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FinTechs wehren sich gegen Karl-Matthäus Schmidt & Quirin Bank

Die „Digitale Drückerkolonnen“ wehren sich gegen Karl-Matthäus Schmidt und Quirin Bank.Ben_Kerckx/Pixabay

Fintechs - Karl Matthäus Schmidt, Gründer und Vorstand der Quirin Bank, nannte die neuen Marktteilnehmer im Finanzbereich, die FinTech-Unternehmen, kürzlich „digitale Drückerkolonnen“. Diese Startups würden vielfach scheitern und sie seien der Regulierung durch die Aufsichtsbehörden nicht gewachsen. Zwei Akteure auf dem FinTech-Markt halten dagegen. Experte Dominik Groenen rechnet drei Startups vor, die insgesamt das Grundkapital der Quirin Bank darstellen. Eine Geldmacht. Versicherungsprofi und Startup-Chef Oliver Mack vermutet hinter Schmidts Attacke nur eines: PR. Oder ein Kampf gegen Windmühlen.

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Die Quirin Bank, die sich wegen ihrs Verzichts auf Provisionen aller Art in ihrer Selbstdarstellung als „Honorarberaterbank“ präsentiert, hat ein Grundkapital vom 43 Millionen Euro. Zu dieser Zahl präsentiert Dominik Groenen, Gründer des Versicherungs-Startups Massup, dicke monetäre Gegengewichte. Die Versicherungs-Startups Knip und Lemonade (USA) wurden jüngst mit 15 Millionen beziehungsweise umgerechnet knapp 13 Millionen Euro Kapital ausgestattet. Lemonade-Investor ist der ehemalige Finanzierer von Whatsapp: Sequioa. Das Venture-Capital-Unternehmen will mit Lemonade in etwa das Geschäftsmodell von Friendsurance, also der Verbindung von Versicherung und Facebook, aufgreifen. So genannte Peer-to-Peer-Modelle, bei denen Kunden aus sozialen Netzwerken kommen oder umgekehrt solche bilden.

„Ob das sinnvolle PR ist?“

Das Geld für die FinTechs kommt von Investoren, die durchaus wissen, wem sie die Millionen in den Hals schieben – oder investieren. Raubrittern? Drückerkolonnen wie Karl Matthäus Schmidt es sagte? Oder die Investoren finanzieren funktionierende Geschäftsmodelle im Bank- und Versicherungsbereich. Oliver Mack, Geschäftsführer der Asuro GmbH, die eine App für Versicherungsmakler und deren Kunden anbietet, kommentiert die „Drückerkolonnen“-These Schmidts, die immerhin in einer offizielle Pressemitteilung seiner Quirin Bank erfolgte, so:

„Man könnte schon mal drüber nachdenken, ob das sinnvolle PR ist, einen Teil einer Branche – in dem Fall die Fintechs der Bank- und Versicherungsbranche unter solch einen Generalverdacht zu stellen.“ Im Gespräch mit dem Versicherungsboten addiert FinTech-Experte Dominik Groenen das Frischgeld eines sehr erfolgreichen Bank-Startups zu den in Umlauf befindlichen Investitionen. Das Bank-Dienstleistungsunternehmen Number26 bekam kürzlich weiter gut 10 Millionen Euro Kapital.

„Wie bekomme ich am einfachsten PR...?“

Summiert repräsentieren allein Knip, Lemonade und Number26 inzwischen 38 Millionen Euro Risikokapital, das die Anleger halbwegs sicherer Voraussicht nach nicht in den Wind geschossen, sondern durchaus bald rentabel vorgeschossen haben dürften – ganz sicher kann man nicht sein, klar. Dagegen hat Karl Matthäus Schmidts Quirin Bank „nur“ 43 Millionen, was klarmacht: Die Startups, die wie im Falle des Bankingservices Number26 schon fast keine mehr sind, spielen in der gleichen wirtschaftlichen Liga wie eine Quirin Bank, die für FinTech-Verhältnisse schon fast ein Methusalem ist. Gegründet 1998.

Oliver Mack interpretiert Karl Matthäus Schmidt Motive mit diesen Worten: „Wie bekomme ich am einfachsten PR, wenn es gerade ein bisschen ruhiger um mich und meinen Laden ist? Ganz einfach: Ich suche mir einen hippen Gegner und hau einen Spruch raus, der den Gegner in nicht allzu gutem Licht erscheinen lässt – argumentative Unschärfen werden dabei gerne in Kauf genommen“, meint Mack, neben seinem Job bei Asuro COO des Großmaklers Hoesch & Partner, Frankfurt.

Die Gewerbeordnung ist für FinTechs keine Hürde

Bei Banking-Services kritisierte Schmidt, dass einzelne FinTechs so aufträten, als erbrächten sie eine Bankdienstleistung: „Hier wird versucht, Geld zu verdienen, indem man dem Kunden ein hübsches Gesicht hinhält, ihn einwickelt und dann an einen klassischen Produktanbieter weiterleitet!“ Tatsächlich dürften nur Banken eben diese Leistungen anbieten. Außerdem würden viele Bank-Startups an den Aufsichtsvorschriften scheitern. So lassen sich Karl Matthäus Schmidts Thesen zusammenfassen.

Zur gesetzlichen Regulierung für den Bankbereich äußern die Experten, die der Versicherungsbote befragte, nicht, wohl aber für die Assekuranz. „Die Mehrzahl der Start-ups erfüllt die rechtlichen Anforderungen im Bereich Versicherungen. Der § 34d der Gewerbeordnung für die Zulassung als Versicherungsmakler sei sicherlich keine Hürde, sondern durchaus zu bewältigen, um digitale Geschäftsmodelle um die alte Versicherungswelt herum anzubieten“, sagt Dominik Groenen von Massup.

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Alles andere ist Show

Oliver Mack sagt zur Regulierung und der neuen FinTech-Welt: „Für die Versicherungsbranche sind die Anforderungen in den letzten Jahren drastisch gestiegen. Aber für jeden, der das Geschäft mit Ernsthaftigkeit betreiben will, sollten die Anforderungen machbar sein.“ Groenen antwortet Karl Matthäus Schmidt mit einem Appell: „Holen Sie sich Leute, die echte Gründer sind und dies auch verkörpern. Alles andere ist doch eine Show.“ Gut, diese Aussage Groenens kann man nicht direkt als argumentative Replik auf Schmidts Kritik an FinTechs hernehmen. Aber die Pressemitteilung der Quirin Bank auch nicht als ernsthaft. Achtung: Der letzte Satz war ein Kommentar.

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