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07.09.2015

Niedrigzins und NeugeschäftErgo gibt Geschäft mit der klassischen Lebensversicherung auf

Ergo-Vorstand Dr. Clemens Muth kündigt an, die Ergo werde sich aus dem Geschäft mit klassischen Lebensversicherungen weitestgehend verabschieden. Pressefoto Ergo (Ausschnitt)

Ergo: Es ist eine Nachricht, die die Branche wachrütteln könnte. Der deutsche Branchenriese Ergo will zum Jahresende aus dem Geschäft mit klassischen Lebensversicherungen weitgehend aussteigen und stattdessen auf Produkte ohne Garantiezins setzen. Das gab Ergo-Vorstand Dr. Clemens Muth gegenüber der Süddeutschen Zeitung bekannt. Aktuell betreut die Ergo über 7 Millionen Lebensversicherungs-Verträge und zählt damit zu den Top-Anbietern auf dem deutschen Markt.

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Die Ergo zieht Konsequenzen aus dem aktuellen Niedrigzins am Kapitalmarkt und wird wohl zum Jahresende das Geschäft mit „klassischen“ Lebensversicherungen nahezu einstellen. „Wir werden die klassischen Produkte zum Jahresende für das Neugeschäft weitestgehend schließen“, kündigt Clemens Muth, als Vorstand bei der Ergo für die Kranken- und Lebensversicherung zuständig, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung an.

“Warum soll ich als Lebensversicherer unprofitable Produkte anbieten?“

Ursache für diesen radikalen Schritt ist das aktuelle Zinstief. Zwar müssen Lebensversicherungen ihren Kunden nur einen Garantiezins von 1,25 Prozent auf den Sparanteil garantieren. Aber selbst dies ist für die Versicherer schwer zu erwirtschaften, erhalten sie doch zum Beispiel auf gekaufte Bundesanleihen zur Zeit mickrige 0,8 Prozent Zinsen. Zudem sieht sich die Branche mit dem Umstand konfrontiert, dass langjährige und hochverzinste Anleihen aus „besseren Zeiten“ auslaufen, aber die Erträge daraus nicht zu ähnlich guten Konditionen neu angelegt werden können. Die Versicherer wissen schlichtweg nicht, wohin mit dem Geld ihrer Kunden.

Also wälzen die Gesellschaften das Kapitalmarktrisiko stärker auf die Versicherungsnehmer ab, indem sie zum Beispiel auf fondsgebundene Lebensversicherungen umsatteln. „Warum soll ich als Lebensversicherer Produkte anbieten, von denen ich heute schon weiß, dass sie unprofitabel sind?“, fragt Ergo-Vorstand Clemens Muth im Interview mit der Süddeutschen. Und ergänzt: „Es ist nicht die Kernaufgabe eines Lebensversicherers, die Zinsrisiken der Politik der Europäischen Zentralbank in seiner Bilanz aufzufangen“. Die Lebensversicherung sei stattdessen dafür da, „biometrische Risiken wie Berufsunfähigkeit oder Langlebigkeit abzubilden und Sparprozesse zu ermöglichen“.

Die Konsequenz: Ergo-Vertreter werden künftig nur noch sogenannte kapitalmarktnahe Angebote verkaufen, wie die Süddeutsche berichtet. Nur Kunden, die Zehn- oder Hunderttausende von Euro in eine sofort beginnende Rente einzahlen, sollen noch vom Klassikangebot profitieren. Zuvor hatten auch schon die Zurich, Generali und die Gothaer angekündigt, man werde das Geschäft mit den Garantiezins-Policen deutlich reduzieren oder einstellen.

Ergo-Pensionskasse macht dicht, Veränderungen bei Riester

Clemens Muth kündigte weitere Schritte an, die für Vermittler Konsequenzen haben werden. So soll auch das Neugeschäft in der Ergo Pensionskasse geschlossen werden, einem Anbieter der betrieblichen Altersvorsorge (bAV), der aktuell 254 Millionen Euro Prämie im Jahr verwaltet. „Dies wird sehr kurzfristig noch im September geschehen“, so der promovierte Volkswirt.

Bei der Ergo-Tochter Vorsorge Lebensversicherung steht darüber hinaus das klassische Riester-Neugeschäft zur Debatte. Hier soll im Laufe des Jahres 2016 die Produktpalette auf kapitalmarktnahe Angebote umgestellt werden, „das klassische Produkt der Ergo Lebensversicherung stellen wir dann ein“, sagt Muth. „Wir wollen die Komplexität reduzieren“. Auch müsste deutlich weniger Eigenkapital zurückgehalten werden, wenn die klassischen Policen aufgegeben werden. Bestehende Garantien wolle der Versicherer aber weiterhin erfüllen.

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Und schon droht neuer Ärger. Im Juli war bekannt geworden, dass die Ergo rund 350.000 Lebensversicherungen fehlerhaft berechnet hatte, Ursache waren veraltete und fehlerhafte Rechenprogramme (Versicherungsbote berichtete). Die Kunden erhielten korrigierte Neuberechnungen ihrer Verträge. Aber dies ist nicht das Ende der Rechenpanne. Demnächst werde Ergo 15.000 Kunden anschreiben müssen, die erst vor Kurzem eine Ergo-Privatrente abgeschlossen hatten. Hier seien Prognoserechnungen teils zu ungenau erfolgt. In mindestens dreihundert Fällen betrifft die Differenz mehrere tausend Euro.

Süddeutsche Zeitung

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