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10.07.2015

NiedrigzinsAllianz Leben-Chef Faulhaber verteidigt Lebensversicherung

Wer geht zum Angriff über - und wer verteidigt? Die Lebensversicherung sorgte in den letzten Monaten für kontroverse Debatten (Symbolbild). OpenClipartVectors@Pixabay.com

Allianz: Markus Faulhaber, Chef der Allianz Leben, hat in einem Zeitungsinterview die Lebensversicherung gegen Kritik verteidigt. Die Gesamtverzinsung beim klassisch orientierten Vorsorgekonzept Perspektive liege 2015 bei über vier Prozent. Damit verweigere er sich der Aussage, die Lebensversicherung sei renditearm. Dass Faulhaber es mit seiner Fürsprache ernst meint, offenbart die Zahl seiner persönlich abgeschlossenen LV-Verträge: Er selbst besitzt zehn Lebensversicherungen.

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Die Lebensversicherungs-Sparte steht seit Monaten in der Kritik. Die Kapitalkosten steigen und seit Januar 2015 gibt es nur noch einen Garantiezins von 1,25 Prozent auf das Sparguthaben. Dennoch wehrt sich nun Markus Faulhaber, Chef der Allianz Leben, in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung gegen eine Abwertung der Lebensversicherung als Teil der privaten Altersvorsorge.

Garantieverzinsung „nur unterstes Sicherheitsnetz“

Markus Faulhaber, Vorstandsvorsitzender der Allianz Leben Die Garantieverzinsung, dank LVRG auf 1,25 Prozent beschränkt, stelle ja nur das unterste Sicherheitsnetz dar, argumentiert Faulhaber. „Viel entscheidender für unsere Kunden ist die Gesamtverzinsung. Die liegt beim klassisch orientierten Vorsorgekonzept Perspektive in 2015 bei über vier Prozent. Deshalb wehre ich mich gegen die Behauptung, die Lebensversicherung sei renditearm.“ Im Vergleich zu Sparformen wie Bundesanleihen und Pfandbriefen habe die Lebensversicherung -zumindest bei der Allianz- am wenigsten Rendite verloren.

Faulhaber erklärte in dem Gespräch auch, mit welcher Anlagestrategie die Allianz auf den anhaltenden Niedrigzins reagiert. „Wir verfolgen seit Jahren eine Strategie der mehrfachen Diversifizierung – sowohl bei den Anlageklassen als auch im Hinblick auf die Regionen, in die wir investieren. Früher haben wir uns viel stärker auf Europa konzentriert, weil die Währungsrisiken im Euroraum geringer sind. Inzwischen legen wir weltweit an.“ So würde die Allianz verstärkt in die Infrastruktur und Bonds von Schwellenländern investieren sowie weltweit Aktien und Immobilien kaufen.

Kapitalkosten für klassische Lebensversicherung zu hoch

Einen Ausstieg aus dem Geschäft mit klassischen Rentenversicherungen steht laut Faulhaber bei der Allianz derzeit nicht zur Debatte. Zwar seien die Kapitalkosten für klassische Rentenprodukte mit konventionellen Garantien extrem hoch geworden, gibt auch Faulhaber zu bedenken. Damit „sind die Produkte für den Kunden uninteressanter, weil diese Kosten seine Rendite mindern. Für die Altersvorsorge sind sie also nicht mehr die erste Wahl. Anders als andere Gesellschaften sagen wir aber nicht, dass wir diese Produkte nicht mehr anbieten.“

Als Alternative setzt die Allianz auf Produkte mit neuen Garantiemodellen. „Wir haben ja schon 2007 unser erstes Produkt mit neuen Garantien auf den Markt gebracht, 2013 zuletzt Perspektive“, erklärt Faulhaber. „Diese Vorsorgekonzepte werden besser angenommen, als wir gedacht haben.“ So konnte die Allianz bisher rund 130.000 Verträge des Vorsorgekonzepts Perspektive verkaufen. Hingegen machen klassische Rentenprodukte bei der Allianz nur noch ein Fünftel des Neugeschäfts aus.

Die Vorteile der Produkte mit neuem Garantiezins: Im Gegensatz zu klassischen Rentenprodukten dürfen die Versicherer hier risikofreudiger investieren, wobei die Garantiezusagen gegenüber dem Kunden niedriger sind und der Sparer somit auch ein höheres Anlagerisiko trägt. Ab Mitte Juli wird die Allianz mit dem Konzept „Komfort-Dynamik“ ein weiteres Produkt mit höherem Chancenprofil anbieten (Versicherungsbote berichtete).

Online-Offensive: “Intelligentes Zusammenspiel aller Zugangswege“

Auch zur angestrebten Digitalisierungsoffensive äußerte sich Faulhaber. Anfang Juni war bekannt geworden, dass die Allianz ihre Geschäftsstellen von 88 auf 60 reduzieren will, um 40 Millionen Euro einzusparen. Im Gegenzug sollen Kundenkontakt und Beratung stärker ins Internet verlagert und über Videochats oder Social Media Kanäle abgewickelt werden (Versicherungsbote berichtete). Aber ist ein so komplexes Produkt wie die Lebensversicherung für den Online-Abschluss überhaupt geeignet?

“Wir gehen nicht davon aus, dass Kunden automatisch online abschließen“, sagt Faulhaber zu der Online-Strategie. „Wir planen ein intelligentes Zusammenspiel aller Zugangswege, die dem Verhalten der Kunden Rechnung tragen. Wenn der Kunde im Netz einsteigt und zusätzlichen Rat braucht, dann bieten wir diesen durch unsere Vermittler an. Unsere Erfahrung zeigt, dass der Kunde sich online informiert, um dann bei einem Berater abzuschließen.“

Die Fülle an Informationen im Internet bringe zugleich einen gezielteren Bedarf an Orientierungshilfe und qualifizierter Beratung mit sich. Deshalb bestreitet Faulhaber, dass man zukünftig weniger „Berater“ brauche, weil die Kunden sich schon online informiert haben. Gerade in der Alters- und Pflegevorsorge sei der Beratungsbedarf sehr hoch. Allerdings hat die Allianz bereits angekündigt, mindestens 360 Stellen abbauen zu wollen, vornehmlich Angestellte im Führungs- und Innendienst.

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Im Interview verriet Faulhaber auch, dass er persönlich zehn Lebensversicherungen besitzt, alle im eigenen Haus abgeschlossen. Auf die Frage, was für ihn eine gute Altersvorsorge ausmacht, antwortet er: „Sie muss verlässlich sein und eine gute Verzinsung bieten. Vor allem muss sie ein lebenslanges Einkommen ermöglichen. Ich möchte nicht mein Geld überleben.“

Stuttgarter Zeitung

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