Anzeige

Facebook ProfilTwitter ProfilGoogle Plus ProfilXing Profil
16.08.2015

Der EinwurfAngst vor Altersarmut sinkt - aber warum?

Angst vor Altersarmut.mikegi / pixabay

Die Ängste der Deutschen gehen (im Vergleich zum Vorjahr) im Jahr 2015 insgesamt leicht zurück. Das Statistische Bundesamt hat mit einer Befragung in Deutschland ermittelt, welche Risiken und Gefahren den Deutschen große Sorgen bereiten.

Anzeige


Sorge vor Terroranschlägen stark gesunken

Im Jahr 2015 gaben noch rund 28 Prozent der Befragten an, sich große Sorgen hinsichtlich eventueller Terroranschläge zu machen - im Jahr 2014 waren es noch 17 Prozent.

Die größten Sorgen der Deutschen

Große Ängste haben die Deutschen im Jahr 2015 insbesondere vor

  • Pflegebedürftigkeit und Demenz (48% aller Befragten),
  • Altersarmut (43% aller Befragten) und vor
  • lebensbedrohliche Krankheiten, z.B. Krebs (41% aller Befragten).

Das hat eine aktuelle Befragung des Statistischen Bundesamtes unter der deutschen Bevölkerung ergeben.

Angst vor Altersarmut gesunken

Es verwundert, dass die Angst vor Altersarmut im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozentpunkte gesunken ist. Augenscheinlich haben die Deutschen das bereits geltende Rentenreformgesetz schlichtweg vergessen, welches dafür sorgt, dass die zukünftige Rente bei den Bürgern (insofern sie keine Pension beziehen) bald auf 43 % des ehemaligen Einkommens sinken wird. Oder die Deutschen fangen an zu resignieren, weil sich die Erkenntnis durchsetzt, dass viele Bundesbürger zu Rentenbeginn im Bereich der Grundsicherung landen und folglich keine Altersrente erreichen werden.

Finanzielle Folgen eher selten abgesichert

Ebenfalls verwunderlich ist, dass die Deutschen zwar Angst vor Pflegebedürftigkeit, Demenz und vor lebensbedrohliche Krankheiten (z.B. Krebs ) haben - aber kaum etwas tun um wenigstens die finanziellen Folgen abzumildern. So z.B. durch Sparen oder Geldanlagen fürs Alter oder den Abschluss von einer Pflegezusatzversicherung oder einer Dread Disease Versicherung (Absicherung schwerer Krankheiten).

Sorgen und Ängste werden steigen wenn es zu spät ist

Die Sorge vor Altersarmut wird vermutlich erst langsam wieder ansteigen. Mit einer extremen Zunahme der Sorgen wegen Altersarmut dürfte aber spätestens ab 2025 zu rechnen sein, also zu einem Zeitpunkt, zu dem die Auswirkung der Rentenreform sehr schmerzlich wird, die in 2030 ihre volle Auswirkung erreicht. Für die Bürger, die dann kurz vor ihrem Rentenbeginnalter stehen dürfte es dann aber zu spät sein.

Wer heute nichts tut muss später die Folgen selbst tragen

Setzt kein Umdenken in der Bevölkerung ein, dann wird es schwierig, denn es gibt nur drei Möglichkeiten:

  1. Die Bürger zwingen durch ihr Wahlverhalten und öffentlichen Protest ihre Regierung dazu, das die gesetzliche Rentenversicherung unmittelbar und ab sofort erheblich gestärkt wird.
  2. Auch als Rentner weiter arbeiten (insofern Arbeit vorhanden ist), damit ein gesicherter Lebensunterhalt auch im Alter möglich ist.
  3. Die Bürger müssen ab sofort bedeutend mehr Eigenvorsorge betreiben. Mit Eigenvorsorge sind dabei nicht etwa 50 Euro im Monat gemeint, sondern 250 Euro monatlich oder mehr. Die Frage, ob die Bürger dies tatsächlich können, stellt sich nicht. Denn wer es nicht kann wird kein sorgenfreies Leben im Alter haben, in diesem Falle trifft dann 2. zu. Das sind schlichtweg die Tatsachen auf derzeitigem Stand.

Demontage der gesetzlichen Rente bereits unter rot/grüner Regierung

Die rot/grüne Regierung unter Schröder hat die gesetzliche Rentenversicherung m. E. zugunsten der privaten Versicherungswirtschaft quasi demontiert, die Regierung unter Merkel hat es dabei belassen. Wer über die Folgen nachdenkt, dem muss es zwangsläufig gruseln. Denn wenn - wie derzeit absehbar - zu viele Bürger in die Grundsicherung fallen, wer soll diese Aufwendungen dann bezahlen?

Wer aber zu wenig spart, dessen Ersparnisse werden mit der Grundsicherung verrechnet - ohne dass ein effektiver Mehrertrag bleibt. Ein weiterer Teufelskreis, der nur durch den Gesetzgeber durchbrochen werden kann.

Eigenvorsorge ja – aber mit „Geld weg Garantie“ ?

Selbst wenn Bürger sparen sorgt der Gesetzgeber durch säumiges Verhalten und fehlerhafte oder unvollständige Gesetze dafür, dass Erspartes bei nicht wenigen Bürgern verloren geht oder wegen zu hoher Kosten unrentabel angelegt wird. Der Graue Kapitalmarkt, dessen Produkte zur Altersvorsorge im Übrigen völlig ungeeignet sind, ist hier nur ein Beispiel. Die Liste der Geldverbrenner aus dem Grauen Kapitalmarkt ist lang, die Schäden gehen in die Milliarden. Ein paar Beispiele:

Die neueren Graumarktprodukte (z.B. Infinus) wurden zudem oft unter Haftungsdächern vermittelt, deren bloße Existenzmöglichkeit m.E. ebenfalls ein schwerer Fehler des Gesetzgebers, also des Staates ist.

Aber Lebens- und Rentenversicherungen, das ist doch sicher - oder?

Lebensversicherungen die der Altersvorsorge dienen sollen dürfen in Deutschland laut Gerichtsurteil des LG Hamburg als "legaler Betrug" bezeichnet werden. Die Lobbyverbände der Versicherungswirtschaft und den Staat interessiert das wenig. Eher versucht man von dieser Seite mit Verhaltenskodizes und halbherzigen Gesetzen (Lebensversicherungsreformgesetz) die Sache irgend wie am laufen zu halten. Aber die Lebensversicherung wackelt; die Warnungen des Internationalen Währungsfonds und der Bundesbank in Richtung der Lebensversicherungswirtschaft sind ziemlich eindeutig. Denn neben einer für die Lebensversicherer derzeit desaströsen Zinssituation kommen auch weitere Probleme wie z.B. Solvency II auf die Lebensversicherer zu.

Was also tun?

Verbraucherzentralen und der Bund der Versicherten raten dringend zu einer Trennung von Versicherung und Geldanlage/Altersvorsorge. Meiden Sie den Grauen Kapitalmarkt! Verbraucher sollten sich in Sachen Geldanlagen und Altersvorsorge von Finanzanlagenvermittlern oder Honoraranlageberatern (da gibt es nur wenige) beraten lassen. Beide bedürfen einer Zulassung und haften für den Ihnen erteilten Rat. Vermittler die einem Haftungsdach angehören sollten Verbrauch m.E. meiden, da die Vermögensschadenhaftpflicht des Haftungsdaches meist nicht ausreichend ist oder gar nicht leistet. Geht das Haftungsdach pleite, dann stehen Verbraucher im Ernstfall ohne Schutz da und die Ersparnisse sind schlichtweg verloren (siehe Beispiel Infinus).

Ein paar kleinere Tipps und Hinweise zu Versicherungen und zum Sparen, die eine persönliche Beratung jedoch keinesfalls ersetzen können, finden interessierte Leser hier.



Artikel bewerten

gefällt mir 
 
05

0
 
Artikel empfehlen

Anzeige

Umfrage zu Bewertungsportalen

Fachmagazin bestellen

Newsletter bestellen

Umfrage zur Weiterbildung