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EU-Richtlinie

Fintechs bekommen Datenleitungen zu Girokonten

Banken müssen ab 2018 Schnittstellen einrichten, mit denen Dritte als Dienstleister im Geldverkehr Einblick in die Konten der Bankkunden bekommen.JuraHeep/Pixabay

Kontodaten sind Kundendaten. Die Banken dürfen diesen Datenschatz nicht für eigene Zwecke horten, sagt eine EU-Richtlinie. Weil der Verbraucher Herr über sein Konto ist, kann er Fintechs Einblick in sein Bankkonto gewähren. Die Banken müssen ab 2018 Schnittstellen einrichten, mit denen Dritte als Dienstleister im Geldverkehr Einblick in die Konten der Bankkunden bekommen.

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Was im Schlaraffenland Milch und Honig, das sind Daten für die Marketingleute. Deren Handwerker in der IT können ihren Vertriebsleuten demnächst fast direkte Datenleitungen zu den Portemonnaies der Kunden legen. Das technische Zauberwort heißt Schnittstelle, das rechtliche Zauberwort heißt „Zweite EU-Zahlungsdiensterichtlinie“ (PSD2). Ab dem kommenden Jahr muss diese Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt werden. Das Gesetz ist im Anlauf.

Fintechs fragen: „Du riesterst ja gar nicht?!“

Künftig können Finance Fox, Knip & Co. sich von ihren Kunden eine Erlaubnis holen, mit der sie in das Konto des Kunden schauen können. Der Lockstoff für den Kunden ist Convenience, pardon Bequemlichkeit. Die Fintechs bedienen dann – seien wir mal ehrlich – die finanzielle Faulheit des Kunden und machen sein Leben ein kleines Stück besser. Wenn es gut gemacht ist, dann könnte sich künftig statt der Hausbank, das Smartphone melden.

Hier einige Mustertexte, die zeigen, wie sehr Kontodaten zur neuen Quengelware der Fintechs werden. Vorschläge:

+++ Breaking News +++ Lieber User, du hast uns erlaubt, dein Konto zu analysieren. Hier der erste Tipp: bei deinem Einkommen kannst du dich privat krankenversichern und dabei viel Geld sparen. Tippe auf den Button und erfahre mehr.

Offensiv vermarktet könnte der Anbieter gleich eine kleine Liste, natürlich schön bunt, mit Angeboten privater Versicherer anfügen. Überschrift: PKV, Privatpatient, Zweibettzimmer. Je Unternehmen nur eine Zeile: Name und Preis (Beitrag inklusive monatliche Selbstbeteiligung ambulant). Platz auf dem Smartphone ist genug. Platz A. für die Mitteilung und B. für die kurze Liste der Anbieter.

Oder: +++ IDEE! +++ Lieber User, hier die Geldidee der Woche – für dich: Auf deinem Konto liegen im Schnitt 5.234,23 Euro. Dafür bekommst du praktisch keinen Zins. Wie wäre es mit 3,00 Prozent. Tippe auf den Button und erfahre mehr.

Dann folgen zwei Buttons zum drauftappen:

Ja, ich will mehr wissen.

(und)

Nein, Hinweise dieser Art ausblenden/seltener senden.

Der Nein-Button lässt sich nach Facebook-Manier formulieren und einstellen, damit der Kunde, pardon User, einstellen kann, in welcher Dosis er künftig informiert werden will.

Oder:

+++ Geldtipp! +++ Lieber User, hier dein aktueller Geldtipp: Dein Konto sagt uns, du riesterst ja gar nicht?! Bei deinem Einkommen könntest du mit der Riester-Rente rund 800 Euro im Jahr an Steuern sparen. Außerdem bekommst 250 Euro mehr Rente. Tippe auf den Button und erfahre mehr.

Was muss das Fintech, hier das Insurtech tun, damit die Maschine die oben gezeigte Meldung automatisch und massenweise erzeugt? Im Grunde erfordert das einfaches Datenhandwerk: Man muss lediglich die Daten des Bankkontos des Kunden abgreifen. 1. Aus dem Nettoeinkommen und Familienstand (den zeigt etwa an anderer Stelle das Wort „Single-Haftpflicht“) die groben Daten für Riester erheben: Single = eine Zulage für Erwachsene. 2. Mit dem Geburtsdatum verknüpft und einem Riester-Tarif hinterlegt (generisch oder einen exakten Anbieter) entsteht daraus der Betrag zur Rentenhöhe mit 67.

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Sobald die Kunden ihrem App-Dienstleister die Datenleitung öffnen, müssen die schnellen Fintechs nur noch die Kontodaten auslesen (Abfragen sind etwa: Gehalt größer 3.000 Euro? Durchschnittliches Kontoguthaben) und mit seinen Algorithmen verknüpfen. Fertig ist die massenweise (neudeutsch: skalierbare) automatisierte Angebotsmaschine. Als Kommunkationsmaschine dient das Smartphone ohnehin. Und dort lauern Knip & Co. bereits, die Apps müssen nur erweitert werden.

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