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11.06.2015

Heath Report GroßbritannienProvisionsverbot könnte vielen Menschen Zugang zur Finanzberatung verbauen

Hier geht es nicht weiter: Weil sie sich die teure Honorarberatung nicht leisten können, erhalten 16 Millionen Briten nach dem Provisionsverbot keine Finanzberatung mehr, kritisiert Garry Heat. Geralt@Pixabay.com

Finanzberatung: sechzehn Millionen Briten haben keinen Zugang zu einer professionellen Finanzberatung. Garry Heath, das ist der Ex-Chef des britischen IFA-Verbands, äußerte sich unlängst in einem Interview über die Auswirkungen des Provisionsverbots im Vereinigten Königreich, zu den Tücken automatisierter Anlageempfehlungen und zu der Frage, was Europas Finanzberater aus dem Beispiel Großbritannien lernen sollten. Darüber hinaus hat sich Garry Heath den Kampf gegen die ungeliebte Retail Distribu­tion Review (RDR) aufgenommen.

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Garry Heath: "Meiner Meinung nach sollten Berater die Kos­ten für die Regulierung als separate Position ausweisen." Seit Ende 2012 existiert die Gesetzgebung, die darauf abzielt, Vermögensberatern in Großbritannien die Abwicklung von Provisionsgeschäft zu verbieten. Die Gesetzgebung hat das Marktgeschehen auf der britischen Insel nachhältig und neu geprägt, wie auf fondsprofessionell zu lesen war.

­Provisionsverbot birgt erhebliche Risiken

Heath selbst war zehn Jahre lang aktiv als Sprecher des britischen IFA-Verbandes. Heute nun reist er unermüdlich durch Europa und tut allen Interessierten und Betroffenen kund, welche Folgewirkungen das durch RDR verursachte Provisionsverbot auf seinen Heimatmarkt mit sich bringt. Zur Veranschaulichung ­erstellte Garry Health vor einiger Zeit seinen "Heath Report". Dieser Bericht erschien nun in der zweiten Fassung und beinhaltet Zahlen zu den Auswirkungen der RDR.

Im Interview stellte Heath nun dar, warum er Beratern in Kontinentaleuropa rät, sich mit aller Kraft gegen ein Provisionsverbot zu stemmen. Im Interview sagte Health auf die Frage, was die wesentlichen Ergebnisse seiner Analyse seien: "Der Report zeigt, dass seit 2008 insgesamt 13.500 Berater den Markt in Großbritannien verlassen haben. Viel schlimmer ist allerdings die Tatsache, dass durch die RDR mehr als 16 Millionen Menschen in Großbritannien im Prinzip keinen Zugriff mehr auf professionelle Anlageberatung haben. Die Einzigen, die weiterhin Beratung bekommen, sind sehr wohlhabende Personen. Wie diese Entwicklung als verbraucherfreundlich angesehen werden kann, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel."

Heath geht ferner davon aus, dass viele Menschen infolge dieser Entwicklung nicht mehr privat vorsorgen würden. Es sei so, dass in Großbritannien sehr viele Menschen eine massive Pensionslücke hätten, die unbedingt zu schließen sei. Doch wären die staatlichen Rentenleistungen zu gering, wodurch gerade die private Vor­sorge eine hohe Bedeutung gewänne. Damit sind es in Folge des RDR nun einmal mehr die nicht so wohlhabenden Leute, die verstärkt auf den Staat angewiesen wären.

Keine neuen IFAs

Im Angesicht der Bevölkerungsentwicklung erachtet Heath das beschriebene Szenario als sehr bedenklich. Im Gleichtakt mit der RDR-Einführung gab es ­allerdings auch eine Verbesserung in der betrieblichen Alters­vorsorge und Heath kann hier durchaus auch einen positiven Effekt erkennen: "Durch das neue System nimmt nun jeder Mitarbeiter automatisch an einer betrieblichen Altersvorsorge teil, wenn er nicht explizit ­dagegen stimmt. Es gibt auch einige IFAs, die Unternehmen in diesem Bereich beraten." Trotz allem wird für die meisten Leute eine ­zusätz­liche private Altersvorsorge nötig werden, um den bisherigen Lebensstandard auch nur annähernd zu halten. Trauen sich also trotz der RDR auch neue IFAs an den Markt, fragte man Heath und er antwortete: "Nein, eigentlich sieht man keine neuen IFAs."

Gleichwohl zeige sich im Bereich der Banken wieder ein gewisses Maß an Neueinstel­lungen, denn hier benötigt man Berater für das Segment der sehr wohlhabenden Kunden. In der Vergangenheit hatten die Banken schlicht zu viele Berater entlassen, was sich als nicht praktikabel erwies. Bei der detaillierten Betrachtung der Zahlen des Heath-Reports fällt ins Auge, dass Banken in weitaus stärkerem Maß von der RDR getroffen wurden als IFAs. Nämlich beinah neunzig Prozent der Bankberater verloren demnach ihren Job. Ob den Banken eine solche Entwicklung im Vorfeld schon bewusst war? Heath: "Es werden hierzu keine offiziellen Zahlen veröffentlicht, wir sind daher auf Aussagen der Aufsichtsbehörden angewiesen. Allerdings ist es eine Tatsache, dass fast alle Banken in der Vergangenheit Kündigungspläne veröffentlicht haben, von denen hauptsächlich die Anlageberater betroffen waren."

Banken von Konsequenzen des RDR überrascht

Zunächst hatten sich insbesondere die Banken für die Einführung der RDR engagiert, doch dann wurden sie erstaunlicherweise doch von den Folgewirkungen der RDR überrascht. Die Banken hatten offenbar angenommen, die RDR würde in erster Linie die IFAs aus dem Markt heraus drängen. Wenn nun Banken und IFAs in Kontinentaleuropa gemeinsam gegen ein Provisionsverbot vorgingen, dann sei die Konsolidierung auf Ebene der IFAs in Großbritannien also noch nicht beendet, fragte man Heath. Und er erwiderte: "Nein, nachdem geplant ist, im Jahr 2016 auch Folgeprovisionen zu verbieten, besteht für 7.000 bis 15.000 Berater die Gefahr, ihre Lebensgrundlage zu verlieren. Das Problem ­ist, dass nach unseren Berech­nungen bei einem Verbot nur 60 Prozent der Folgeprovisionen in Servicehonorare umgewandelt werden können. Das würde bedeuten, dass Provisionen in Höhe von mehr als zwölf Milliarden Euro wegfielen."

Nun seien die eigenen Kosten für IFAs bereits durch die Regulierung um zwanzig Prozent angestiegen, wendete fondsprofessionell ein und wenn nun auch noch ein Verbot der Folgeprovisionen käme, würden die Kosten doch nochmals deutlich ansteigen. Zudem argumentiere Heath, dass die Kos­ten, die die RDR mit sich brächte, überhaupt nicht in Relation zu ihrem Effekt stünden. Wie also ist das zu verstehen? Heath erklärte es so, dass die Aufsichtsbehörde FCA mit der Einführung der RDR das Ziel verfolgt habe, Fehlberatungen künftig zu verhindern. Denn diese kos­teten die ­Kunden in der Vergangenheit jährlich 223 Millionen Pfund. Jetzt aber hätte sich heraus gestellt, dass die RDR-Implementierung die Menschen hierzulande nunmehr 340 Millionen Pfund pro Jahr kosten würde. Der Meinung Heath' nach sollten Berater darum die Kos­ten für die Regulierung als separate Position ausweisen. Auf diese Weise könnten Kunden zwischen den Kosten, die tatsächlich vom Berater kommen, und jenen, die durch die Regulierung entstünden und über die der Be­rater keine Kontrolle hat, unterscheiden.

Sechzehn Millionen Opfer der RDR

Allerdings sind nicht alle IFAs in Großbritannien mit der aktuellen Situation unzufrieden. Heath räumte sogar ein, dass viele sehr gut von der Honorarberatung ­leben könnten. Doch gehe er davon aus, dass etwa 20.000 Berater über einen soliden Kundenstamm verfügten; während es für alle anderen künftig schwierig werden würde. So wären es in der Regel in erster Linie jene Berater gewesen, die in ­kleinen Städten und Ortschaften aktiv gewesen waren und Kunden mit kleinen Vermögen ­betreut hatten, die angesichts der neuen Situation aufgeben mussten.

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Doch die eigentlichen Opfer der RDR, so zeigte sich Heath überzeugt, seien die sechzehn Millionen Menschen, die nun gar keinen Zugang mehr zu professioneller Beratung hätten. Diese sechzehn Millionen könnten alternativ nur noch mit Onlinebrokern zusammen arbeiten. Doch scheint dies Heath wenig sinnvoll. Unternehmen wie Hargreaves Lansdown, die übrigens ursprünglich als Beratungsunter­nehmen angefangen hatten und nun nur noch Execution-­only-Geschäft machen, stünden zwar tatsächlich vor steigenden Kundenzahlen. Doch, so Health, sei die Frage erlaubt, wie viele Menschen sich tatsächlich quasi selbst beraten wollten.

fondsprofessionell.com

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