ein Gastkommentar von Frank Dietrich

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Update 16:50: In dem Text wird behauptet, dass Dorothea Mohn, Teamleiterin Finanzen beim vzbv, studierte Ernährungsberaterin sei. Tatsächlich hat Frau Mohn Haushaltswissenschaften an der Universität Bonn studiert. Hierbei handelt es sich um ein Studium, in dessen Fokus Wirtschafts- und Finanzthemen mit Blick auf Privathaushalte sowie Verbraucherpolitik und Wirtschaftssoziologie stehen: also durchaus ein qualifizierter Abschluss zu Verbraucherthemen. Dies ändert nichts an dem im Kommentar angesprochenen Problem, dass die Qualifikation der Mitarbeiter bei den Verbraucherzentralen und anderen Verbraucherschutz-Organisationen ungenügend kommuniziert wird und keine Sachkunde zu Versicherungen nachgewiesen werden muss.

Der Beruf des Versicherungsvermittlers hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten radikal gewandelt. Die Versicherungsbranche war traditionell eine Branche vieler Quereinsteiger. Das hat dazu beigetragen, dass auch schwarze Schafe in der Branche tätig sein konnten, die eher schlecht als recht berieten. Zwar können Quereinsteiger durchaus gut und umfassend beraten, wenn sie sich ausreichend qualifizieren und weiterbilden. Doch fest steht, dass frühere Vertriebs- und Provisionsexzesse teils durch die fehlende Sachkunde vieler Vermittler begünstigt waren. Denn sie wussten nicht, was sie tun.

Frank Dietrich ist Versicherungsmakler aus Potsdam. Als Fachmakler hat er sich auf biometrische Risiken und Krankenversicherung spezialisiert. Foto: privatDer Gesetzgeber hat reagiert. Seit spätestens 2007 brauchen Versicherungsvermittler eine Zulassung, die ihre Fachqualifikation bestätigt. Sie müssen nun ihre Sachkunde nachweisen und seit dem IDD-Umsetzungsgesetz, dass sie sich weiterbilden. Diese Maßnahmen waren wichtig und richtig. Der Versicherungsvermittler ist heute ein hoch spezialisierter Beruf, der ein hohes Maß an Fachwissen erfordert. Denn auch die Ansprüche sind deutlich gestiegen: die Bedarfsermittlung beim Kunden wurde anspruchsvoller, die Tarife und Beratungen wurden deutlich komplexer.

Mangelnde Qualifikationsanforderungen für Verbraucherschützer - und Beratungsmängel

Doch eines überrascht mich noch immer. Während an die Beschäftigten und Freiberufler, die Versicherungen vermitteln, hohe Qualitätsansprüche gestellt werden, gelten diese für Verbraucherschützer nicht im gleichen Maße. Beispiel Verbraucherzentralen: Welche Qualifikation dortige Mitarbeiter vorweisen müssen, um öffentlich Ratschläge in Sachen Versicherungen und Finanzen geben zu dürfen, ist höchst undurchsichtig. Im Zweifel gar keine. Sie müssen nicht nachweisen, so scheint es mir, dass sie wirklich etwas von ihrem Fach verstehen.

Dieser Eindruck wurde bestätigt durch fatale Mängel in der Beratungskompetenz der Verbraucherzentralen, die ich im Selbstversuch erleben durfte. Bei einem Beratungsgespräch mit einer Verbraucherschützerin war nicht einmal die seit fast 10 Jahren angebotene Arbeitsunfähigkeitsklausel bekannt, die für jeden Vermittler zu den Basics gehören sollte. Sie bewirkt, dass man Leistungen aus seiner Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen kann, obwohl man nicht berufsunfähig, sondern „nur“ arbeitsunfähig ist. Wichtig ist das zum Beispiel, wenn man zwar bereits seinen Beruf aufgeben musste, aber der Versicherer die Berufsunfähigkeit noch nicht anerkannt hat: Dann sichert die Klausel Ansprüche in der Übergangszeit.

Statt kompetenten Rat zu geben, suchte die Beraterin Hilfestellung im aktuellen Rating und den dort geäußerten Empfehlung der Zeitschrift "Finanztest". Ihren Rat zu befolgen, wäre fatal gewesen: Der Versicherte hätte in der Übergangsfrist bis zur Anerkenntnis der BU Ansprüche verlieren können. Sie empfahl mit "Finanztest", auf die Stundung von Beiträgen bei Ausscheiden aus dem Berufsleben zu achten (Elternzeit, Arbeitslosigkeit). Das aber stand der Tatsache gegenüber, dass der dort empfohlene Versicherer in einer solchen Situation das konkrete Berufsbild nicht mehr versichert, sofern der Versicherte den Wiedereintritt in die Arbeitswelt nicht genau vorhersehen kann.

Listen und Rankings statt individueller Beratung

Den Ansprüchen einer individuellen und bedarfsgerechten Beratung wurde dieses Gespräch aus meiner Sicht nicht gerecht: Die Frau hatte sich nicht einmal konkret erkundigt, ob ich selbstständig sei. Bedenkt man, dass ich nun auch schon Mitte 50 bin und meinen Arbeitsplatz verlieren könnte, ist das in meinen Augen eine eklatante Fehlleistung. Jeder Vermittler hätte für einen solchen falschen Rat haften und den Verbraucher entschädigen müssen, wenn er zu Nachteilen führt.

In einem anderen Beispiel, einem Angebot der Verbraucherzentrale für eine computergestützte Analyse des Versicherungsbedarfs, übermittelte man mir lediglich ein Rating der Agentur Morgen & Morgen mit einem Produktvergleich. Dieser hätte dem Rat suchenden Verbraucher kaum geholfen, denn ein Großteil der Tarife bekam sehr gute oder gute Noten. Eine Anfrage, worin sich die Tarife unterscheiden, antwortete eine Mitarbeiterin: "Die sind doch alle gleich!"

Petition im Bundestag scheiterte - doch viele Fragen bleiben unbeantwortet!

Aufgrund dieser Erfahrungen habe ich im Jahr 2017 eine Petition ins Leben gerufen, die schließlich auch im Fachausschuss des Bundestages diskutiert wurde. Um es vorwegzunehmen: Sie hatte keinen Erfolg, bisher zumindest nicht. Zu Beginn dieses Jahres erhielt ich die abschließende Stellungnahme des Bundestags zu meinem Vorstoß. Der zuständige Fachausschuss hat darin argumentiert, dass die Mitarbeiter der Verbraucherzentralen sich regelmäßig weiterbilden müssten, folglich ausreichend qualifiziert seien. Dies hatte zuvor schon Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), öffentlich vertreten.

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Ich aber habe daran weiterhin meine Zweifel. Denn einen Beleg für die Behauptung, die Mitarbeiter seien ausreichend qualifiziert, sind Bundestag und Verbraucherzentralen schuldig geblieben. Ich bin mir sicher sie würden Beweise liefern, gäbe es sie. Auch wer nach entsprechenden Informationen im Netz sucht, etwa welche Ausbildung und welches Studium die Mitglieder absolviert haben, wird nicht fündig. Während jeder Versicherungsvermittler auf seiner Webseite deutlich kommunizieren muss, ob er als Vertreter oder Makler tätig ist, besteht eine solche Pflicht für Verbraucherschützer nicht.