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09.12.2015

InterviewKunden sollen sich Durchschnittskosteneffekt durch Sparplan zu Nutze machen

Wie das Geld anlegen? Diese Frage stellt sich gerade in Zeiten des Niedrigzinses (Symbolbild). Artbaggage@Pixabay.com

Geldanlage: Kennen Sie die Ziele ihres Kunden? Das ist die Voraussetzung, um eine Anlagestrategie mit ihm gemeinsam zu erarbeiten. So kann am Ende auch die Einstellung zum Thema Fonds und speziell die Anlage in Aktien geändert werden, weiß Frank Patermann, Director und Key Account Manager Versicherungen bei Allianz Global Investors. Im Interview mit Versicherungsbote spricht er über das Thema Altersvorsorge mit Fokus Fonds bzw. Fondspolicen.

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Versicherungsbote: Sollten Vermittler Finanzanlagen eher direkt über Fonds oder eher als Fondspolice anbieten? Warum?

Frank Patermann: Das hängt in erster Linie von der Zielsetzung des Kunden ab: Wie lang ist der Anlagehorizont, wie ist die Vermögens- und Einkommenssituation, welche (Rendite-)Ziele verfolgt der Kunde, und insbesondere ob eine Verrentung gewünscht ist? In Fonds angelegte Gelder sind im Bedarfsfall schneller verfügbar.

Versicherungsbote: Viele Versicherer haben inzwischen Index-Policen aufgelegt. Index-Police oder alternative Fonds? Warum?

Frank Patermann: Beide Varianten haben ihre Vorteile und bieten gegenüber klassischen Lebensversicherungen ein höheres Renditepotenzial. Mit Fonds können Anleger gezielter und flexibel ihr Vermögen über unterschiedliche Märkte und Anlageklassen hinweg diversifizieren. Das aktive Management in der Titelselektion und – je nach Fondstyp – in der Asset Allokation eröffnen darüber hinaus noch die Chance auf Zusatzerträge.

Versicherungsbote: ETFs, also Indexfonds sind in aller Munde. Vor allem Verbraucherschützer empfehlen diese immer wieder. Wie ist Ihre Meinung dazu? Sollten Anleger aktiv gemanagte Fonds bevorzugen?

Frank Patermann ist Director und Key Account Manager für Versicherungen bei der Allianz Global Investors GmbH. Er ist seit 14 Jahren im Unternehmen und verfügt über 22 Jahre an Berufserfahrung. Frank Patermann: Wer in ETFs investiert zahlt zwar weniger Gebühren, erwirtschaftet aber per Definition stets weniger als der zugrunde liegende Index. Gerade in heutigen Zeiten, die von niedrigen Zinsen, niedrigem Wachstum und hoher Volatilität geprägt sind, ist aktives Portfoliomanagement wichtiger denn je. Die Konstruktion eines ETF bildet letztlich die Vergangenheit an den Kapitalmärkten ab, wohingegen ein aktiver Fondsmanager seine Titel nach zukünftigen Risiko-/Renditebeitrag auswählt. Allerdings sollte ein Fondsmanager entsprechende Freiheitsgrade haben und diese auch nutzen, um aktive Rendite zu erzielen.

"Dividendentitel gehören zu den Favoriten der Investmentexperten"

Versicherungsbote: Wie beurteilen Sie derzeit die europäischen Aktienmärkte im Vergleich zu anderen Börsen? Welche Märkte würden Sie Vermittlern für die Beratung empfehlen?

Frank Patermann: Europäische Aktien sind im regionalen Vergleich derzeit attraktiv bewertet, insbesondere Dividendentitel gehören seit einiger Zeit schon zu den Favoriten unserer Investmentexperten.

Versicherungsbote: Aktienfonds: Die Börsen – zumindest nach den Indizes DAX und NASDAQ - schwankten in letzter Zeit ziemlich stark. Wie können Vermittler diese Schwankungen den Kunden erklären und am besten zum Verkauf nutzen?

Frank Patermann: Die Volatilität an den Märkten ist nicht unbedingt ein neues Phänomen und wird uns auch noch weiter begleiten. Wer sich über die langfristige Kapitalanlage Gedanken macht wird feststellen, dass die Verlustwahrscheinlichkeit einer Aktienanlage umso geringer wird, je länger der gewählte Anlagezeitraum ist und bei Anlagezeiträumen von mehr als 20 Jahren Aktien (DAX) stets positive Renditen erzielt hat. Mit weniger Schwankungen müssen die Besitzer von Misch- bzw. Multi-Asset-Fonds rechnen. Daneben können inzwischen dynamische Multi-Asset-Lösungen einen gewissen Schutz bei heftigen Marktkorrekturen, ohne das Renditepotenzial in Aufwärtsphasen zu beeinträchtigen, bieten. Wer aus Sorge vor dem Risiko sein Geld lieber auf dem Tagesgeld-Konto parkt, wird nach Abzug der Inflation Verluste machen. Die Anlage über einen längeren Zeitraum mithilfe eines Sparplans zu verteilen ist ebenfalls sehr zielführend, damit diszipliniert der Kunde seine Anlagestrategie und macht sich gleichzeitig den Durchschnittskosteneffekt zunutze.

"Das Thema steigende Lebenserwartung findet noch wenig Beachtung"

Versicherungsbote: Bei deutschen Anlegern ist das Wissen im Bereich der Geldanlage für Altersvorsorge bekanntermaßen unterentwickelt. Die Anlage in Aktien wird vielfach als zu risikoreich gesehen. Wie wichtig ist Aufklärung für diesen Bereich und wie kann die Einstellung der Privatanleger geändert werden?

Frank Patermann: Angesichts fortdauernder Niedrigzinsen und den daraus erwachsenden Anlagedruck ändert sich die Einstellung zu dem Thema langsam. Das lässt sich auch an den starken Mittelzuflüssen bei Multi-Asset-Fonds ablesen, von denen AllianzGI als führender Anbieter in diesem Segment in besonderer Weise profitiert. Ein Aspekt, der in der Breite der Bevölkerung noch geringe Beachtung findet, ist die steigende Lebenserwartung; daraus folgt zum einen, dass mehr finanzielle Mittel für den Ruhestand benötigt werden, und zum anderen, dass Anleger sehr viel mehr und länger als bisher gezielte Risiken am Kapitalmarkt eingehen können.

Versicherungsbote: Worauf sollten Vermittler bei der Investment-Beratung beim Kunden achten?

Frank Patermann: Was sind die Ziele meines Kunden? Verstehe ich das Produkt, kann ich den Markt einschätzen, und kann mein Kunde seine finanziellen Ziele damit erreichen?

Versicherungsbote: Wie kann die Altersvorsorge mit einem Fondssparplan in optimaler Weise aussehen? Macht es Ihrer Meinung nach Sinn das zu investierende Kapital auf mehrere Sparpläne und/oder mehrere Fonds zu verteilen? Warum?

Frank Patermann: Grundsätzlich sollte man aber darauf achten, sich nicht zu verzetteln und seine Anlage zukunftsgerichtet zu strukturieren. Das heißt auch seine Anlage zu verändern, wenn beispielsweise weitere Sparziele hinzukommen oder sich das insgesamt für Sparzwecke zur Verfügung stehende Kapitel stark verändert. Fonds bieten ja gerade diese Vielfalt und Flexibilität. Bei aktiv gemanagten Multi-Asset-Fonds bzw. Fonds mit vermögensverwaltenden Charakter sollte der Anleger nur in regelmäßigen Abständen fragen, ob sich seine Risikotoleranz verändert hat.

Versicherungsbote: Was sind Dividendenaktien? Warum sollten Verbraucher diese nutzen? Sollten diese Ihrer Meinung nach mit ins Portfolio aufgenommen werden? Warum?

Frank Patermann: Als Dividendenaktien bezeichnet man Aktien, bei denen eine überdurchschnittliche Dividende an die Anleger ausgeschüttet wird. Angesichts der niedrigen Zinsen ist die durchschnittliche Dividendenrendite in Europa von rund 3% eine attraktive Ertragsquelle. Anleger sollten darauf achten, dass ein Unternehmen seine Dividendenpolitik als integralen Bestandteil seiner Strategie begreift und Dividenden nicht aus der Substanz ausschüttet.

Die Fragen stellte Jenny Müller



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