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12.03.2015

NachrangdarlehenDebeka-Debakel: Zauberlehrlinge verheben sich am Nachrangdarlehen

Versicherungsbote

Debeka - Bis zum 15. März haben die Vertreter der Debeka noch Zeit. An diesem Sonntag müssen die Nachranganleihen, die Bausparverträge ersetzen sollen, an die Kundschaft verkauft sein – oder nicht. Von einem entsprechenden Verkaufsgewitter, dass auf die Debeka-Bausparer hernieder geht, berichtet nun ein Insider. Und von überforderten Zauberlehrlingen, die das Handwerk, das den Meister loben soll, nicht beherrschen.

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Kurz die Ausgangslage: Damit die Debeka-Bausparkasse teure Altverträge mit drei und mehr Prozenten Habenzins los wird, sollen ihre Kunden auf eine Nachranganleihe der Debeka-Leben umsteigen, die (für das normale Kundenverständnis komplizert konstruiert) von der Krankenversicherungs-Tochter des Bamtenversicherers gezeichnet wurde. 250 Millionen Euro hat die Debeka-Kranken gezeichnet; dieser Betrag steht zur Weiterverteilung, genauer zur Beteiligung durch den Kunden zur Verfügung. 4,0 Prozent Zins werden angesagt, 12 Jahre festgemauert. Nun wird offenbar massiv verkauft.

Dürfen Debekaner alles?

Infolge der vorangegangenen Berichte zu der Debeka-Anleihe hat sich ein Insider beim Versicherungsboten gemeldet, der als Versicherungsmakler eine größere Anzahl von Debeka-Bausparern betreut. Nicht jedoch die Verträge selbst; das übernehmen weiterhin die Vertriebsleute der Debeka. Diese, meist Angestellte des Koblenzer Vorzeigeversicherers, machen nun neben Versicherungen und Bauspargeschäft auch in Kapitalanlagen. Für Angestellte scheinen Nachranganleihen, Gewerbeordnung hin, § 34ff her, kein fachliches oder rechtliches Problem zu sein. So der Schein.


„Unerfahrene Außendienstler“

Gegenüber dem Versicherungsboten berichtet der Insider, bei ihm hätten sich in den vergangenen Tagen, auch wegen der Berichterstattung dieser Redaktion, mehrere Kunden gemeldet. Allein aus seinem Bestand hätten sich 14 Kunden, alle mit Bausparguthaben größer 10.000 Euro, gemeldet; mit „Zinssätzen von garantiert 3,0 Prozent und Nachverzinsungsgarantien von 4,5 Prozent“, berichtet der Makler. Alle Kunden hätten berichtet, sie seien von „jungen, unerfahren wirkenden Außendienstlern persönlich aufgesucht worden.

„Massiv unbeholfen“

Zweck des Besuchs sei zunächst das Vereinbaren eines Termins gewesen „mit der Angabe: wir beiten Ihnen die Chance, ihr Bausparguthaben besser verzinst zu bekommen“, so drückt es der Informant gegenüber dem Versicherungsboten aus; und: „Näheres oder Details erfuhren die Bausparer nicht“. Im eigentlichen Beratungstermin seien die jungen Debekaner „wohl massiv unbeholfen bei Produktrückfragen“.

Wikipedia


12 Jahre?! Ach…

Weiter fasst der Informant Berichte der Kunden zur Anleihe-Beratung der Debekaner so zusammen: „Selbst bei der Laufzeit mussten vier Kunden den Außendienstler selbst (sic!) auf die Rückseite des Angebots hinweisen, dass die Laufzeit der Anleihe 12 Jahre fest und eine vorzeitige Verfügung nicht möglich ist.“ Ein Berater hätte daraufhin gesagt: „Wenn Sie einen finanziellen Engpass haben, der begründet ist, wie Arbeitslosigkeit, lässt Sie die Debeka nicht im Stich und kauft das zurück.“

Zauberlehrlinge

Normalerweise lesen auch Kunden keine Rückseiten von Formularen oder Prospekten, aber der Informant des Versicherungsboten gibt an, er habe seine Kunden fachlich vorbereitet. In den Verkaufsunterlagen, die der Redaktion des Versicherungsboten vorliegen, ist keine Härtereglung zu finden. Nun scheint es wie bei Goethes „Zauberlehrling“, dass die Berater die Geister, die sie gerufen haben, nicht mehr loswerden. Denn neben dem „guten Geist“ 4,0 Prozent droht auch noch ein „böser Geist“: 12 Jahre werden die Kunden festgemauert.

Egal?

Das Überraschende ist: auch einige Debekaner wurden offenbar davon überrascht, genauer gesagt vom Kunden, wenn man den Berichten des Informanten folgen kann. 12 Jahre Anlagedauer sind gut, wenn dieser Zeithorizont passt – umgehrt ist es umgekehrt. Aber der Debeka scheint das Passen oder nicht passen des Bedarf egal. Weil sie in ihrer Beratungsdokumentation, so man sie so bezeichnen darf, eine „anlassbezogene“ Beratung vordruckt. Und den vorformulierten Passus, dass der Kunde auf einer weitergehende Beratung verzichtet.


„Anleihe gerade täglich auf dem Arbeitsplan“

Ferner berichtet der Informant des Versicherungsboten von einer Branchenveranstaltung und einem Gespräch mit sechs Debeka-Mitarbeitern im Außendienst, „davon vier dienstjunge Berater mit weniger als zwei Jahren Berufserfahrung. Sie waren vom Produkt hellauf begeistert. Das wäre doch die richtige Lösung in Zeiten von Zinstief, super sicher, super verzinst. Sie hätten das gerade täglich auf dem Plan und würden täglich hierzu Termine vereinbaren und auch erste Erfolge, bei ganz normalen Durchschnittsverdienern.“

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Kopfschütteln der alten Vertriebler

Hier lesen Sie den weiteren Gespächsinhalt; unkommentiert und wie er dem Versicherungsboten von dem Informanten berichtet wird: „Die beiden erfahrenen Vermittler der Debeka schüttelten zu der Begeisterung ihrer vier jungen Kollegen nur den Kopf. Sie kannten sich deutlich besser zum Produkt Anleihe aus, und waren sich sicher, dass das nur für Kunden wäre, die noch keinen Bausparvertrag hätten und die eine Anlage suchen würden. Aber Sie (die älteren Vermittler, Anmerkung der Red.) wollten guten alten Kunden ihre sichere Zinsanlage nicht nehmen. Um die Erwartungen des Arbeitgebers zu erfüllen würden Sie deshalb auf neue Kunden zugehen, oder auf vermögende Kunden zur Neuanlage von Geld.“

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