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01.03.2016

Versicherung und VorsorgeUnfallversicherung mit Beitragsrückgewähr (UBR): Vermarktungstrick mit schlechter Verzinsung?

Vielen Dank für die Blumen? Versicherungen zum Nulltarif gibt es nicht, warnt Ökotest. Alexas_Fotos@Pixabay.de

Eine Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr (UBR) sei nicht mehr als eine schlecht verzinste Geldanlage, jedenfalls keine „Versicherung zum Nulltarif“, wie diese Policen teils beworben werden. Zu dieser Einschätzung gelangen Ökotest und der Bund der Versicherten (BdV), die den Begriff der Beitragsrückgewähr für irreführend halten. Aber natürlich sei eine Unfallversicherung sinnvoll, man bezahle Beiträge und vertraue auf Sicherheit.

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Sind Unfallversicherungen mit Beitragsrückgewähr (UBR) "teurer Unsinn"? Zu dieser Einschätzung kommt zumindest das Verbrauchermagazin Ökotest anhand eines Produktvergleichs. Bei einer UBR vertraue der Kunde darauf, dass er Geld zurückbekommt, wenn keine Versicherungsleistung in Anspruch genommen wird: es bestehe laut Versicherern eine Beitragsrückgewähr. Parallel zu den klassischen Unfall-Policen gibt es also auch die UBR am Markt mit dem Unterschied, dass letztere teurer seien und die Versicherer diese mit umso größeren Versprechen anpreisen würden.

So wirbt beispielsweise die Raiffeisenbank Gotha mit "Ihr Plus an Sorglosigkeit - Mehr Sicherheit mit der R+V-Kapital-Unfall-Police" oder findet die Axa aus Köln ihr Produkt "einfach genial" und der Kunde ist "schlau", weil er "clever und sinnvoll kombiniert". Bei der LVM aus Münster oder der Sparkasse Duisburg heißt es weniger blumig: "Unfallschutz mit Geld-zurück-Garantie", so zitierte der Ökotest die einzelnen Slogans. Und riet dann: Finger weg!

UBR funktioniert wie Kapitallebensversicherung

In der Funktionsweise ist die UBR der Kapitallebensversicherung mit Todesfallschutz verwandt. So fließt ein kleiner Teil des Beitrags in eine Unfallversicherung, während der überwiegende Anteil angelegt und verzinst wird. Im Ergebnis steht dann eine garantierte Kapitalauszahlung und gegebenenfalls noch eine Überschussbeteiligung. Somit ist die Bezeichnung "Beitragsrückgewähr" eigentlich nicht zutreffend und damit irreführend. Denn Versicherungsbeiträge bekommt der Kunde ja gar nicht zurück, sondern nur den schlecht verzinsten Sparanteil seiner Beiträge, so war auf finanzen.de zu lesen.

Nach Einschätzung von Axel Kleinlein sei die Bezeichnung einfach eine Täuschung, denn: "Es gibt keine Versicherung zum Nulltarif", wie der Vorstandssprecher des Bundes der Versicherten (BdV) sagte. Oder anders: "Sie bekommen nicht die Prämie, sondern die zu viel gezahlte Prämie mit einer meist geringen Verzinsung zurück", wie Versicherungsmakler Peter Föll von der Ino24 AG aus Pleidelsheim weiß.

UBR lohnt sich nie?

Zuletzt hat sich "Öko-Test" 18 Tarife von sechs Anbietern mit laufender oder einmaliger Zahlung vorgenommen und sich dabei darauf fokussiert, welche Verzinsung der Kunde für sein Sparkapital bekommt. Im Ergebnis zeigte sich unmissverständlich: die UBR lohnt sich nicht. Nicht selten sogar war die garantierte Beitragsrendite negativ. Deshalb empfiehlt Öko-Test Allen, die einen UBR-Vertrag haben, ihn nach Möglichkeit zu kündigen oder beitragsfrei zu stellen.

Das Fazit von Ökotest - ernüchternd. "Mit teurem Unfallschutz und monatlicher Zahlung beträgt die höchste garantierte Rendite 0,76 Prozent pro Jahr, die niedrigste Rendite minus 1,32 Prozent", berichtet Ökotest über die untersuchten Tarife. "In der Variante mit günstigem Unfallschutz erreicht nur ein Angebot mit 0,26 Prozent eine positive Verzinsung. Bei Einmalzahlungen liegt die Verzinsung mit 0,24 bis 1,47 Prozent kaum besser."

Damit geht der Ökotest mit der Meinung konform, die auch durch den Bund der Versicherten und andere Verbraucherschützer vertreten wird. Kündigen ist auch billiger. Denn normale Unfallpolicen bekommt man bereits ab rund 15 Euro pro Monat, während eine UBR das bis zu Vier- bis Fünffache koste.

Die UBR genoss schon länger kein besonders gutes Ansehen mehr. Für Aufsehen sorgte das Vorgehen einiger Vermittler der Düsseldorfer Ergo-Versicherung, die begannen, ab 2009 tausende Lebensversicherungen zu stornieren und dann noch ihre Kunden überredeten, den gesamten Rückkaufswert in UBR-Policen zu investieren, was rein rechnerisch ein extrem schlechter Deal für die Kunden war.

Kunden verstehen das Prinzip UBR gar nicht

Zwar hatte der Versicherer, nachdem Vorwürfe gegen seine Aktion bekannt geworden waren, zwei Jahre später insgesamt 5.000 seiner betroffenen Kunden angeschrieben und in dem Brief eine Rückabwicklung des Deals vorgeschlagen, doch wurde dieses Angebot von gerade einmal 0,94 Prozent der Kunden voll angenommen. Ökotest wertet dies als deutliches Indiz dafür, dass die UBR-Police von den meisten wohl nicht verstanden wurde.

Auch wenn kaum einer der Kunden das Prinzip UBR richtig verstehe, sie mickrige Zinsen abwerfe und vier bis fünfmal teurer sei als eine normale Police, werden diese UBR-Produkte nach wie vor vertrieben, warnt Ökotest, vor allem von sehr großen Versicherern und über die Gruppe der öffentlichen Assekuranzen, wie die Lippische Landes-Brandversicherungsanstalt, die Versicherungskammern Bayern sowie die Sparkassen.

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Versicherer schützen UBR vor professioneller Überprüfung

Ökotest kam dabei an die Angebote nur heran, weil es diese über das Vergleichsportal Ino24 abfragte, ansonsten, so der Test, hätten die Anbieter jede Kooperation verweigert. Und das sage doch sehr viel aus über das Produkt, dessen Details die Vertreiber lieber keiner Überprüfung aussetzen wollen.

finanzen.de, ökotest.de

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