Die Zielgruppe entstand durch regionale Verbundenheit

Quelle: Sabine Burk / Max Gaisreiter Versicherungsmakler

Auffallend ist auch, dass in Ihrem Büro sieben Frauen tätig sind. Nur zwölf bis 16 Prozent der Maklerschaft sind laut Umfragen von Vermittlerverbänden weiblich. Warum kann die Branche aus Ihrer Sicht nicht mehr Frauen für die Vermittler-Tätigkeit gewinnen?

Sabine Burk:
 Die Frage ist schwierig zu beantworten – denn die Branche hat hier, nach meinem Empfinden, wenig Einfluss. Ja, Sie haben recht: Der Versicherungsberuf ist immer noch sehr männlich geprägt. Hier ist Eigeninitiative von uns Frauen gefragt – gerade, wenn es um die Tätigkeit als Maklerin geht, die Verantwortung für den Werdegang der Firma und auch für Mitarbeiterinnen übernimmt. Und in der „Freizeit“ kümmert sich die Frau noch daheim um 3 Kinder – aktuell ein großes Thema dank Homeschooling – und soll etwas zu Essen zaubern und die Hausarbeit bewältigen. Meine persönliche Erfahrung hat mir gezeigt: Dieses Thema kann nur auf Ebene der Gleichberechtigung innerhalb der Familien gelöst werden – wenn der Mann die Kindererziehung und „das bisschen Hausarbeit“ mitträgt.

Erleichternd wäre es, wenn zum Beispiel die gesetzlich vorgeschriebenen Weiterbildungsstunden in Zeiten des Mutterschutzes oder der Kindererziehung entsprechend berücksichtig werden – hier ist noch Luft nach oben.

Sie waren 2018 Finalistin bei den DKM Jungmaklerawards. Vernetzen Sie sich mit anderen Maklerinnen und Maklern – auch außerhalb Ihres Büros? Und haben Sie vielleicht Tipps für andere Vermittlerinnen und Vermittler, wo und wie sie sich vernetzen können?

Der Jungmakleraward und die Zeit, die wir Finalistinnen und Finalisten gemeinsam verbracht haben, lassen sich durch nichts ersetzen. Wir sind über WhatsApp vernetzt, treffen uns online auf der DKM, rufen uns an und reden auch einfach über Dinge, die uns beschäftigen oder tauschen Erfahrungen aus. Viele sind auch über Facebook vernetzt. Die digitale Vernetzung kann eine solche Verbindung unterstützen. Aber sie ersetzt meiner Meinung nach dennoch keine realen Treffen.

Das Durchschnittsalter der Vermittlerschaft liegt bei über 50 Jahren, viele Vermittler werden bald in den Ruhestand wechseln. Was kann und muss aus Ihrer Sicht die Versicherungsbranche tun, um mehr Nachwuchskräfte für den Vertrieb zu gewinnen?

Es muss hier mehr Aufklärungsarbeit erfolgen, damit der Beruf eine angemessene Wertschätzung erhält. Österreich macht es sehr gut vor. Hier gibt und gab es jahrelange Kampagnen der Regierung zum Thema Makler – viele unserer Kunden, die früher in Österreich lebten, kommen mit der Aussage zu uns: Ich möchte nur zu einem Makler. Es gibt viele Fachverbände, die mit der Wirtschaftskammer zusammenarbeiten. So wurde dort das Image und die Wertigkeit unseres Berufes richtig gestellt.


In diesem Jahr ist Bundestagswahl. Stellen Sie sich vor, Sie könnten eine Reform des Versicherungsvertriebs mit anschieben. Gleich welches Ressort: Was würden Sie zuerst in Angriff nehmen?

Hier gibt es viele Themen. Leider sieht man immer wieder, dass nicht jeder Politiker seine richtigen Berater hat (z.B. Riester, Rürup, „Nahlesrente“). Manchmal drängt sich einem das Gefühl auf, die Politiker wollen sich hier einen „Namen“ machen – und wir als Vermittler sollen mit unausgereiften Produkten arbeiten. Leider sind die Produkte oft nicht zu Ende gedacht. Nehmen wir hier nur das Thema mittelbare und unmittelbare Zulagenberechtigung bei Landwirten. In der Praxis gibt es leider oft Rückforderungen der Zulagen. Denn der Zulagenstelle fällt nach Jahren auf, dass ein Einkommen da ist, weil zum Beispiel die Ehefrau landwirtschaftliche Fläche in die Ehe eingebracht hat. Weder die Mitarbeiter der Gesellschaften noch die Mitarbeiter der Zulagenstellen können später Nachfragen zu diesen Thematiken beantworten. Es gibt ellenlange Schriftwechsel, Rückforderungen, Anerkenntnisse – und die Kunden verzweifeln verständlicherweise. Das könnte ein sinnvoll angebundener Interessenverband ändern.

Die Fragen stellte Mirko Wenig