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11.11.2015

DIN-Standards als Mehrwert in der BeratungFinanzanalyse nach Norm

Unsplash 691615 / pixabay.com

Aktenordner, Drucker, Layouts, Anschreiben oder Briefumschläge – alle werden an das Format DIN A4 angepasst. Die strenge Vorgabe für ein Blatt Papier vereinfacht viele Arbeitsprozesse. Lässt sich eine solcher Standard auch auf einen komplexen Vorgang wie die Finanzberatung übertragen? Eine Norm zur standardisierten Finanzanalyse für Privathaushalte wird aktuell in einem Ausschuss mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verbraucherschutz diskutiert.

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„Wir wissen alle, dass die Finanzbranche bei den Verbrauchern ein großes Vertrauensdefizit hat. Das ist nur durch Verlässlichkeit zu beheben. Es ist unseres Erachtens für die ganze Branche ein sinnvolles Ziel darauf hin zu arbeiten, dass eines Tages ein Verbraucher, der zehn verschiedene Berater um ihre Bedarfsanalyse in Sachen Absicherung, Vorsorge und Vermögensplanung fragt, nur ein – eben sein persönliches – Ergebnis erhält und nicht zehn unterschiedliche. Diese Analyse wäre dann eine verlässliche und Vertrauen stiftende Grundlage für die Beratung“, erklärt Dr. Klaus Möller, Geschäftsführer und Gesellschafter bei der DEFINO GmbH und Schirmherr der Finanz-Norm-Initiative im Versicherungsbote Interview. Bevor Vermittler ihren Kunden ein Produkt empfehlen, sollen sie zunächst den Grundbedarf und die finanziellen Möglichkeiten des Haushaltes ermitteln.

Mit der Spezifikation DIN SPEC 77222, einer Art Vorstufe zu einer DIN-Norm, ist das Vorhaben weit fortgeschritten. Warum eine DIN-Norm? „Es ist mittlerweile der Alltag im Wirtschaftsleben, dass Unternehmen wie wir ihre Vorgehensweisen zum „Standard“ erklären. Die Wettbewerber tun dann dasselbe und nach kurzer Zeit gibt es lauter Standards, die konkurrierend nebeneinander stehen. Und der Verbraucher ist so schlau wie vorher. Beim DIN gibt es zu jedem Thema nur eine einzige Norm. Und das DIN hat in Deutschland und darüber hinaus einen tadellosen Ruf “, begründet Möller.

Großes Brancheninteresse

Dr. Klaus Möller, seit Juli 2011 Geschäftsführer und Gesellschafter der DEFINO – Gesellschaft für Finanznorm mbHIm Jahre 2013 berieten und entschieden zwanzig Experten über die DIN SPEC. Seit November 2014 diskutieren vierzig Teilneh mer eines Normausschusses sehr konstruktiv über deren Weiterentwicklung zur DIN Norm. „Ich erwarte wesentliche Impulse für die Branche aus der Arbeit des Ausschusses“, teilte Möller mit und erklärte auch, das Interesse der Branche sei sehr groß: „Eine langjährige DINMitarbeiterin hat im November letzten Jahres formuliert, sie könne sich nicht an eine konstituierende Sitzung irgendeines an deren Ausschusses in irgendeiner an - deren Branche mit so vielen Teilnehmern und so großem Brancheninteresse erinnern.“

Eine Liste der Mitarbeiter im Ausschuss konnten wir jedoch nicht erhalten, da alle Mitwirkenden eine Verschwiegenheitserklärung gegenüber dem DIN abgegeben haben. Auf Nachfrage versicherte Möller, dass die Großen der Branche und zwar aus Banken, Versicherungen und Vertrieben, wesentliche Verbände und Arbeitskreise, Wissenschaftler und Verbraucherschützer vertreten sind.

...aber es gibt doch schon eine Norm für Finanzplaner?

Neu ist die Idee einer normierten Finanzberatung nicht - zumindest nicht, wenn es darum geht, dass Kunden einen Dienstleister in der privaten Finanzplanung finden, dem sie vertrauen können. So ist das Zertifikat Certified Financial Planner (CFP) international verbreitet. Es wird auf Antrag an jene verliehen, die professionell in der privaten Finanzplanung tätig sind und entsprechende Zertifizierungsbedingungen erfüllen. Das Zertifikat wird in 26 Ländern als Lizenz von einer lokalen Organisation ausgestellt, in Deutschland vom Financial Planning Standards Board Deutschland e.V. (FPSB) mit Sitz in Frankfurt/Main. Neben dem CFP gibt es Qualitätszertifikate, darunter das „Geprüfter privater Finanzplaner nach DIN ISO 222222“. FPSB wirkt u.a. mit der DIN CERTCO Gesellschaft für Konformitätsbewertung GmbH daran mit. Das Zertifikat „geprüfte private Finanzplaner nach DIN ISO 22222“ ist aufgrund der inhaltlichen Ausrichtung des Kompetenz- und Tätigkeitsniveaus unterhalb des CFP positioniert. Diese weltweit gültige Norm für die Dienstleistung Finanzplanung legt die Anforderungen an die Berater und ihre Konformität, d. h. die Übereinstimmung mit den inhaltlichen und ethischen Normen der Gesellschaft, fest.

Besonders in Deutschland eröffnet sich damit ein völlig neuer Weg der Kundenansprache und auch der Akzeptanz der Honorierung der Beratungsleistung, erläutert Dr. Peter Schmidt, Experte für Unternehmensstrategien und -prozesse für Versicherungsvertrieb und Makler. Ursprünglich wurde die Norm für die Industrie (DIN ISO 9001) entwickelt. Inzwischen sind die Zertifikate aber auch bei zahlreichen Freiberuflern zu finden. An diese Norm knüpft die DIN ISO 22222 an und hat Eingang in die Finanz- und Versicherungsberatung gefunden. Maklern gebe die Norm wachsendes Selbstvertrauen, so Schmidt – beim Beratungsprozess nach einem Regelwerk erkennen Verbraucher auf Anhieb einen Mehrwert und sind eher bereit, Honorar für die Beratung zu zahlen.

Zwei Normen, kein Widerspruch

Die DIN ISO 22222 legt Anforderungen an das ethische Verhalten, Fähigkeiten und Erfahrungen, über die ein professioneller privater Finanzplaner verfügen muss, versteht sich aber eher als Qualifikation. Die weiterentwickelte DIN SPEC 77222 soll dazu kein Widerspruch sein. „Die DIN ISO 22222 und die aus der DIN SPEC 77222 zu erarbeitende DIN Norm widersprechen sich nicht. Das wurde ausdrücklich in dem Statement eines Experten in der Sitzung des Normausschusses festgestellt. Widersprüche zwischen einzelnen Normen und Standards schließt im Übrigen das Regelwerk des Deutschen Instituts für Normung explizit aus. Die ISO 22222 legt ihren Schwerpunkt auf die fachlichen und ethischen Anforderungen an Finanzplaner; die DIN SPEC und die zu erarbeitende Norm definieren einen Prozess zur Finanzanalyse. Insofern ergänzen sich die beiden Standards“, so Möller.

Dr. Peter Schmidt Unternehmensberater und Inhaber Consulting & Coaching www.cc-mit-ps.de Berlin und des Portals bestandundnachfolge.deNormierte Finanzplanung nach DIN ISO 22222 hat Potential: „Die Zeiten des Produktverkaufs gehen dem Ende zu. Eine Möglichkeit sich von herkömmlichen kurzschrittigen Beratungen abzukoppeln ist die systematische und ganzheitliche Finanzplanung“, so Peter Schmidt, „damit steigen auch die Anforderungen an die Qualifizierung von freien Versicherungs- und Finanzberatern. Wenn man davon ausgeht, dass die Vergütungen für Finanz- und Versicherungsberatung weiter sinken, dann versteht man, warum Experten die Tätigkeit des Financal Planners, des „FinanzCoachs“, als DIE Zukunftschance bewerten“, erklärt er und weiter: „Der Beratungsansatz, die Ansprache der Kunden, der erhöhte Kundennutzen, die neue öffentliche Wahrnehmung sowie deutlich bessere Betriebsergebnisse für den Maklerbetrieb verdienen es, dass sich mehr freie Vermittler mit dem Thema befassen.“

Praktikabel: Finanzanalyse in 10 Minuten – nicht nur für „Privilegierte”

Gilt das auch für die Norm nach DIN SPEC 77222? Die Auswahl der Produkte und Produktklassen sollen Berater und Kunde selbst treffen. Durch ein paar (genormte) Fragen rund um die Themen Flexibilität und Langlebigkeit soll eine erste Orientierung erarbeitet werden, ob alle denkbaren Produktklassen zur Finanzplanung passen können. Dabei ist Praktikabilität ein wesentliches Anliegen, so der DEFINO-Chef: „Es gibt ein sehr smartes Tool auf DEFINO-DIN SPEC-Basis, mit dem Berater in 10 Minuten für wahrscheinlich mehr als 80 Prozent der Menschen in unserem Land eine erste ganzheitliche Bedarfsanalyse erstellen können.” Auch geht es Möller darum, eine Finanzanalyse jedem Normalverdiener zugänglich zu machen. „Bei aller ernstgemeinten und unstrittigen Wertschätzung für die hohe Qualität der CFPler, ihrer Ausbildung und Qualifikation, muss man kritisch anmerken, dass alle diese sehr anspruchsvollen Konzepte nur privilegierten, d. h. eher vermögenden Gruppen in unserer Gesellschaft zugänglich sind. [...] Normalverdiener wie Köche, Busfahrer oder Krankenschwestern, die jeden EURO um drehen müssen, brauchen Ganzheitlichkeit dringender als Vermögende. Das ist für Berater aber nur dann profitabel darstellbar, wenn der Zeitaufwand im Rahmen bleibt. Das funktioniert nur durch eine gewisse Prozessoptimierung – eben durch Standards.“

Online-Beratung nach DIN-Standard

Standardisierungen vereinfachen auch digitale Prozesse, ja, sind sogar Voraussetzung dafür. So könnte es eine Online-Finanzberatung nach DIN-Norm geben, die man z. B. auf Webseiten anbieten könnte: „Diese Bestrebungen gibt es in der Tat. Daher ist es insbesondere auch ein großes Anliegen der im Normausschuss mitwirkenden Verbraucherschutz- Vertreter, dass die zu erarbeitende Norm für eine Finanzanalyse auch für die Umsetzung im Internet tauglich ist“, erklärte Möller.

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Hanna Behn und Mirko Wenig

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