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07.04.2015

VersicherungsskandaleAllianz stellt Strafantrag gegen Mehmet Göker

Mehmet Göker (2. von rechts) im Kreis von Gefolgsleuten. Seit einiger Zeit schon hat er Ärger mit der JustizSternfilm / Ulf Schaumlöffel

Die Allianz Versicherung hat Strafantrag gegen den umstrittenen MEG-Gründer Mehmet Göker gestellt. Laut einem Zeitungsbericht fordert die Allianz Vorschüsse in Höhe von 2 Millionen Euro von Göker und seiner MEG zurück – und spekuliert darauf, dass seine Villen in der Türkei gepfändet werden. Die Strafanzeige dient dabei als Druckmittel, um an Vermögenswerte heranzukommen.

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Wohl kein anderer Vertrieb steht so sehr für die Provisionsexzesse in der Versicherungsbranche wie die MEG AG von Mehmet Göker. Bis zu 8.000 Euro Courtage sollen Versicherungen für die Vermittlung einer einzigen Krankenversicherung an die MEG gezahlt haben, die in guten Zeiten Policen wie geschnitten Brot verkaufte. Doch der Vertrieb im Akkord ging zu Lasten der Beratungsqualität – am Ende stornierten über 90 Prozent der Kunden ihren unpassenden Versicherungsschutz. Die MEG AG musste 2009 Insolvenz anmelden und Göker setzte sich mit einem riesigen Schuldenberg in die Türkei ab.

Allianz stellt Strafantrag wegen Vereitelung einer Zwangsvollstreckung

Auch die Allianz Versicherung hat hohe Vorschüsse an Göker gezahlt und blieb bisher auf ihren Forderungen sitzen. Aber dieses Geld will sich der Branchenprimus nun zurückholen. Laut einem Handelsblatt-Bericht stellte die Allianz bereits im Mai 2013 einen Strafantrag gegen Göker bei der Staatsanwaltschaft Kassel. Der Vorwurf lautet auf Vereitelung einer Zwangsvollstreckung, weil der schillernde Versicherungsmakler Vermögen ins Ausland gerettet haben soll.

Die Schulden Mehmet Gökers gegenüber der Allianz sind vergleichsweise überschaubar. Von Göker persönlich fordert die Allianz 125.000 Euro an Vorschüssen zurück, berichtet das Handelsblatt. Bereits im Jahr 2010 habe das Landgericht Kassel die Rechtmäßigkeit der Ansprüche bestätigt. Weitere 2 Millionen Euro will die Allianz von Gökers alter Firma MEG zurückhaben, die aktuell von einem Insolvenzverwalter betreut wird.

Dass die Allianz auf die Rückzahlungen beharren muss, ist auch im Aktienrecht begründet. “Sollte sich bei den Ermittlungen herausstellen, dass strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt, so liegen diese Ermittlungen auch im Interesse der Geschädigten, nicht nur im Interesse der Strafverfolger“, so ein Sprecher der Versicherung. Auch andere Anbieter wie die Alte Leipziger und Axa haben noch Millionenforderungen an die MEG.

Hohe Vermögenswerte in der Türkei vermutet

Die Strafanzeige der Allianz hat eine weitere Funktion: Sie soll Druck auf die Justiz ausüben. Das Landgericht Kassel kämpft aktuell mit personellen Engpässen, es gibt nicht mal einen Vorsitzenden Richter. Weil sich Mehmet Göker in die Türkei abgesetzt hat, mit dem Land aber keine Auslieferungsvereinbarung besteht, wird zur Zeit auch nicht gegen Göker ermittelt. „Wir stecken derzeit keine Arbeitskraft in den Fall Göker“, hatte ein Sprecher des Landgerichtes im Januar 2015 erklärt (Versicherungsbote berichtete).

Nun gesellt sich zu dem laufenden Zivilverfahren eine Strafanzeige hinzu – und sie erlaubt es der Allianz, über eine Münchener Anwaltskanzlei Einsicht in die Strafakten von Göker zu erhalten. Dabei geht es um die Frage, ob er überhaupt noch über pfändbares Vermögen verfügt oder komplett pleite ist. Während in Deutschland ziemliche Ebbe herrschen dürfte, werden in der Türkei noch hohe Vermögenswerte vermutet, die notfalls konfisziert werden könnten.

Konkret geht es um mehrere Villenanlagen in Nähe der Touristenmetropole Kuşadası, die Göker zu Hochzeiten der MEG kaufte. Das Ensemble an der Ägäis-Küste besteht aus zwölf Ferienhäusern mit einem Pool in der Mitte, jede Immobilie soll laut Prospekt zwischen 145.000 und 165.000 Euro wert sein. Könnte hieraus die Schuld beglichen werden?

Zwar besteht mit der Türkei kein Auslieferungsabkommen, aber ein Vollstreckungsabkommen. Bereits MEG-Insolvenzverwalter Dr. Fritz Westhelle hatte die Zwangsversteigerung von Häusern in der Türkei beantragt und damit 200.000 Euro von Göker freigepresst (Versicherungsbote berichtete). Auf Anfrage des Handelsblattes bestätigt Göker, dass er einen Teil der Häuser bereits verkauft hat. Ihm wird vorgeworfen, die Grundschuld der Häuser auf einen Freund übertragen zu haben, um sie vor einer Pfändung zu schützen.

Göker ist weiter aktiv

Gökers Flucht aus Deutschland bedeutet keineswegs, dass er sich aus dem Krankenversicherungsgeschäft zurückgezogen hat. Laut dem Informationsdienst GoMoPa ist er weiterhin mit rund 20 Mitarbeitern im Bereich der Krankenversicherungs-Optimierung für Selbstständige tätig.

Demnach rufen Göker-Vertraute von der Türkei aus PKV-Versicherte in Deutschland an und versprechen, sie in einen billigeren Tarif zu vermitteln. Weil viele Krankenversicherungen leistungsstarke Tarife für junge Neukunden anbieten und der Gesetzgeber eine Wechseloption festschreibt, kann dies sogar gelingen. Bei erfolgreicher Vermittlung lassen sich die Berater bis zu zehn monatliche Einsparbeträge auszahlen, berichtet ein Informant gegenüber GoMoPa.

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Dem Kunden werde bei den Anrufen eine Telefonnummer aus Deutschland angezeigt. Die Rechnungen für die Beratungsleistung stelle ebenfalls ein deutsches Maklerbüro aus - Gökers Partner sei das Versicherungsbüro Live Management in Fürstenfeldbruck. Darüber hinaus arbeitet Göker gemeinsam mit dem Boulevardjournalisten Christian Schommers an einer Autobiographie. Der ehemalige stellvertretende "Closer"-Chefredakteur Schommers war bereits an der letzten Biographie von Boris Becker beteiligt.

Handelsblatt Online

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