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Abrechnungsbetrug - Studie bestätigt „Milliardenbetrug“ der Krankenkassen

Das Iges-Institut regt an, die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) mögen nun strenger prüfen, inwiefern die Software ärztliche Diagnosen beeinflusse.vbote

Jährlich knapp 300 Millionen Euro haben die gesetzlichen Krankenkassen laut einer Studie an Ärzte gezahlt, die ihre Patienten kränker machten als sie es tatsächlich sind, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ und titelt mit dem Wort „Milliardenbetrug“. Das kommt hin, wenn man das „Kodiergeld“ für die Ärzte über drei Jahre betrachtet.

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Im vergangenen Jahr hatte der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, die gesetzlichen Kassen bezichtigt, sie motivierten Ärzt, Diagnosen ihrer Patienten zu manipulieren (der Versicherungsbote berichtete). Dadurch würden die Patienten sozusagen kränker gemacht (für die Statistik kodiert) als tatsächlich vorliegend. Hierdurch bekommen die Kassen über den Risikostrukturausgleich des Systems („morbiRSA“) einen größeren Teil vom Kuchen des Gesundheitsfonds, der die Beiträge der Versicherten verwaltet.

290 Millionen pro Jahr für die Ärzte

Vielfach würden diese Kränker-Kodierungen über Verträge zwischen Kassen und Ärzte-Vereinigungen organisiert, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (FAS), deren Interview mit TK-Chef Baas im Oktober 2016 letztlich eine aktuelle Studie, aber auch Klagen, ins Rollen brachte. So hatte der private Versicherer Alte Leipziger/Hallesche in seiner Eigenschaft als Arbeitgeber eine Klage gegen das so genannte Upcoding von „normal“ Erkrankten zu Schwerkranken angekündigt.

Auch hatte die Berliner Zeitung „B.Z.“ von der Barmer GEK-Kasse berichtet, diese habe in den Jahren 2014 und 2015 insgesamt 750.000 Euro an die Kassenärztliche Vereinigung Berlin überwiesen, für „technische Dienstleistungen“, der Versicherungsbote berichtete. An diesem Sonntag berichtet die FAS nun von der neuen Studie des angesehenen Iges-Instituts, Berlin, die Aussagen von TK-Chef Jens Baas mit Zahlen und Aussagen zur Sache unterlegt. Die Kassen haben demnach pro Jahr 290 Millionen „finanzielle Anreize“ an die Ärzte gegeben, vulgo bezahlt. Dafür, dass die Mediziner Patienten für die Statistik kränker machen, als sie es tatsächlich sind.

Alternative Geldquelle Chronikerprogramme

Inzwischen sei es den Kassen verboten, „Ärzte für Diagnosen zusätzlich zu bezahlen“, schreibt die FAS. Dennoch gebe es ähnliche Zusatz-Einnahmequellen für Ärzte, etwa wenn sie so genannte Chroniker-Pauschalen dafür bekommen, dass sie Kranke in entsprechende Programme der Kassen anmelden. Es bestehe weiter der „Anreiz, dass die Ärzte mehr Versicherte als nötig in die Chronikerprogramme einschreiben“, zitiert die FAS aus der Iges-Studie.

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Aber auch zum Upcoding, um den Kassen ein größeres Stück vom morbiRSA-Kuchen zu sichern, brauche es wohl keiner weiterer direkten Einflussnahme der Kassen bei den Ärzten. Denn deren Praxis-Software gebe Medizinern inzwischen „Hinweise“ für das „richtige“ Kodieren. Wie diese Programme arbeiten, das sei Geschäftsgeheimnis der Anbieter solcher Software. Das Iges-Institut regt laut FAS in seiner Studie nun an, die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) mögen nun strenger prüfen, inwiefern die Software ärztliche Diagnosen beeinflusse. Als ob ausgerechnet die KV als Interessenwalter der Ärzte motiviert wäre, deren Einnahmen zu kürzen.

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