung und von Teilen des Schadenbearbeitungsprozesses eingesetzt“, betont Kondratowicz. „In den nächsten drei Jahren werden wir jedoch eine dramatische Ausweitung auf Underwriting-Prozesse, Tarifierung und kundenorientierte Bereiche wie Produktangebote und digitale Dienstleistungen erleben.“