Versicherer sehen KI-Potenzial – aber Organisation und IT bremsen die Transformation

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Die deutsche Finanz- und Versicherungswirtschaft misst Künstlicher Intelligenz eine hohe strategische Bedeutung bei. Doch der Weg zur breiten Umsetzung bleibt steinig. Noch gelingt es nur jedem zweiten Unternehmen, KI wirklich in die eigenen Abläufe zu integrieren.

Künstliche Intelligenz hat in der deutschen Finanz- und Versicherungsbranche eine strategische Bedeutung erreicht wie nie zuvor. Das zeigt der neue HTEC-Bericht „The State of AI in Financial Services & Insurance 2025“, für den mehr als 1.500 Führungskräfte weltweit befragt wurden. Darunter befanden sich auch 250 Entscheider aus Banken und Versicherern. Während die Mehrheit das Potenzial von KI klar erkennt, bleibt die unternehmensweite Umsetzung jedoch ein erhebliches Hemmnis.

Nur rund die Hälfte der deutschen Finanzdienstleister gibt an, KI bereits voll in ihre Geschäftsprozesse integriert zu haben. 44 Prozent nutzen die Technologie bislang nur punktuell. Das weist auf ein Kernproblem hin. Denn viele Institute verfügen zwar über einzelne Modellprojekte, doch die Verzahnung mit den Kernsystemen oder der Sprung in die Breite gelingen nicht. Die Fragmentierung der IT-Landschaft und komplexe Legacy-Strukturen bremsen die Transformation.

Integration bleibt Hauptbarriere

Größtes Hindernis ist laut Befragung die Integration in bestehende Prozesse und Altsysteme. 54 Prozent der Führungskräfte nennen dies als entscheidenden Skalierungsblocker. Weitere Hemmnisse sind interne Koordinationsprobleme. 30 Prozent berichten von fehlender strategischer Abstimmung im Top-Management. Hinzu kommt der Fachkräftemangel. In nahezu allen Schlüsselbereichen wie etwa Datenengineering, Automatisierung, Cybersicherheit und KI-Expertise sehen die Unternehmen deutliche Lücken. Diese führen zu höheren Kosten, geringerer Geschwindigkeit und eingeschränkter Innovationsfähigkeit. Gerade einmal 36 Prozent der Führungsteams gelten als wirklich KI-kompetent.

Trotz aller Hürden sehen Finanzinstitute klare Vorteile beim Einsatz von KI. Besonders häufig genannt werden Fortschritte in der Betrugserkennung (50 Prozent), automatisiertes Underwriting (44 Prozent), Personalisierung und Kundenbindung (40 Prozent), Untersuchungen und Beratungen (38 Prozent) und eine schnellere Schadenbearbeitung (34 Prozent).

Nur Wenige können KI schnell skalieren

Doch nur ein kleiner Teil der Institute (17 Prozent) fühlt sich technisch und organisatorisch in der Lage, KI schnell und effektiv auszurollen. Über die Hälfte sieht sich noch in Lern- oder Experimentierphasen und kämpft damit, das Tempo der technologischen Entwicklung zu halten. HTEC sieht hier klare Handlungsfelder: belastbare technische Grundlagen, strategisch abgestimmte Prioritäten und eine stärkere Zusammenarbeit mit externen Partnern.

„Die schnellsten Unternehmen sind oft diejenigen, in denen technische und fachliche Führungskräfte als ein Team zusammenarbeiten und sich auf messbare Ergebnisse konzentrieren, anstatt nur um des Experimentierens willen zu experimentieren“, betont Jamie Alsop, Managing Partner für Finanzdienstleistungen und Versicherungen bei HTEC. Erfolgreiche KI-Transformation sei daher kein Technologie-, sondern vor allem ein Organisationsprojekt.