Verwaltungskosten in der Lebensversicherung: Die niedrigsten und die höchsten Quoten 2024

Quelle: DALL-E

Am anderen Ende der Skala liegen die Versicherer mit den höchsten Verwaltungskostenquoten. Hier finden sich Unternehmen, deren Bestände durch viele ältere Verträge geprägt sind, die einen hohen Verwaltungsaufwand verursachen. Auffällig ist dabei der Hinweis aus der aktuellen ZfV-Auswertung: Mehrere Run-off-Versicherer haben 2024 keine Verwaltungskosten ausgewiesen – obwohl gerade sie naturgemäß besonders hohe Quoten aufweisen dürften. Als einziger Run-off-Anbieter figuriert die Ager Leben in der Tabelle, mit 3,0 Prozent, was bereits über dem Branchenschnitt liegt. Der Wert verdeutlicht, wie anspruchsvoll die Verwaltung solcher Altbestände bleibt, auch wenn externe Run-off-Modelle ursprünglich versprachen, die Kosten langfristig zu senken.

Exemplarisch lassen sich drei Gesellschaften herausgreifen, die 2024 besonders hohe Quoten auswiesen – und die zugleich zeigen, dass eine hohe Zahl nicht zwingend für schlechte Ergebnisse stehen muss, sondern oft strukturell erklärbar ist:

  • Signal Iduna Leben: 4,8 Prozent (2023: 4,5 Prozent): Mit dem höchsten Wert am Markt steht die Signal Iduna Leben im Fokus. Besonders ins Auge fällt, dass sie 132,3 Millionen Euro Rückflüsse aus der Zinszusatzreserve erhielt – gemessen an nur 1,1 Milliarden Euro Bruttoprämien ein außergewöhnlich hoher Betrag. Dieser Rückfluss stützte den Rohüberschuss, der um 17,1 Prozent auf 206,9 Millionen Euro zulegte, obwohl die Prämien leicht um 0,7 Prozent zurückgingen (Rang 23). Gerade das hohe Niveau der Rückflüsse zeigt jedoch: Der Bestand ist von zahlreichen hochverzinsten Altgarantien geprägt, die in den Niedrigzinsjahren erheblich belasteten. Die niedrige Ergebnisquote ist hier nicht Ausdruck besonderer Effizienz, sondern spiegelt in erster Linie die Kostenlast vergangener Zusagen wider – die nun durch die ZZR-Rückflüsse sichtbar wird.
  • HDI Leben: 4,3 Prozent (2023: 4,6 Prozent): Auch die HDI Leben liegt mit 4,3 Prozent deutlich über dem Branchenschnitt. Sie erhielt 149,2 Millionen Euro Rückflüsse aus der Zinszusatzreserve – der siebthöchste Wert am Markt. Damit konnte der Rohüberschuss um 16,0 Prozent auf 379,6 Millionen Euro gesteigert werden, bei Beitragseinnahmen von 1,6 Milliarden Euro (Rang 13, +1,2 Prozent). Die Rückflüsse stützten das Ergebnis, machen aber zugleich sichtbar, wie stark der Bestand durch hochverzinste Altverträge geprägt ist. Die hohe Quote verweist damit weniger auf operative Schwächen als vielmehr auf die strukturelle Herausforderung, solche Bestände zu verwalten.
  • Zurich Leben: 3,3 Prozent (2023: 3,0 Prozent): Die Zurich Leben erhielt 144,6 Millionen Euro Rückflüsse aus der Zinszusatzreserve und zählte damit ebenfalls zu den größten Profiteuren. Dass der Rohüberschuss dennoch um 39,3 Prozent auf 305,1 Millionen Euro sank, unterstreicht die Belastung durch ein anspruchsvolles Portfolio. Mit 2,7 Milliarden Euro Beitragseinnahmen (Rang 5, –7,4 Prozent) verlor Zurich zudem Marktanteile. Besonders deutlich wird die Rolle der Altbestände: Neben dem Neugeschäft (Zurich Deutscher Herold) verwaltet die 2023 gegründete Zurich Life Legacy die alten Verträge im internen Run-off – ein Verkauf an Viridium wurde von der BaFin untersagt. Die erhöhten Rückflüsse sind damit weniger ein Zeichen von Stärke, sondern ein Spiegel der hohen Garantieverpflichtungen, die die Verwaltungskostenquote nach oben treiben.

Die höchsten Quoten 2024

Die Beispiele veranschaulichen, dass man bei der Bewertung vorsichtig sein muss. Denn es gibt viele Gründe, warum eine Verwaltungskostenquote deutlich über dem Branchenschnitt liegt. Häufig sind es Altbestände mit hohen Garantieverpflichtungen, die besonders aufwendig in der Verwaltung sind. Die Rückflüsse aus der Zinszusatzreserve belegen dies im Nachhinein: Sie zeigen, dass für diese Bestände in den Niedrigzinsjahren erhebliche Reserven gebildet werden mussten, die nun teilweise freiwerden. Ein weiterer Grund können laufende Investitionen in die Digitalisierung sein, die kurzfristig die Kosten erhöhen, langfristig aber Effizienz versprechen. Und schließlich gibt es kleinere Anbieter wie die Helvetia, bei denen vor allem die geringe Größe wirkt – Fixkosten lassen sich dort schwerer auf viele Verträge verteilen.

Das sind die schlechtesten Quoten 2024:

  • Signal Iduna Leben 4,8 Prozent (2023: 4,5 Prozent)
  • HDI Leben 4,3 Prozent (2023: 4,6 Prozent)
  • Helvetia schweizerische Leben 4,3 Prozent (2023: 4,7 Prozent)
  • Nürnberger Leben 3,8 Prozent (2023: 3,7 Prozent)
  • Zurich Leben 3,3 Prozent (2023: 3,0 Prozent)
  • AXA Leben 3,3 Prozent (2023: 3,9 Prozent)
  • Deutsche Ärzte Leben 3,2 Prozent (2023: 3,4 Prozent)
  • VGH Leben 3,1 Prozent (2023: 3,4 Prozent)
  • DEVK Allgemeine Leben 3,1 Prozent (2023: 3,1 Prozent)
  • Ager Leben 3,0 Prozent (2023: 2,7 Prozent)

Hintergrund: Grundlage der Zahlen ist eine Analyse von Marc Surminski in der Zeitschrift für Versicherungswesen (Ausgabe 09/2025). Die Untersuchung erfasst die Verwaltungskosten der 50 größten Lebensversicherer in Deutschland und wird ergänzt durch eine Marktanalyse sowie eine Vielzahl weiterer Kennzahlen. Die vollständige Auswertung mit Tabellen und Detailwerten ist Teil der aktuellen Ausgabe beim Allgemeinen Fachverlag in Hamburg – und online hinter Bezahlschranke abrufbar.