HanseMerkur-Vorstand: "Wann, wenn nicht jetzt soll ein Makler zeigen, dass er für seine Kunden da ist?"

Quelle: Michaela Kuhn / HanseMerkur

Versicherungsbote: Auch das Gros der Versicherungsmakler ist ins Homeoffice gezwungen. Welche Kanäle können sie aktuell nutzen, um mit der HanseMerkur Kontakt zu halten?

Eric Bussert: Die Maklerbetreuer der HanseMerkur sind es schon längere Zeit gewohnt, über digitale Instrumente mit den Maklern in Kontakt zu sein. In dieser Situation kommen die Tools nun auch bei den Maklern zum Einsatz, die bisher nur das persönliche Gespräch gewünscht haben. Die Stärke unserer Maklerorganisationen ist, kontinuierlich mit den Maklern in Verbindung zu sein. Unsere Power in Bezug auf unsere digitalen Werkzeuge ermöglicht uns, weiterhin mit voller Kraft an der Seite der Makler zu stehen.

Was sind besonders drängende Fragen, die Makler nun in Zeiten der Coronakrise an Sie herantragen? Und was antworten Sie auf die Fragen?

Es geht zum einen darum, wie denjenigen Kunden geholfen werden kann, die aufgrund von Corona in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind. Hierzu haben wir unseren Maklern einen umfangreichen Maßnahmenkatalog zur Verfügung gestellt. Unsere Maklerbetreuer sind hierauf speziell geschult worden und stehen den Maklern Hand in Hand zur Seite. Zum anderen sind zum Teil auch Makler selber in der Krise Betroffene. Auch hier stehen wir mit Rat und Tat jederzeit zur Verfügung.

…fürchten Sie, dass nun vermehrt Altersvorsorge-Verträge gekündigt werden, weil Versicherte schnell Geld brauchen und die Finanzmärkte volatil sind? Haben Sie Tipps für Versicherungsmakler, wenn sie als Sachverwalter des Kunden mit solch einem Anliegen konfrontiert werden?

Wie bereits oben beschrieben, sehen wir in der Sparte Leben eine große Herausforderung auf uns zukommen. Dennoch sollte ohne echte Notlage kein Kunde für seinen Vertrag eine Beitragspause oder Stundung anstreben. Aufgrund des Cost-Average-Effekts sind schlechte Zeiten auch gute Zeiten beim Einkauf von Fondsanteilen. Daher ist es gerade bei fondsgebundenen Produkten auch wichtig, in diesen Zeiten von den günstigen Einkaufspreisen zu profitieren.

Der Makler als Sachverwalter des Kunden muss immer einen Blick in alle Richtungen haben. Seine vorausschauende Beratung kann für seine Kunden ein echter Mehrwert sein.

Wie können Versicherungsmakler nun in das Vertrauen für private Altersvorsorge-Lösungen werben, während die Börsen auf Talfahrt sind?

Wenn wir in die Vergangenheit schauen, hat es immer Krisen gegeben. Im Ergebnis sind die Entwicklungen an den Aktienmärkten auf lange Sicht immer eine der besten Anlagemöglichkeiten gewesen. Wichtig ist, dass der Makler für seine Kunden Produkte auswählt, die langfristig einen klaren positiven Trend aufzeigen. Mit der HanseMerkur Trust (HMT) ist die HanseMerkur nachweislich in diesem Segment sehr gut aufgestellt. Unsere Kunden können über diverse Fonds im Rahmen unserer Fondsauswahl hieran teilhaben.

Empfehlen Sie aktuell Versicherungsmaklern und Vertretern, aktiv ihre Kunden in Zeiten der Krise anzusprechen? Und wie kann das geschehen, ohne dass dies als pietätlos und unangemessen empfunden wird?

Wann, wenn nicht jetzt soll ein Makler zeigen, dass er für seine Kunden da ist? Gerade in diesen Zeiten ist eine gute neutrale Beratung für Makler enorm wichtig. Darüber hinaus erwarten viele Kunden, dass ihre Sachwalter in solchen Zeiten Kontakt zu ihnen aufnehmen. Und wir als HanseMerkur wollen alles dafür tun, dass der Makler uns als seinen Partner wahrnimmt und zum Kunden „mitnimmt“.

Allianz-Chef Oliver Bäte hat in einem „Spiegel“-Interview einen europäischen Notfallfonds angeregt, in den sowohl öffentliche Hand als auch private Versicherer einzahlen. Er soll helfen, besonders teure Schäden im Sinne der Kunden aufzufangen: etwa infolge von Pandemien und schweren Naturkatastrophen. Wie positionieren Sie sich zu der Idee?

Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Meine Lebenserfahrung sagt mir, dass staatlich organisierte Notfalltöpfe zeitlich immer weit vor dem jeweiligen Krisenereignis geplündert wurden.

Wie stark wird das Coronavirus die private Versicherungsbranche ändern? Wagen Sie einen Ausblick?

Ich denke, dass wir gar keinen so großen Veränderungsprozess sehen werden. Tatsache ist doch, dass in Zeiten der Pandemie alle Versicherungsunternehmen ohne größere Probleme weiterarbeiten. Die Branche ist also in Sachen Digitalisierung nicht so schlecht, wie sie immer dargestellt wird. Nach der Krise wird jeder Marktteilnehmer ein Resümee ziehen und seine Optimierungsbereiche in den Fokus nehmen. Wir haben es derzeit mit einem 100-jährigen Ereignis zu tun, das für alle Unternehmen der Assekuranz Spuren in der Kapitalanlage hinterlassen und die Phase des Niedrigzinsumfeldes noch weiter verlängern wird. An der Schnittstelle zum Vertriebspartner und Kunden wird die Digitalisierung weiter deutlich beschleunigt.

Die Fragen stellte Mirko Wenig