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Straßenverkehr

Allianz Unfallforschung fordert strengere Promillegrenze für Radfahrer

Die Allianz fordert strengere Promillegrenzen für Radfahrer (Symbolbild).OpenClipartVectors@Pixabay.com

Das Allianz Zentrum für Technik (AZT) fordert eine strengere Promillegrenze für Fahrradfahrer: diese soll auf 1,1 Promille gesenkt werden. Hintergrund ist die steigende Zahl an Unfällen, die auf alkoholisierte Fahrradfahrer zurückzuführen sind. Doch alkoholisierte Radfahrer sind bei weitem nicht der Hauptgrund, wenn es zu schweren Unfällen mit Radlern kommt, wie die Unfallforschung der Versicherer (UDV) herausgefunden hat.

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Wenn du zu betrunken bist, um nach Hause zu laufen – dann steige doch aufs Fahrrad? Was wie ein schlechter Scherz klingt, ist in Deutschland ganz legal möglich. Schon ab 0,8 Promille erleidet ein durchschnittlich großer und schwerer Mensch starke Beeinträchtigungen der Wahrnehmungsfähigkeit: Tunnelblick, Gleichgewichtsstörungen, Enthemmung. Die Reaktionszeit verlangsamt sich um 30-50 Prozent, so klärt uns die Initiative „Kenn dein Limit!“ auf. Doch mit dem Rad darf man sogar noch mit 1,6 Promille fahren, so fern man keine Auffälligkeiten beim Fahrverhalten zeigt. Eigentlich schaffen das nur geübte Trinker.

Anzahl der Alkoholunfälle von Radfahrern deutlich gestiegen

Diese hohe Promillegrenze ist auch für die Unfallforscher der Allianz ein Ärgernis. Mit Alkohol im Blut sollte man das Rad ebenso stehen lassen wie das Auto, argumentiert Christoph Lauterwasser, Leiter des Allianz Zentrum für Technik (AZT). „Die Unfallzahlen zeigen, dass Alkohol und Radfahren nicht zusammen-passen“, sagt der Verkehrsexperte. „Der Anteil der alkoholisierten Radfahrer an allen Alkoholunfällen ist in den letzten zehn Jahren von 22 auf 26 Prozent deutlich gestiegen.“

Die aktuellen Unfallzahlen des Statistischen Bundesamts für das Jahr 2016 würden zeigen, dass die Anzahl der getöteten Radler im Vergleich zum Vorjahr insgesamt gestiegen ist, sagt Lauterwasser. Dagegen ist die Zahl aller getöteten Verkehrsteilnehmer deutlich zurückgegangen (minus sechs Prozent). Die genauen Zahlen liegen für das Vorjahr noch nicht vor, auch das AZT nennt sie nicht. 2015 kamen laut Statistischem Bundesamt bundesweit 383 Radfahrer ums Leben.

Verunglückte Radfahrer im Straßenverkehr 2015. Quelle: Statistisches Bundesamt

Als Konsequenz fordert die Allianz Unfallforschung, dass der erlaubte Promille-Wert deutlich herabgesenkt wird. Schon ab 1,1 Promille soll Schluss sein mit Fahrradfahren. Fünf von sechs alkoholisierten Radfahrern (84 Prozent), die an Unfällen mit Personenschaden beteiligt waren, hatten einen Promillewert von 1,1 oder mehr. Gesetzlich ist aber erst ab 1,6 Promille Schluss mit Radfahren, solange keine deutlichen Anzeichen für Fahrunsicherheit nachweisbar sind.

„Mit über ein Promille nicht mehr ans Steuer, aber auf den Fahrradsattel – das vermittelt ein trügerisches Gefühl von Sicherheit“, sagt Jörg Kubitzki, Sicherheitsforscher im AZT. „Mit Alkohol im Blut ist das Fahrrad keine Alternative zum Auto. Denn wer betrunken auf dem Sattel sitzt, gefährdet nicht nur sich, sondern auch andere.“

Hauptgrund für Unfälle mit Fahrradfahrern: Unaufmerksame Autofahrer

Auch die Unfallforschung der Versicherer (UDV) hat im Januar mehr Anstrengungen für die Sicherheit von Radfahrern gefordert (der Versicherungsbote berichtete). Die Zahl der getöteten Radfahrer im Straßenverkehr sei seit acht Jahren unvermindert hoch, heißt es in einer Pressemeldung zum 55. Deutschen Verkehrsgerichtstages in Goslar. Auch die Zahl der Schwerverletzten sei seit 16 Jahren nicht mehr gesunken, kritisieren die Verkehrsexperten.

2015 erlitten demnach genau 14.224 Radfahrer einen schweren gesundheitlichen Schaden. „Jeder neunte Tote und jeder fünfte Verletzte im Straßenverkehr ist ein Radfahrer, jeder zweite davon älter als 65“, rechnet der UDV vor.

Doch laut einer UDV-Studie aus dem Jahr 2007 bis 2009 sind alkoholisierte Radfahrer bei weitem nicht Hauptursache, wenn es zu einem gefährlichen Crash zwischen Auto und Radfahrer kommt. Speziell im innerstädtischen Bereich lauern Gefahren an unübersichtlichen Kreuzungen und Einmündungen. Unfälle mit abbiegenden Autos und geradeaus fahrenden Radfahrern machten dabei einen erheblichen Anteil an Radverkehrsunfällen aus. Jede vierte im innerörtlichen Straßenverkehr verunglückte Person ist ein Radfahrer, berichtete der UDV.

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Eine Zahl bei Abbiege-Unfällen lässt aufhorchen. „Die Unfalluntersuchungen zeigten, dass Kfz-Fahrer in mehr als 90 Prozent Hauptverursacher der Unfälle waren“, heißt es. Mit anderen Worten: Radfahrer werden an Kreuzungen oft schlichtweg übersehen. Der UDV fordert, besonders LKW mit Notbrems-Assistenten auszustatten, die über eine Radfahrer- und Fußgängererkennung verfügen. Und das nicht ohne Grund. Etwa ein Drittel der getöteten Radfahrer im Jahr 2015 waren Folge von Abbiegeunfällen, schätzt der UDV auf Basis einer eigenen Auswertung.

AZT
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