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28.10.2015

Kostenlos, Vermittlung, Provision, Irreführung oder was?Fintech - Unfallhelden wirklich heldenhaft?

Kostenlose Unfallhelden oder doch Vermittlung gegen Vergütung?Tumisu/pixabay

Versicherungs-Service - Wieder einmal viel Hype zu einem neuen Start-up aus dem Versicherungs-Service-Bereich. Das Projekt der Parqon Claims Services GmbH aus München nennt sich "Unfallhelden". Aber ist die neue Fintech-Idee tatsächlich heldenhaft? Versicherungsbote hat die Versprechen und Werbeaussagen der Homepage im Verhältnis zum Kleingedruckten recherchiert.

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Das Versprechen

Auf der Seite von Unfallhelden steht dick und fett zu lesen

  • Autounfall gehabt? Schon an Schadensersatz, Gutachter, Werkstatt, Rechtsanwalt, Mietwagen, etc. gedacht? Bei uns bekommen Sie alles aus einer Hand! Versicherungsunabhängig, schnell, kostenlos und an Ihrer Seite!

Die Hervorhebungen in "fett/unterstrichen" im obigen Originaltext und in den folgenden Originaltexten von der Website des Anbiters stammen zur Verdeutlichung von unserer Redaktion. Das hat seinen Grund, wie man nachfolgend erkennen wird.

Die Versprechen gehen weiter

  • Warum Unfallhelden? Ganz einfach: Wir helfen! Und das für Sie kostenlos!

und weiter geht es dann mit einer Unterstellung gegen die Versicherer

  • Wer unverschuldet in einen Autounfall gerät, hat genau zwei Möglichkeiten: Der Versicherung die Abwicklung zu überlassen und damit auf viel Geld zu verzichten oder Sich mühsam und zeitaufwendig selbst zu seinem Recht zu verhelfen.

Und nochmal die Versprechen

  • Mit den Unfallhelden sind Abwicklung und Schadensregulierung nach einem Autounfall ganz einfach: Einfach den Autounfall über die Homepage oder die kostenlose Hotline melden, alles weitere übernehmen die Unfallhelden! Versicherungsunabhängig und zuverlässig. Und es entstehen keinerlei Kosten für den Service. Garantiert! Worauf warten Sie noch?

Irreführung?

Das "kostenlos" und "keinerlei Kosten" klingt gut! Und wird vermutlich vom Verbraucher prompt falsch verstanden. Ist das Absicht? Wer sich direkt an die Versicherung wendet, der verzichtet auf Geld? Immer? Oder regulieren die meisten Versicherer doch eher korrekt? Was sagen die Versicherer im Einzelnen und der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) zu solchen Aussagen?

Kostenlos?

Gleich 3 mal findet der Verbraucher das Wort "kostenlos" bzw. den Begriff "ohne Kosten" in den ersten Zeilen der Homepage von Unfallhelden. Dies im Zusammenhang mit Begriffen wie Gutachter oder auch Rechtsanwalt. Was wird der durchschnittlich versierte Verbraucher denken? Er wird also vermutlich seine Daten eingeben in der Hoffnung tatsächlich vollumfänglich kostenfreie Dienstleistungen zu erhalten. Erst ein tiefer Blick in die FAQ und die AGB von Unfallhelden stellt die Sache richtig. Der Begriff "Kosten" gehörte zum Zeitpunkt der Recherche des Versicherungsbote übrigens nicht zu den meistgesuchten Begriffen der FAQ, was ebenfalls einige Rückschlüsse zulässt. Man muss also den Begriff "Kosten" erst suchen. Dann erhält man folgende Antwort:

  • Der Service der Unfallhelden ist kostenlos, auch dann, wenn der Unfall nicht fremdverschuldet war. Natürlich arbeiten notwendige Abwicklungspartner, zum Beispiel Gutachter, Werkstätten, Rechtsanwälte und Mietwagenfirmen nicht umsonst.

Ups - also doch nicht insgesamt kostenlos? Liest man dann genauer in den AGB nach, ist lediglich die Geschäftsbesorgung durch Unfallhelden kostenlos. Aber was ist die Geschäftsbesorgung?

Vermittlung gegen Provision?

Handelt es sich bei Unfallhelden in Wirklichkeit um eine geschickt aufgebaute Vermittlungs-Homepage für letztlich kostenpflichtige Abschleppunternehmen, Gutachter, Sachverständige, Werkstätten, Rechtsanwälte und sonstige Dienstleister? In den AGB steht dazu zu lesen, dass Unfallhelden eine unentgeltliche Geschäftsbesorgung für den Kunden erbringe. Dazu gehört laut AGB (Zitat):

  • Beauftragung eines Abschleppunternehmens zur Verbringung eines etwa nicht mehr fahrtüchtigen oder betriebssicheren Fahrzeuges an einen mit dem Kunden abgestimmten Ort;
  • Beauftragung eines nach den jeweils geltenden öffentlich-rechtlichen Vorschriften zugelassenen Gutachters bzw. Sachverständigen zur Feststellung des eingetretenen Schadens und der hierfür aufzuwendenden Beseitigungskosten;
  • Beauftragung einer fachlich versierten Rechtsanwaltskanzlei bzw. eines entsprechenden Rechtsanwalts zur Geltendmachung und Regulierung des eingetretenen Schadens bei und mit dem Haftpflichtversicherer des Schädigers;
  • Beauftragung einer passenden Reparaturwerkstatt zur Instandsetzung des eingetretenen Sachschadens;
  • Beauftragung eines entsprechenden Anbieters mit der Bereitstellung eines Ersatzfahrzeuges;
  • Beauftragung weiterer im Einzelfall sinnvoller oder notwendiger Dienstleister mit sonstigen Dienstleistungen.

In Punkt 5. der AGB - dort mitten im Text - ist dann folgender Hinweis zu finden (Zitat):

  • Es ist möglich, dass die Unfallhelden im Zusammenhang mit den angebotenen Services von dritter Seite Zuwendungen erhalten (z.B. in Form von Vermittlungsprovisionen, Nutzungsentgelten, Lizenzgebühren, Werbekostenzuschüssen und ähnlichem).

Was ist unter dem Begriff "es ist möglich" zu verstehen? Oder ist es eher die Regel? Fakt scheint zu sein, dass Zuwendungen von beauftragten Unternehmen an Unfallhelden fließen. In diesem Zusammenhang stellen sich u.a. die Frage, ob die Vergütung von Unfallhelden zu einer Verteuerung der Leistung führt. Dies zu wissen ist wichtig für Kunden (insbesondere bei einem selbst verschuldeten Unfall), aber auch für Versicherer.

Böses Werbeflut-Erwachen?

Das nur die Geschäftsbesorgung durch Unfallhelden kostenlos ist, dies wird der Kunde vermutlich erst im Ernstfall eines eingetretenen Unfalls erfahren - welcher Kunde liest schon die AGB und die FAQ vor Anmeldung Wort für Wort durch. Aber die Adress- und Kontaktdaten des Verbrauchers sind dann ggf. schon bei Unfallhelden. Was passiert dort mit den persönlichen Daten eigentlich? Ein Blick in die Datenschutzerklärung von Unfallhelden führt zur Erkenntnis einer zumindest drohenden Marketing-Schwemme. Empfehlenswert ist für Verbraucher insbesondere das durchlesen der Punkte 2.3, 2.5, 2.7, 2.8, 3. und 5. Verdient Unfallhelden direkt oder indirekt auch am Versenden von Werbebotschaften, Gewinnspielen etc.? Geht es im Eigentlichen also um das Erreichen von Zuwendungen und um Adressgewinnung?

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Fazit

Unfallhelden wirbt sehr prominent mit dem Begriff "kostenlos" und stellt das Regulierungsverhalten der Versicherer grundsätzlich in Frage. Über seine eigenen Intentionen berichtet Unfallhelfer dagegen lieber nicht so offensichtlich und auf ersten Blick präsent auf seiner Homepage. Um dies zu erkennen muss der Verbraucher die gewöhnlich eher selten gelesenen FAQ, AGB und die Datenschutzerklärung bemühen. Ist das noch lautere, nicht irreführende Werbung? Diese Frage sollten sich GDV, Verbraucherschützer und Versicherer stellen, aber auch die "Unfallhelfer" selbst.

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