Allianz will easy wachsen

Quelle: allianz.com

Die Allianz hat am Freitag ihre Wachstumsstrategie für die kommenden drei Jahre vorgestellt. Schon aus dem Namen des Programms geht hervor, wie Konzernchef Oliver Bäte künftig mit seinem Konzern wachsen will: „Simplicity wins - Renewal Agenda 2.0“. Alles soll einfach, digital und skalierbar werden, heißt es in der Präsentation für Investoren. Die Mitarbeiter und Vertreter sollen sich künftig weiterhin einem internen Bewertungssystem stellen.

Die Allianz hatte am Freitag zum Capital Markets Day 2018 geladen. Und diesmal war der Investorentag ein besonderes Datum. Wie vielfach angekündigt, stellte Firmenchef Oliver Bäte die Wachstumsstrategie des Versicherers für die kommenden drei Jahre vor: entsprechend groß war das Interesse. Schon im Vorfeld hatten viele Medien erste Infos durchgesteckt oder spekuliert, wo es künftig hingehen soll mit Europas größtem Versicherer.

Was Konzernchef Oliver Bäte dann präsentierte, war nicht das ganz große Knallbonbon. „Einfachheit gewinnt!“, so lautete der Titel seiner Präsentation. Und genau dies ist auch der Tenor seines Umbauprogramms. Alles soll einfacher und skalierbar werden. Das gilt nicht nur für die Versicherungsprodukte, die für die digitale Welt zurechtgetrimmt werden sollen. Auch müssen sich die Mitarbeiter künftig weiterhin messen lassen - anhand von Scores und Indizes, mit denen neben der Leistung auch Integrität und Kundenzufriedenheit gemessen werden.

Weiter fünf Prozent Wachstum angestrebt

Doch zunächst die nackten Zahlen. Wenig überraschend will die Allianz auch in den kommenden Jahren wachsen. Wobei Konzernchef Bäte keineswegs allzu hohe Erwartungen schürt. Auch in den Jahren 2019 bis 2021 soll der Nettogewinn je Aktie (EPS) um mindestens fünf Prozent pro Jahr zulegen. Ein ähnliches Wachstum konnte der Versicherer bereits seit 2016 vermelden. Oliver Bäte weiß, dass diese Ziele eher bodenständig wirken. “Wenn Sie in die Allianz investieren, schlafen Sie gut“, sagte er den Investoren.

Bei der Eigenkapitalrendite (RoE) ist ein Plus von 13 Prozent angestrebt: auch dies entspricht den bisherigen Werten. Vereinfacht bedeutet dies, dass der Konzern auf ein eingesetztes Eigenkapital von 1 Million Euro einen Gewinn von 130.000 Euro erzielt. Herausgerechnet sind hierbei nicht realisierte Gewinne, Verluste aus festverzinslichen Wertpapieren sowie aktivierte Abschlusskosten.

Gründung eines Direktversicherers geplant

Interessanter als diese Wachstumsziele sind jedoch die internen Maßnahmen, mit denen Bäte den Konzernumbau vorantreiben will. So stehen weiterhin alle Zeichen auf Digitalisierung. Ein wichtiges Projekt hierbei: Die Allianz will einen europäischen Onlineversicherer gründen. Starten soll der Direktanbieter zunächst mit Kfz-Versicherungen in vier Ländern: Deutschland, Spanien, den Niederlanden und Italien. Dann sollen weitere Staaten und Sparten folgen.

Mag die Gründung eines Direktversicherers zunächst wenig spektakulär erscheinen, so ist zu vermuten, dass er der Allianz auch als Versuchslabor für neue Policen dienen soll. Denn Bäte hatte diese Woche bereits gegenüber dem Handelsblatt angekündigt, dass er die Versicherungen radikal vereinfachen und auf wenige Tarife zusammenstampfen will. Auch soll die IT weltweit vereinheitlicht werden, so dass alle Konzerntöchter im In- und Ausland dieselbe Technik nutzen. Noch gibt es eine Vielzahl an Systemen, deren Wartung Aufwand, Zeit und Geld kostet.

Vorbild für den Produkt-Umbau sind Anbieter wie Amazon und Netflix. Während Amazon eine überschaubare Anzahl neuer Produkte bereithält: ganze vier aktuelle iPhone-Modelle verkauft man derzeit, bietet Netflix drei Bezahlmodelle für seine Serien und Sendungen. Hieran will sich Bäte für die Versicherungen ein Vorbild nehmen: die Produktwelt soll aus wenigen einfachen Tarifen bestehen (der Versicherungsbote berichtete).

Dass diese Schritte bei den Agenturen und Versicherungsmaklern mit Skepsis gesehen werden, ist Bäte bewusst. Sie fürchten, Bäte wolle sie langfristig ersetzbar machen und den Vertrieb fast komplett auf digital umstellen. Oder zugespitzt: Statt der Allianz-Agentur vor Ort vertreibt dann Amazons Alexa die Policen. „Es wird keine Kannibalisisierungseffkte geben!“, sagte folglich der 53jährige Manager mit Blick auf den neuen Direktversicherer, um die Sorgen der angebundenen Vermittler abzufedern.

Mitarbeiter und Agenturen sollen sich weiter messen lassen

Unter Oliver Bäte hat die Allianz auch ein Bewertungssystem etabliert, das dazu dient, Mitarbeiter und Agenturen zu bewerten bzw. bewerten zu lassen. Ziel ist die größtmögliche Kundenzufriedenheit und auch -treue als Maßstab der eigenen Arbeit. Wenig überraschend hält der Konzernchef an diesen Instrumenten fest.

Eine Kennzahl ist hierbei der sogenannte Net Promoter Score (NPS), entwickelt unter anderem vom US-amerikanischen Wirtschaftsstrategen Fred Reichelt. Und dieser setzt die Idee des „Simplicity wins!“ schon beinahe vorbildhaft um. Eine einzige Frage wird an den Kunden gerichtet, um seine Zufriedenheit zu ermitteln: „Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie die Agentur bzw. die Allianz einem Freund oder Kollegen weiterempfehlen werden?“ Im Schnitt aller Agenturen hat die Allianz hier einen Wert von 72 Prozent erreicht, was ein positives Ergebnis ist. Dieser soll nun auf 75 Prozent gesteigert werden.

Auch am Inclusive Meritocracy Index (IMIX) will Bäte weiterhin festhalten. Dieser Index misst Leistung, Qualität der Mitarbeiterführung und Integrität. Von 2015 bis 2018 konnte dieser Wert gesteigert werden: von 68 Prozent auf 72 Prozent. Nun wird ein Wert über 73 Prozent angestrebt.