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Rentenmodell

Rente - Oehler statt Nahles’ oder Riester-Rente

RyanMcGuire/Pixabay

Nach der Nahles-Rente und einer „Deutschlandrente“ (unwichtig) genannten Zusatzsparform präsentiert nun der Bamberger Ökonom Andreas Oehler ein Rentenpaket. Der Professor will die Zusatzrente der Deutschen staatstragend bei der Bundesbank oder dem gesetzlichen Rententräger installieren. Neu sind Zuschläge, die zwar Riesters Rente ähneln, aber die hinter Andrea Nahles’ (SPD) materiell erzeugter Beitragsgarantie zurückbleiben. Nachrichtlich: Der Beitrag kann im unteren Teil Spuren von Kommentar enthalten.

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Geht es nach dem Bamberger Finanzprofessor Andreas Oehler, dann könnten die Deutschen ihre wegen Riesters Kürzungen bei der gesetzlichen Rente von 2002 einfach ausgleichen. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) druckt einen Gastbeitrag des Hochschullehrers ab und der empfiehlt ein zweistufiges Sparsystem, mit dem alle Bevölkerungsgruppen einfacher für ihr Alter vorsorgen können sollen – neben Arbeitnehmern namentlich auch Beamte und Selbständige, kurzum alle Erwerbsmenschen.

Stufe 1: Alle sparen bis zu 100 Euro pro Monat

Professor Oehler schlägt vor, einen Spartopf zu bilden, auf den die Deutsche Rentenversicherung oder die Bundesbank ihre schützende Hand hält. Damit kein Haushälter des Staates, Finanzminister Schäuble oder einer seiner Nachfolger etwa, in die Kasse des Bürgers Rente greifen kann. Jeder Erwerbstätige, egal ob Bauhelfer, Beamter oder Bankier soll in Oehlers empfohlenen Topf monatlich von 20 bis 100 Euro einzahlen, sparen.

Wer etwa als Arbeitnehmer nicht einzahlen wolle, müsse dem Ganzen aktiv widersprechen (die so genannte Opt-Out-Regel). Anlagevehikel sollen nach Oehler in der FAZ weltweit gestreute und kostenarme Indexfonds, börsennotiert. Zusatzrenten wie sie zum Beispiel Angestellte bei Behörden bekommen, könnten in das System eingebaut, verrechnet werden, sagt der Finanzprofessor. Dasselbe gelte idealerweise für Zuschüsse von Arbeitgebern, die derzeit über die Betriebsrente abgewickelt werden.

Und Riesters Rente?

Richtig gedacht oder befürchtet oder angenommen, liebe Leserinnen und Leser: Wäre das fiktive Oehlersche System installiert, könnten Zusatzsysteme für den Öffentlichen Dienst (VBL) oder für die Betriebsrente weitestgehend entfallen – alles Oehler sozusagen. Der Professor schlägt zudem ein Wahlrecht der Sparer vor. Einmal mit und einmal ohne Beitragsgarantie. Zu letzterer sollten nach Oehlers Diktion die Kosten in Euro und Cent ausgewiesen werden. Ob diese Garantie der eingezahlten Beiträge Sinn macht, dazu müssen wir in die weiteren Regeln schauen, die das professorale Konzept setzt. Das sieht nämlich einen Staatszuschuss vor. Auf die ersten 20 Euro, die die Sparer in den „Oehlertopf“ zahlen, solle Vater Staat weitere 20 Euro drauflegen.

Wir rechnen: Selbst bei 100 Euro Monatsbeitrag entsprächen 20 Euro Staatsknete einem Zuschuss von 20 Prozent. Nachrichtlich: Ob dieser Zuschuss gegen Riester-Zulagen aufgerechnet, diese Zulagenrente alternativ verschwinden soll, dazu ist in dem Gastbeitrag des Professors in der FAZ nichts zu erfahren.

Vorteil Andrea Nahles

Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) sieht in ihrem Sozialpartnermodell bei der Betriebsrente einen Arbeitgeberzuschuss von 15 Prozent und KEINE Beitragsgarantie vor. Vollkommen unpolitisch, vielmehr mathematisch gesehen bedeuten 15 Prozent Zuschuss ausreichend „Puffer“, mit dem sich wegen gesamt und in Eurobeträgen gesehen 115 Euro Einzahlung im Verhältnis zu 100 Euro Arbeitnehmeranteil garantieren lassen. Damit stünde der Anleger möglicherweise gar nicht mehr in Lückenhaft, oder?

Vorne Vorgerechnetes ist keine juristische, sondern im Effekt eine materiell oder finanzmathematisch wirksame Beitragsgarantie. Sodass sich die Frage nach dem Erfordernis einer Oehlerschen Beitragsgarantie stellt: Vorteil Nahles. Ferner ähneln die Regeln von Oehlers Systemvorschlag den bekannten Grenzen der Riester-Rente: Es gibt nur Rente. Und ein bisschen Kapital. Oehler will 25 Prozent (Riester-Rente: 30 Prozent) des Sparvermögens verbaren, pardon kapitalisieren lassen. Wie viel Bargeld sie wollen, (nicht überbieten: höchstens 25 Prozent) das sollen die Sparer nach Oehlers Plan ein Jahr vor Rentenbeginn entscheiden.

Stufe 2: Zuzahlen-Zahlen

Professor Oehler ergänzt sein Sparmodell um einen zweiten Topf. Dort solle Jeder, auch EU-Bürger, nach seinem Gusto beliebig viel Geld zuzahlen können. Das Geld könn(t)e jederzeit abgerufen werden, schreibt die FAZ zum Oehler-Plan, gegen fünf Prozent Stornoabzug im Falle des Abrufs vor Rentenbeginn. Ansonsten sollten die gleichen Regeln wie in der Stufe Eins gelten. Im Effekt würde also das Oehler-Modell alles Spargeld statt in Zusatzkassen (Öffentlicher Dienst oder Betriebsrentensysteme) in den Staatstopf fließen lassen. Bevor das passiert, müssten sich Zusatzversorger wie VBL oder Betriebsrenten-Träger dem Oehler-Ansatz beugen. Bezüglich der Beamten (Topf 1) müsste nebenbei die Verfassung mit Zwei-Drittel-Mehrheit des Deutschen Bundestags geändert werden. Details?

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Achtung: Kommentar-Gefahr

Final nennt der Professor aus Bamberg seine nun neu vorgeschlagene Sparform eine „transparente, kostengünstige“ Zusatzrente, die diesem Namen auch gerecht werde. Dabei werde dem („vorhandenen“ <= wie überflüssig formuliert! Gibt es NICHT Vorhandenes?) ... also dem Bedürfnis nach einer Garantie des Kapitals entsprochen. Autsch! „Bedürfnis“ ist kein wirtschaftlicher Begriff, sondern ein Wunsch emotionaler Art. Der richtige Begriff wäre „Bedarf“, die emotional+mathematische Kombination aus Wunsch plus Kaufkraft, das weiß jeder Wirtschaftsstudent, erstes Semester und steht als solches im „Wöhe“, der „BWL-Bibel“ in Stein gemeißelt.

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