Marcus Loskant ist CIO der LVM Versicherung. Er schildert, wie 2025 von sichtbaren Fortschritten in der digitalen Transformation geprägt war – von neuen Signaturprozessen bis hin zu KI-Tools und Cloud-Datenplattform. 2026 investiert die LVM in Weiterbildung, Change-Management und neue Kollaborationsstrukturen, um Menschen in den Mittelpunkt des Technologiewandels zu stellen und digitale Exzellenz verantwortungsvoll auszubauen.
Wie blickt die Versicherungsbranche auf 2025 zurück? Und welcher Ausblick bietet sich für das kommende Jahr? Auch in diesem Jahr suchte Versicherungsbote das Gespräch mit den Vorständen der Versicherer. Die Antworten spiegeln ein breites Spektrum an Branchenthemen wider: von anhaltender Kosten- und Schadeninflation über geopolitische Unsicherheiten bis hin zu technologischen Umbrüchen, die Geschäftsmodelle tiefgreifend verändern.
Doch der Rückblick ist keineswegs nur von Herausforderungen geprägt. Viele Vorstände berichten trotz Wettbewerbs- und Transformationsdruck von bemerkenswertem Optimismus. Vor allem Digitalisierung und künstliche Intelligenz haben 2025 einen deutlichen Sprung gemacht und eröffnen neue Effizienz- und Wachstumspotenziale – sei es in Schadenprozessen, der Kundenkommunikation oder in der Entwicklung neuer Produkte. Zugleich rücken Kundenzentrierung, hybride Beratung und organisatorischer Wandel stärker in den Fokus.
So entsteht ein differenziertes Bild: Die Branche steht unter hohem Veränderungsdruck, sieht jedoch zugleich enorme Chancen, die sich aus technologischer Innovation, kultureller Erneuerung und neuen Geschäftsmodellen ergeben.
Im Folgenden stellen wir die Antworten von Marcus Loskant vor – CIO der LVM Versicherung:
Rückblick
2025 war ein Jahr der sichtbaren Fortschritte in der digitalen Transformation der LVM. Es passiert unglaublich viel „gleichzeitig“ und die Veränderungen müssen durch die Menschen verarbeitbar und damit weiter beherrschbar sein. Neuer technischer Arbeitsplatz, Videotelefonie quasi als Standard, Cloudspeicher, neue digitale Unterschrift für unsere Agenturen und Kunden, weitere Sparten und Produkte live in unserem eigenentwickelten hoch modernen Versicherungskernsystem, zusätzliche Onlineprodukte für unsere Kunden, neues Intranet, neuer Internetauftritt, KI für alle Mitarbeiter im Innen- und Außendienst, Start der neuen zentralen Cloud Datenplattform und und und. Ein zentrales Learning: Digitale Excellenz gelingt, wenn Technologien und neuen Prozesse zum Wohle der Menschen (Mitarbeiter wie Kunden) eingesetzt werden.
Ausblick
Natürlich ist die Regulatorik weiterhin ein komplexes Thema in 2026. Daneben wird uns als Versicherung die Veränderungsdynamik mit mindestens gleicher Intensität beschäftigen. Denn wir sind es, die neue Lösungen und Technologien erschaffen, bewerten und verantwortungsvoll einsetzen. Und ja, das hört nicht auf – im Gegenteil: Die Veränderungen werden sogar noch schneller. Wie in jedem Kulturwandel, tun wir auch jetzt gut daran, den Menschen noch stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Wir alle werden lernen müssen, neue technologische Möglichkeiten in unserem Arbeits- und privaten Umfeld zu nutzen – KI ist dabei nur eine Dimension. Jede Technologie funktioniert nur, wenn Menschen sie verstehen und nutzen. 2026 investieren wir bei der LVM daher in besonders starkem Maße in Weiterbildung und Upskilling aller Mitarbeitenden im Innen- und Außendienst, in transparentes Change-Management und in Plattformen und Prozesse, die unsere Zusammenarbeit fördern. Viele Prozesse müssen neu gedacht, angepasst und optimiert werden. Wir werden dies nicht als Pflichtübung, sondern als Chance begreifen und positiv begleiten. Was ich mir wünsche, sind weniger typisch deutsche Vermeidungsstrategien. Statt reflexartig Risiken zu suchen, sollten wir lieber fragen: Was passiert, wenn wir die neue Technologie nicht einsetzen? Diese Perspektive macht uns handlungsfähiger und mutiger – und genau das brauchen wir.