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Kommentar

Was bringt uns die Digitalisierung als Makler wirklich?

Frank Weber ist Versicherungsmakler und Softwareentwickler (Inhaber von FINASS.net).Frank Weber

Die Finanz- und Versicherungsbranche hat die „Digitalisierung“ in letzter Zeit zum Lieblingsthema gemacht. Während aber die Einen erwarten, dass sie die Makler arbeitslos macht, nehmen Andere diese Entwicklung als erfreuliche Entwicklung wahr, die mehr Zeit für die Kundengespräche bringt. Genau betrachtet ist die Digitalisierung für die meisten in der Branche ein alter Hut. Denn wer hat in den vergangenen Jahren wirklich noch ohne Maklerverwaltungsprogramm (MVP) und mit Papierakten gearbeitet? Die Neuerungen betreffen doch „nur“ den nun endlich zunehmenden Anteil des ebenso digitalisierten Daten- und Dokumentenaustauschs mit den Versicherungsgesellschaften.

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Wenn man mal schaut, wer zu diesem Thema „Angst macht“, indem die künftige Arbeitslosigkeit von unabhängigen Vermittlern prognostiziert wird oder die Erwartung, dass unabhängige „Einzelkämpfer“ künftig nicht mehr überlebensfähig sein werden, sind es doch meist Vertreter von großen Organisationen wie Pools, die so die Makler in deren Abhängigkeit locken wollen. Natürlich ist es sehr komfortabel, wenn mir ein Pool den kompletten Arbeitsbereich „BackOffice“ abnimmt, mir Daten aktualisiert und Dokumente hinterlegt. Aber begebe ich mich dafür in eine Abhängigkeit, die meine unternehmerischen Entscheidungen sehr stark einschränkt? Als unabhängiger Makler will ich doch selbst bestimmen, mit welchen Gesellschaften ich zusammen arbeite und entscheide mich für ein bestimmtes Beratungstool oder eine bestimmte Vergleichssoftware, die meinen Vorstellungen am besten entspricht.

Unabhängige MVP-Anbieter im Markt finden

Die gute Nachricht ist, dass eben auch der kleine Maklerbetrieb unabhängige MVP-Anbieter am Markt findet, die Prozesse mit und ohne Pool-Anbindung optimieren helfen und das zu durchaus erschwinglichen Preisen. Natürlich kann selbst der Einzelkämpfer seine Prozesse stärker digitalisieren ohne sich einer größeren Organisation unterordnen zu müssen.

Individueller Kontakt mit dem Kunden geht über jede App

Auch die Angst vor den FinTechs ist aus unserer Sicht völlig unbegründet, denn der Vertrieb von Versicherungsprodukten über technische Plattformen ist doch auch nichts Neues. Schon lange gibt es die täglich im Fernsehen beworbenen Vergleichsplattformen, die sicher auch ihre Kunden finden und dennoch ist deren Marktanteil winzig im Vergleich zu dem von Vertretern und unabhängigen Vermittlern. Nur weil ein Anbieter nun eine Applikation anbietet, verzichten wohl die wenigsten Kunden auf eine persönliche, individuelle Beratung.

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Internetkunden, die ihre Versicherung trotz Informationsdefiziten selbst „checken“ sind und waren noch nie die typischen Makler-Kunden. Makler-Kunden legen Wert auf eine bedarfsgerechte Beratung und freuen sich dann möglicherweise auch darüber auf ihre Daten und Dokumente per App zugreifen zu können, quasi der digitale Kundenordner als Service ihres Sachwalters. Wir sollten also nicht glauben, dass die Digitalisierung dazu führt, dass wir alle unsere Kunden nach und nach an die neuen Technikanbieter verlieren, denn die Kunden suchen vor allem ein Vertrauensverhältnis und eine durch fundiertes Wissen basierte Beratung, wenn es um Versicherungen und Finanzen geht. Eine App oder ein Callcenter wird den Makler so schnell nicht ersetzen.

 

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