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01.03.2016

BU-VersicherungLVRG: Querverrechnung zulasten junger BU-Versicherter?

Kundengelder in Gefahr? BU- und Altersvorsorge-Verträge dürfen gegengerechnet werden (Symbolbild). StevePB@Pixabay.com

Berufsunfähigkeits- und Lebensversicherung: Die Rating-Agentur Assekurata empfiehlt Versicherungsmaklern, auch bei der BU-Auswahl und Vermittlung auf die Finanzkraft des Versicherers zu achten. Denn durch das LVRG bestünde theoretisch als auch praktisch für Versicherer die Option, BU-Überschüsse mit defizitären Kapitalanlageergebnissen quer zu verrechnen – was für den einzelnen BU-Kunden kein Grund zur Freude sei.

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Nachdem das Geschäft mit der Altersvorsorge nicht mehr ganz so gut läuft, versuchen sich nun Lebensversicherer vermehrt auf dem Geschäftszweig mit biometrischen Risiken einzurichten und so tun es auch Versicherungsmakler.

Doch sei dies weder einfach noch konfliktfrei möglich, vor allem im Geschäft mit BU, warnt das Analysehaus Assekurata in einer Pressemeldung. Welchen Einfluss stellt nun also die Größe der Finanzkraft eines Unternehmens auf die BU dar? Danach fragte die Assekurata in ihrer Studie mit dem Ergebnis, dass sich Makler und Kunden bei der Auswahl eines BU-Produktes durchaus auch auf Finanzkraft und Kollektivgröße eines Versicherers fokussieren sollten. Weil nämlich die neue Regelung im LVRG in der Zukunft Auswirkungen auf die Vertriebspraxis haben könnte, wie AssCompact schreibt.

LVRG: Kundenbeteiligung an Ertragsquellen in Gefahr

Das LVRG bewirkte eine Änderung der sogenannten Mindestzuführungsverordnung (MindZV), diese regelt die Beteiligung der Kunden an den Ertragsquellen des Lebensversicherers. So müssen die Lebensversicherer ihre Kunden zu mindestens 90 Prozent am Risikoergebnis beteiligen (vorher waren es 75 Prozent) .

„Die Dispositionsfreiheit über diese Ergebnisquelle hat sich damit für die Unternehmen verringert“, erläutert der Assekurata-Chef Dr. Reiner Will bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Bei dem Tauschhandel zwischen Branche und Bundesregierung wurde der Prozentsatz zwar einerseits angezogen, andererseits aber hat man Verrechnungsmöglichkeiten zwischen verschiedenen Ergebnisquellen zugelassen.

BU-Kunden haben Nachsehen

Das bedeutet gleichsam, dass es nun legal ist, ein negatives Kapitalanlageergebnis mit einem positiven Risikoergebnis (quer) zu verrechnen. Dieses Vorgehen stärkt zwar das Gesamtkollektiv des Versicherers, aber der einzelne BU-Kunde hat das Nachsehen.

BU-Kunden hatten bisher Vorteile durch die hohen Risikoüberschüsse in der Sparte, nicht zuletzt, weil die Versicherer hier sehr behutsam rechnen. Wie die Assekurata weiß, liegen die Überschüsse marktweit bei etwa dreißig Prozent der Prämie.

Diese Prozente gelangen über die Überschussbeteiligung, meist in Gestalt von Sofortrabatten auf die Prämie, zu einem großen Teil wieder zum Kunden, zum Teil kann das zu einem Preisvorteil im Umfang von 250 Euro führen – bisher. Denn es besteht eine Gefährdung dieses Kreislaufs, in dem Kunden sich noch über niedrige Prämien freuen können.

Querverrechnung als Zukunftsszenario?

Begännen Lebensversicherer tatsächlich, die Möglichkeit der Querverrechnung mit einem negativen Kapitalergebnis in die Praxis umzusetzen, dann wären die schönen Jahre vorbei.

„Dass ein negatives Kapitalanlageergebnis keineswegs aus der Luft gegriffen ist, belegt die Tatsache, dass 2014 im Branchendurchschnitt das reine Zinsergebnis – das heißt, die laufenden Erträge aus Kapitalanlagen abzüglich der Garantiezinsanforderungen und der Zinszusatzreserve – bereits negativ war. Erst durch Auflösung von Bewertungsreserven, die in das übrige Kapitalanlageergebnis eingehen, wurde dies letztlich kompensiert“, so Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse bei Aseekurata.

Junge BU-Kunden zahlen Altersvorsorge der Alten

Unmissverständlich ausgedrückt, würde das heißen, dass, wenn es zu einer Verrechung von BU-Überschüssen käme, ein Teil der BU-Kunden für einen Teil der Altersvorsorgekunden mitbezahlen würde. Zuvorderst würden also junge BU-Kunden die alten Altersvorsorgeverträge mit hohen Garantien mitbezahlen.

Angesichts dessen stellt sich für Versicherer die Frage, wie sie dauerhaft und nachhaltig stabile Beiträge gewährleisten können. „Denn geraten erst einmal die Beiträge unter Druck, sind auch Auswirkungen auf die Leistungsregulierung nicht auszuschließen“, so Will.

BU-Bestand solide berechnen

Will erklärt in seinem Resümee, dass neben einer auskömmlichen Kalkulation des BU-Bestandes ein solides Gesamtertragsprofil die Voraussetzung sei, um das Ansteckungsrisiko der Garantierisiken im Altersvorsorgebereich auf den BU-Bestand so gering wie möglich zu halten.

Dabei sei die Unterscheidung, welche Versicherer von dem skizzierten Szenario betroffen sein könnten und welche nicht, gar nicht so einfach. Trotz allem empfiehlt Will sowohl Maklern als auch Kunden, die Kennzahlen rund um die Finanzkraft auf dem Schirm zu haben.

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Diese Zahlen lassen sich übrigens in den Geschäftsberichten und in Mindestzuführungsverordnungen auf den Webseiten der Versicherer aufspüren. Wenn nicht, helfen auch Unternehmensrankings weiter: „Strukturell sind die Lebensversicherer im Vorteil, die über eine starke Kapitalanlage mit substanziellen Bewertungsreserven, Kostenvorteile sowie Ausgleichsgeschäfte jenseits der konventionellen Lebensversicherungsgeschäfte verfügen“, schlussfolgert Will.

assekurata.de, asscompact.de

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