Versicherungen tun sich schwer mit dem Schritt zur Digitalisierung

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Versicherung: Die Digitalisierung gewinnt zunehmend an Bedeutung bei den Versicherern und erfordert demnach auch Innovationen. Dennoch tun sich die Versicherer schwer, entsprechende Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln und auch zügig auf den Markt zu bringen. Das zeigt eine internationale KPMG-Umfrage unter 280 Versicherern in 20 Ländern, davon zwei Drittel mit Umsatzerlösen von umgerechnet mindestens 500 Millionen US-Dollar.

Wenn es um das Thema Digitalisierung geht, sind eigentlich alle großen europäischen Versicherer dabei, ob Allianz oder Generali. Die meisten Anbieter sehen die Digitalisierung als die Zukunft. So ist auch 83 Prozent der Befragten zwar prinzipiell klar, dass der Erfolg ihres Unternehmens von innovativen Angeboten abhängt. Doch fast ebenso viele sagen, dass sie bereits Mühe haben, mit den Anforderungen des Tagesgeschäfts Schritt zu halten (79 Prozent).

„Die Branche muss umsteuern“

Obwohl Versicherer wissen, wie wichtig das Thema Innovation sein wird, hat die Umfrage gezeigt, dass sie eher vorsichtige Schritte wählen. 57 Prozent, also mehr als die Hälfte der Unternehmen, wollen ihre bestehende Produkt- und Dienstleistungspalette ausweiten oder neue Angebote daraufsetzen. Bloß sechs Prozent der Befragten sagten, dass sich ihre Wachstumsstrategie in den kommenden zwei Jahren darauf konzentriere, „völlig neuartig“ Produkte und Dienstleistungen anzubieten.

Dr. Frank Ellenbürger, Bereichsvorstand Insurance bei KPMG: „Kunden, Aktionäre und Mitarbeiter erwarten von den Versicherungsunternehmen innovative Ansätze bei ihren Produkten und Dienstleistungen. Die Branche muss umsteuern: weg von einer traditionell risikoaversen Unternehmenskultur hin zu einer Innovationskultur, die Experimente nicht nur gestattet, sondern fördert.“

Zumindest hat jedes zweite Unternehmen nach eignen Angaben in den vergangen fünf Jahren ein Programm angestoßen, das den Kulturwandel in Richtung Innovation vorantreiben soll (51 Prozent). Entwicklungen innovativer Ideen mit Partnerschaften mit Universitäten und Forschungseinrichtungen setzen schon 43 Prozent der Unternehmen.

Analyse von Kundendaten eine der größten Chance zu Verbesserung

Dr. Jörg Günther, Partner bei KPMG: „Beim Einsatz fortgeschrittener Datenanalysen und der strategischen Verankerung konkreter Big Data-Maßnahmen besitzt die Versicherungsbranche bereits eine Vorreiterrolle. Vor allem öffentlich verfügbare Markt-Daten werden bereits stark analysiert, Kundendaten dagegen weniger.“ Fast jeder zweite (48 Prozent) Versicherer sagt, die Analyse von Kundendaten eröffne ihnen innerhalb der nächsten zwei Jahre eine der größten Chancen, um Vertrags- und Preisgestaltung sowie Marketing zu verbessern.

Quelle: Daten von KPMG-Umfrage

Dass man sich mit Innovationen schwer tut, liegt vor allem daran, dass die Versicherer offenbar strukturelle Schwierigkeiten haben. Laut der Umfrage verfügt knapp die Hälfte der Unternehmen über eine konzernweite Innovationsstrategie (47 Prozent). Allerdings verfügen 39 Prozent der Versicherer über ein spezielles Budget für Innovationen und bei knapp jedem vierten Unternehmen ist das Thema Innovation auf der obersten Führungsebene verankert. Es werden eher erfolgversprechende Innovationen für das Unternehmen erwartet, wenn sie eine strategische Partnerschaft eingehen, als durch Anstrengungen des eigenen Hauses.



Quelle: KPMG